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 Quelle: ZDF
Alle gegen Wallenstein: der schwedische Königshof schickt seine Truppen, im eigenen Land intrigieren die Jesuiten

Der Dreißigjährige Krieg: Mythos Wallenstein

Im Namen der Religion

Hetzkampagne gegen Wallenstein

Als Herzog von Mecklenburg scheint Wallensteins Schatten bis nach Skandinavien zu ragen. Der Kaiser ernennt ihn zum General des Ozeanischen und Baltischen Meeres. Eine ungeheure Provokation für den schwedischen Königshof.

 
 
 
 

Gustav Adolf, der wahre Herrscher des Nordens, rüstet seine Armada für den Krieg. Die Propaganda verherrlicht ihn als unbesiegbaren Löwen - als neuen Cäsar, der Wallenstein zum Duell fordert. Der Schwede ist nicht sein einziger Gegner. Feinde macht sich Wallenstein auch im eigenen Lager.

 

Der heimliche Kaiser

In München rüstet sich Maximilian zum Kampf gegen den unkalkulierbaren Feldherrn. In den Augen der deutschen Fürsten ist der böhmische Emporkömmling längst zum heimlichen Kaiser aufgestiegen. Der Bayernherzog lässt ein geheimes Gutachten über ihn anfertigen. Als Agenten gewinnt er den Kapuziner-Mönch Valeriano Magni. Sein Bild ist alarmierend: Auf die Krone habe Wallenstein es abgesehen. Er trachte Ferdinand sogar nach dem Leben. Das brisante Urteil des Spitzels ist im Münchner Hauptstaatsarchiv erhalten geblieben - eine gezielte Intrige gegen den Generalissimus?

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Maximilian rüstet gegen Wallenstein auf

Wallenstein gerät immer stärker ins Kreuzfeuer der Kritik, als er sich weigert, für den Kaiser ein hoch brisantes Projekt durchzusetzen: Nach dem Sieg über Dänemark soll das ganze Reich wieder katholisch werden. Die Armee soll den rechten Glauben notfalls mit Waffengewalt erzwingen. Wallenstein aber will keinen Krieg im Namen der Religion führen. Wird er die Kraftprobe mit dem Kaiser gewinnen? Er weiß, dass die Pläne des Herrschers ohne seine Truppen nicht durchführbar sind. Ferdinand II. wagt es nicht, sich von dem abtrünnigen Feldherrn zu trennen. Doch immer mehr Stimmen verlangen seine Absetzung.

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Das Restitutionsedikt

Zitat

„Einen Feldherrn habt ihr Euch gewählt, der die Religion für nichts achtet, der nicht Gott um Rat fragt, sondern die Magier, der den Krieg vernachlässigt, rasend schier und verblendet durch Hochmut.“

Jesuitenpater Larmormaini

Umstrittene Rekatholisierung

Ein erbitterter Gegner

Wallensteins ist der Beichtvater des Kaisers: Jesuitenpater Wilhelm Larmormaini. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann er mit dem Herrscher sprechen, um ihn von seinen Seelennöten zu befreien. Er ist ein militanter Drahtzieher der umstrittenen Rekatholisierung. "Einen Feldherrn habt ihr Euch gewählt, der die Religion für nichts achtet, der nicht Gott um Rat fragt, sondern die Magier, der den Krieg vernachlässigt, rasend schier und verblendet durch Hochmut", so eine Kampagne gegen Wallenstein. Das Dokument, mit dem Ferdinand II. den Protestantismus in Deutschland ausmerzen will, ist das Restitutionsedikt von 1629. Kirchen und Klöster sollen an die katholische Seite zurückerstattet werden. Ein Vorhaben, das selbst beim Papst in Rom umstritten ist, und zu einer gefährlichen Eskalation des Krieges führt.

Hunderttausende sollen zwangsbekehrt oder vertrieben werden. Wallenstein verweigert die Vollstreckung des Ediktes. Er sagt den Anbruch eines neuen Religionskrieges voraus. Schon bald werden kaiserliche Truppen das protestantische Magdeburg in Asche legen. "Die Erbitterung wird so groß sein", so Wallensteins Prophezeiung, "dass alle sagen, der Schwede soll nur kommen".

 

Infobox

Prof. Bernd Roeck, Universität Zürich, über Wallensteins Glaube:

"Nach allem, was wir wissen, war Wallenstein kein religiöser Fundamentalist. Sicher war er fromm und gläubig, aber hier musste er sehen, dass das Maß überschritten wurde. Hier war ein Schritt zuviel getan, der Gegenreaktionen zur Folge haben musste, und es war gegen seine Interessen, jetzt den Krieg zu verlängern. Deswegen war er Gegner dieses Edikts. Er war immerhin zwischenzeitlich Herzog von Mecklenburg, er war Herzog von Friedland - er hatte also ein Scherflein im Trocknen, und das wollte er dort lassen, wo es war, und nicht durch einen neuen Krieg alles aufs Spiel setzen."

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In Regensburg wollen die Katholiken über das Schicksal von Wallenstein entscheiden

Hetzkampagne gegen Wallenstein

Im Jahr 1630 schicken die "Soldaten Gottes" - wie man die Jesuiten nennt - eine Delegation zum Kurfürstentag nach Regensburg, um ihre Interessen durchzusetzen. Hier will man über Krieg und Frieden verhandeln - und über das Schicksal des Generalissimus. Diplomaten aus ganz Europa kommen über diese Brücke in die Stadt an der Donau. Im Reichstag machen sich Maximilian von Bayern und die Jesuiten zu Wortführern einer Hetzkampagne gegen Wallenstein. Sie fordern seine Entlassung - und der Kaiser gibt nach. Was Wallenstein im Augenblick der Niederlage fühlt, ist bis heute ein Geheimnis. Er nimmt die Entscheidung des Kaisers ruhig und gelassen entgegen. Er habe die Nachricht schon in den Sternen gelesen, soll er dem Sendboten gesagt haben.

 

Wallenstein ahnt, dass sein Ende noch nicht gekommen ist, als Schwedenkönig Gustav Adolf die Bühne des Krieges betritt. Der Held aus dem Norden erobert ganz Deutschland mit triumphalen Siegen, und der Kaiser erkennt, dass nur einer ihn aus dem Reich jagen kann. So wird Wallenstein erneut zum Herrn über Krieg und Frieden ernannt. Vor Nürnberg kommt es zur ersten dramatischen Begegnung. Wallenstein schlägt den Schweden in die Flucht. Doch der Kriegerkönig zwingt ihn erneut zum Duell.

 
 
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