Das 19. Jahrhundert - Zeit der weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen. Die Rivalität zwischen Thomas Alva Edison und George Westinghouse ist ein Synonym für diese Epoche: Die USA befinden sich in einer Phase des Umbruchs und des Fortschritts, wie es sie zuvor noch nicht gegeben hat.
Der Wettlauf der beiden Erfinder um die Vorherrschaft auf dem Markt fällt in eine Zeit, wie sie für die Protagonisten fordernder wohl kaum sein könnte. Das Gemisch aus Industrialisierung und Immigration, Besiedelung des Westens, Bürgerkrieg und Sklaverei sorgt teilweise für unberechenbare Umstände - und liefert gleichzeitig den Nährboden für einige der bahnbrechendsten Erfindungen in der Geschichte der Menschheit.
Die Industrielle Revolution ist in diesem Kontext ein wichtiger Faktor. Zum einen gründet sie teilweise auf technischen Neuerungen wie der Dampfmaschine - 1769 erfunden, ist sie eine wichtige Grundlage für weitere geniale Erfindungen. Zum anderen schreitet sie unaufhaltsam voran, so dass fortwährend Verbesserungen in Erscheinung treten, wie an der Konkurrenz zwischen Edison und Westinghouse deutlich wird.
Friedrich Engels und der französische Theoretiker Louis Auguste Blanqui prägen im frühen 19. Jahrhundert den Begriff der Industriellen Revolution. Er kennzeichnet eine Phase beschleunigter technologischer, ökonomischer und sozialer Veränderungen. Ausgangspunkt ist England in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, später setzt sie auch in den meisten europäischen Staaten sowie in Nordamerika und Japan ein.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt der Produktionsschwerpunkt noch bei der Baumwolle. Dies beginnt sich zu ändern, als ab 1844 der Bau der Eisenbahn vorangetrieben wird. Innerhalb einer Dekade verdreifacht sich die Länge des Schienennetzes, was die Besiedelung des zu großen Teilen noch unbekannten Westens ungemein erleichtert. Konflikte mit den Ureinwohnern sind programmiert, und führen letztlich zu kraftraubenden und brutalen Kriegen. Der "Fortschritt" ist nicht aufzuhalten.
Die Industrielle Revolution begann in England, Mitte des 18. Jahrhunderts. Zunehmend verlagert sich die Produktion von kleinen Manufakturen in große Fabriken. Eine hohe Rentabilität und der ständige Strom von Einwanderern aus dem krisengeschüttelten Europa tragen diese Entwicklung auch in die USA und ermöglichen erstmals die vermehrte und serienmäßige Produktion von Textil- und Dampfmaschinen, Waffen, Uhren, Schuhen und Möbeln. Die Infrastrukturen blühen auf, dies nicht zuletzt wegen der Nutzbarmachung von zunächst Gleich- und dann, gegen Ende des Jahrhunderts, Wechselstrom.
Spuren der Industriellen Revolution
Die Anzahl der gültigen Patente in England steigt von 1750 bis 1850 stark an - von 102 Anmeldungen pro Jahr auf 6155.
Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft erlebt eine bis dahin nicht gekannte Beschleunigung, die nur durch kurze Zeiten der Rezession unterbrochen wird. Der Wert der hergestellten Produkte vervierfacht sich zwischen 1840 und 1860. Die Zahl der Lohnarbeiter in diesem Zeitraum steigt von circa 790000 auf etwa 1,3 Millionen an. Dies hat auch Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen, welche sich langsam aber sicher verbessern sollten.
Diese Entwicklung führt unter anderem dazu, dass das Land sich in Befürworter und Gegner der Sklaverei spaltet. Vor allem im weniger industrialisierten Süden will man auf der Sklaverei beharren, was sich mit den fortschrittlicheren Ansichten des Nordens jedoch nicht vereinbaren lässt. Im Jahr 1861 kam es schließlich zum Bürgerkrieg, der 1865 mit dem Sieg des Nordens endet - und letztlich die gesetzliche Abschaffung der Sklaverei auch in den elf abtrünnigen Südstaaten bedeutet.
Edison, Tesla und Westinghouse sind ohnehin keine Verfechter der Sklaverei. Sie leben und arbeiten in den Nordstaaten, wo Maschinenkraft höher bewertet wird als die Kraft von Menschen - ein wichtiger Faktor für die Hinwendung zum Beruf "Erfinder". Der Süden sollte sich infolgedessen auch immer im Hintertreffen befinden, was die Zahl an wegweisenden Erfindungen betrifft.
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