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21. November 2009
 

ML Mona Lisa

 
sonntags, 18.00 Uhr
Stella Palau, Mitglied im NPD-Bundesvorstand.
Stella Palau auf dem Sommerfest der NPD in Sachsen-Anhalt.

ML Mona Lisa

Rechtsextreme Frauen

Junge Mütter als Sympathieträger der NPD

Sich bedeckt halten, freundlich und harmlos wirken, das gehört zur neuen Strategie der NPD. Die rechtsextreme Partei versucht sich einen bürgerlichen Anstrich zu geben. An vorderster Front stehen die Frauen. Sie sollen in der bürgerlichen Mitte neue Wähler werben.

 
 
 
 

Die Verpackung ist jetzt also familienfreundlich, der rechtsextreme Inhalt bleibt. Beispiel: NPD-Sommerfest in Sachsen-Anhalt. "Deutschlands Zukunft ist auch Frauensache", wirbt die NPD.

 
Bühnenplakat Sommerfest der NPD in Sachsen-Anhalt.
Sommerfest der nationalen Bewegung

Angeblich ein Fest für die ganze Familie

Mit dabei ist Stella Palau, Mitglied des NPD-Bundesvorstands. Sie hat, auch das gehört zur neuen Strategie, den "Ring nationaler Frauen" gegründet. Dessen Ziel ist der behutsame Einstieg ins rechtsextreme Milieu. Als Palau vor eineinhalb Jahren mit ihrer Familie ins brandenburgische Hohen-Neuendorf zog, verschwieg sie ihre politische Einstellung. Ausgerechnet in einem alternativen Familienzentrum brachte sie ihre Kinder unter und machte im Verein mit, bevor sie aufflog. Susanne Mosch vom Familienzentrum und ihre Kolleginnen konnten kaum fassen, dass hinter der netten, engagierten Mutter eine NPD-Funktionärin steckt.

 

Gabriele Schlamann vom "Mobilen Beratungsteam Brandenburg" kennt die Absicht, die dahinter steckt: "Frauen spielen eine größere Rolle, weil sie schneller Kontakt kriegen und sozial eingebunden sind, sich mit anderen Frauen über Kindererziehung oder Kinderkrankheiten unterhalten können. Daraus schließt man nicht gleich, dass sie in der NPD sind." Palau bestätigt die Vermutung: "Viele Frauen, die zu uns kommen, auch aus den freien Kameradschaften oder die gar nicht organisiert sind, sagen, der Ring sei so etwas wie der sanfte Einstieg."

Judith Rothe.
Judith Rothe

Auf leisen Pfoten

Dass die Rechnung aufgehen kann, hat ihre Mitstreiterin Judith Rothe gerade bei den Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt bewiesen. Sie sitzt jetzt für die NPD im Kreistag. Das Bild der friedfertigen, politisch aktiven Mutter funktionierte offenbar. Wirklich abgegrenzt von der gewaltbereiten Neonazi-Szene hat sich Judith Rothe nie. Auf der Einladung zum Sommerfest stattdessen eindeutige Bekleidungsregeln für die Kameraden: "Die Versammlungsteilnehmer dürfen keine Embleme oder Tätowierungen sichtbar tragen, die in Verbindung mit dem Nationalsozialismus stehen, wie zum Beispiel NSDAP, SS, HH für Heil Hitler." Rothe erklärt, die Partei wolle nicht, dass die Teilnehmer rechtlich angegriffen werden könnten und eine Anzeige bekämen. Deshalb diese Auflagen im Vorfeld.

 

Rothes Partner Enrico Marx gehört zum harten Kern der rechtsextremen Szene. Seit dem Brandanschlag im Januar 2007 auf das Asylbewerberheim im Nachbarort Sangerhausen stehen er und Rothe immer wieder in den Schlagzeilen. Sie hatten unmittelbar vor dem Anschlag die vier Tatverdächtigen zu Gast. Es geht um versuchten Mord. Judith Rothe ist vor Gericht als Zeugin geladen. Von den Tätern hat sie sich nie distanziert: "Ich kann mit negativen Schlagzeilen leben. Egal ob positiv oder negativ, ich stehe in der Zeitung und das freut mich." Die Tatsache, dass es in diesem Zusammenhang stehe, belaste sie nicht, fügt sie hinzu.

 
Werbematerial der NPD.
Aktionen gegen Rechts

Frauen in die Politik

Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit den meisten rechtsextremen Straftaten, Tendenz steigend. Marion Roland von der Initiative "Menschen'SKinder" und ihre Mitstreiter konnten trotz intensiver Aufklärung nicht verhindern, dass jemand wie Judith Rothe jetzt Kommunalpolitik macht: "Es ist schon eine cleverere Strategie, die Männer zu halten, indem man die Frauen integriert. Und mit den Frauen die Kinder, so beschafft man sich den Nachwuchs für die eigenen Reihen. Das funktioniert schon besser, als auf harte Männer zu machen." Für die Kommunalwahl 2008 in Brandenburg setzt die NPD auf Frauen wie Lore Lierse. Früher bei den Freien Wählern, ist sie jetzt aktiv für die Rechtsextremen.

 

Lierse ist Geschäftsfrau, führt einen Hundesalon. Ihre Kunden scheint nicht zu stören, dass Lierses Partei die Demokratie ablehnt, ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie selbst vor Gewalt nicht zurückschreckt. Was sie wirklich denkt, sagt Lierse vor der Kamera nicht. Denn das wäre verfassungsfeindlich. Der Verfassungsschutz warnt vor der neuen Strategie der NPD. Auch Susanne Mosch vom Familienzentrum sieht die Gefahr: "Da gucken wahrscheinlich viele nicht drauf, was das für eine Partei ist. Die Partei wirkt dann harmloser, denn der Mensch ist ja nett. Scheinbar." Dass die NPD sich heimlich in Vereine drängt, wird man nicht verhindern können. Aber im Frauenzentrum von Hohen-Neuendorf wird man künftig besonders wachsam sein.