Im September 1550 bereiteteten sich in der Festung Datong die Chinesen auf den Ansturm der Mongolen vor. General Weng Wanda führte das Kommando gegen die 30.000 Reiter von Altan Khan, die er vor der Festung in Stellung brachte. Showdown an der Großen Mauer.

General Weng Wanda war auf den Ansturm bestens vorbereitet. Er stoppte den Vormarsch der mongolischen Streitmacht. Die Mauer hielt, der Weg in die Kornkammern Chinas war versperrt. Unter großen Verlusten zogen sich die mongolischen Reiterhorden zurück. Doch aus der Mitte seiner flüchtenden Streitmacht schickte er eine Botschaft hinter den Grenzwall: Noch in diesem Herbst werde er mit seinen Truppen nach Peking vorstoßen.
"Die Große Mauer der Ming-Dynastie ist bis heute berühmt für ihre Unüberwindbarkeit. Unsummen waren investiert worden, Millionen Arbeitskräfte aufgeboten worden, um sie zu errichten. Die Truppe, die sie bewachte, war bestens ausgebildet. Dennoch: Die Mongolen ließen sich nicht so schnell entmutigen. Irgendwo an einer so langen Grenze musste es einfach eine Stelle geben, die leicht zu durchbrechen war. Dieser Ort war der Gubeikou-Pass, nördlich von Peking."

Altan Khan und seine Mongolen hatten erkannt, dass sie die Mauer ganz einfach umgehen konnten, sie mussten nur weit genug reiten, bis sie das unbewehrte Gebiet nordöstlich von Peking erreichten. Nur eine kleine chinesische Einheit bewachte den Gubeikou-Pass. Der Angriff der mongolischen Bogenschützen traf die Grenzsoldaten wie aus heiterem Himmel. Altan Khan hatte leichtes Spiel. Der Weg in die Hauptstadt war frei. Der Steppenfürst machte seine Drohung wahr. Bis nach Peking waren es gerade einmal 80 Kilometer.

140.000 Mann waren offiziell auf chinesischer Seite zur Verteidigung der Hauptstadt abkommandiert. Aber gerade einmal 40.000 standen unter Waffen. Zu sehr wähnte man sich nach dem Sieg von General Weng Wanda in Sicherheit. Angesichts der mongolischen Übermacht ergriffen die Chinesen kampflos die Flucht. Drei Tage lang wüteten Altan Khans Horden in den Vorstädten von Peking. Der Lärm der Plünderer drang bis in die Paläste der Verbotenen Stadt. Hinter den Mauern seines eigenen Universums blickte Kaiser Jiajing auf das Chaos, in dem die Welt draußen versank.

Am 30. September 1550 zog Altan Khan vor das Anding-Tor, jenen Ort, an dem sonst die chinesischen Truppen ihre Siegesparaden abhielten. Der Mongolenherrscher war am Ziel: Hinter dem Anding-Tor schlug das Herz des Reiches, dort lag das Zentrum Chinas. Altan schickte einen Kriegsgefangenen, der dem Kaiser eine Botschaft überbrachte. Statt die Übergabe der Stadt zu fordern, baten die Mongolen darum, an den Grenzbefestigungen im Norden offizielle Handelsplätze eröffnen zu dürfen.
Doch der kaiserliche Hof blieb bei seiner Haltung und lehnte Handelsbeziehungen mit den Mongolen erneut ab. Der Mongolenführer wurde mit diplomatischer Findigkeit hingehalten. Zunächst wich man der direkten Bitte im überbrachten Brief aus, indem man die Echtheit des Schreibens anzweifelte, weil es in chinesischer Schrift und nicht in der Schrift der "Barbaren" verfasst war. Dann wies man Altan an, in die Mongolei zurückzukehren und seine Bitte um Aufnahme der Handelsbeziehungen auf dem offiziell vorgeschriebenen bürokratischen Weg einzureichen.

Das zunächst hilflos erscheinende Manöver führte dennoch zum Erfolg: Obwohl Altan Khan ganz Nordchina unterworfen hatte, erklärte er sich mit der Forderung einverstanden und zog sich aus Peking zurück. Seine Entscheidung gibt den Historikern noch heute Rätsel auf.
"Eine mögliche Erklärung ist: Altan Khan ging es nicht darum, China zu erobern, sondern er wollte wirklich nur die Aufnahme von Handelsbeziehungen erreichen. Dschinghis Khan, zum Beispiel, hatte 400 Jahre zuvor ein ganz anderes Ziel: Er wollte sich das Land südlich des Gelben Flusses einverleiben, er wollte tatsächlich über das Reich der Mitte herrschen, was ihm ja auch gelang."