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20. November 2009
 

sonntags

 
sonntags, 9.02 Uhr
Forum am Freitag.
Forum zum Freitag - Dialog der Religionen im ZDF

Aktuell

Forum zum Freitag

Das ZDF schafft eine Plattform für Muslime im Internet

Am 6. Juli 2007 startet das ZDF im Internet das Online-"Forum zum Freitag". Inhalte sind die Lebenswirklichkeit der in Deutschland lebenden Muslime, ihre Sicht auf aktuelle Ereignisse, ihre Religion und ihr gelebter Glaube sowie Fragen der Integration. Weiterführende Informationen wie ein Islamlexikon und Porträts der Autoren runden das neue Onlineangebot ab.

 
 
 
 

Das "Forum am Freitag" will den Dialog mit den rund dreieinhalb Millionen in Deutschland lebenden Muslimen fördern. Es kommen Männer und Frauen muslimischer Herkunft, verschiedener Nationalitäten und Berufe zu Wort: Schriftsteller, Lehrer, Theologen, Filmemacher und Vertreter islamischer Verbände. Dadurch soll ein möglichst differenziertes Bild der Muslime in Deutschland entstehen.

Forum am Freitag.
Forum am Freitag

Dialog der Religionen

Kernstück des Forums ist eine fünf- bis zehnminütige Sendung, in der eine ausgewählte muslimische Persönlichkeit über ein aktuelles Thema ihrer Lebenswirklichkeit spricht: "Mit der Einrichtung des 'Forums am Freitag' wollen wir eine Plattform für den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen eröffnen und dadurch einen Beitrag zur Integration der in Deutschland lebenden Migranten leisten", erläutert Intendant Markus Schächter das Konzept.

 

Deshalb habe man sich für ein journalistisches Format entschieden, "das Muslimen die Möglichkeit gibt, in einem Gespräch oder einem Kommentar ihre Sicht des Zusammenlebens in Deutschland in das gesellschaftliche Gespräch einzubringen." Das Internet sei hierfür das ideale Medium, da es nicht nur viele Menschen erreiche, sondern auch viele Möglichkeiten zum aktiven Austausch biete.

 

Neben der wöchentlichen Sendung, die im Mittelpunkt des "Forums am Freitag" steht, bietet der Internetauftritt aktive Dialog- und Diskusionsmöglichkeiten durch einen moderierten Chat mit dem jeweiligen Sprecher der Sendung sowie einem redaktionell begleiteten Diskussionsforum. Weiterführende Informationen wie ein Islamlexikon, Porträts der Autoren und Sprecher runden das neue Onlineangebot ab.

Lamya Kaddor. Quelle: ZDF
ZDF
Lamya Kaddor

Integration als Lebensaufgabe

Zum Start des Forums kommt Lamya Kaddor zu Wort. Als Tochter syrischer Eltern wurde sie in Deutschland geboren. Sie ist eine selbstbewusste Botschafterin ihrer Religion. Für die gläubige Muslimin ist das Leben in Deutschland besonders nach dem 11. September eine tägliche Herausforderung: "Mich ständig erklären zu müssen, warum ich Muslima bin, warum ich arabische Eltern habe, warum ich dunkle Haare habe, warum ich Islamwissenschaften studiert habe - schon das gibt Anlass zu fragen. Das belastet mich und darunter leide ich auch."

 

Integration ist deshalb für die gelernte Islam- und Erziehungswissenschaftlerin eine Lebensaufgabe. Seit 2003 unterrichtet sie an einer Hauptschule in Dinslaken Islamkunde in deutscher Sprache. Gut drei Viertel der Schüler sind muslimischen Glaubens, die meisten sind Kinder türkischer Migranten. Für Lamya Kaddor ist der Islamunterricht ein wichtiger Schritt zur Integration.

 

Religion stiftet Identität

"Ich denke, die Islamkunde ist der erste Schritt zu einer Integration. Das ist einer der wichtigsten Schritte, die wir überhaupt machen, um den Muslimen endlich auch das Gefühl zu geben, dass sie hier heimisch sind." Denn das große Problem für Muslime in Deutschland, so Lamya Kaddor, ist ihre Selbstdefiniton: "Wir sind gläubige Muslime und leben in einem absolut areligiösen Staat und werden zudem auch noch als Fundis bezeichnet."

 

Für Lamya Kaddor ist Religion deshalb vor allem identitätsstiftend: "Ich verstehe Religion allerdings nicht als Gebot oder Verbot, sondern vielmehr als Lebensart. Der Islam ist nicht nur eine reine Dogmenlehre. Er hat auch viel mit Kultur zu tun." Dieser Kultur fühle sie sich neben der deutschen Kultur sehr verbunden. Für sie ist der Islam eine Ideologie, eine Philosophie, die man sehr liberal, aber auch konservativ leben kann.