Der vorherrschende Ostwind trägt die Bounty rasch fort von Tahiti. Doch an Bord gibt es reichlich Konfliktpotenzial. Auf der Fahrt muss sich die Mannschaft den knappen Raum und die Wasserrationen mit den 1015 Pflanzen an Bord teilen. Und der Wechsel vom süßen Inselleben zur rigiden Disziplin an Bord geht Bligh nicht schnell genug.
Blighs Wutausbrüche häufen sich, je näher die Bounty der Endeavour Street kommt, einer tückischen Passage voller Riffe. Im Grunde zu human, seine Männer mit körperlichen Strafen auf Trab zu bringen, verschleißt sich Captain Bligh in Streitereien. Vor allem mit seinem psychisch angeschlagenen Stellvertreter Fletcher Christian, dem er mangelnde Disziplin vorwirft.
"Bligh hatte überhaupt kein Einfühlungsvermögen und war geradezu pflichtbesessen. Er konnte nicht auf Leute eingehen. Er war zwar nie körperlich streng, aber er züchtigte seine Männer mit Worten. Worte brachten ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Er konnte sehr harsch sein.Ihm wäre nie in den Sinn gekommen, Christian zu schonen, weil er psychisch labil war. Das führte zur Katastrophe."

Am 27. April 1789 unterläuft William Bligh ein letzter, tragischer Führungs-Fehler. Er bezichtigt neben anderen vor allem Fletcher, sich am Schiffsvorrat an Kokosnüssen vergangen zu haben und droht damit, Teile der Mannschaft von Bord werfen zu lassen. Fletcher fühlt sich erneut ungerecht behandelt. Bligh fühlt sich von Inkompetenz und Illoyalität umzingelt. Experten glauben, er habe am Abend vor der Meuterei dagegen angetrunken.
Merkwürdigweiser erwähnt Bligh den Vorfall nicht im Logbuch. Und als sei nichts gewesen lädt er Christian auch an diesem Abend zum Dinner ein. Doch der schwankt tief gekränkt zwischen Desertion und Selbstmord. Es scheint, als habe er mit Bligh gebrochen - und nicht Bligh mit ihm. Christian spricht zu einigen Matrosen über seine Pläne, mit einem Floß nach Tahiti zurück zu kehren, doch vor allem Kadett Edward Young rät ihm dazu, Bligh auszusetzen und die Bounty zu übernehmen. Der Rückhalt eines großen Teils der Mannschaft sei ihm gewiss.

"Es gibt etliche Belege, dass Christian eine Art Nervenzusammenbruch hatte. Er versuchte, sich umzubringen. Er verbrannte all seine Briefe und Unterlagen. Er baute ein Floß, um zu desertieren. All das sind Belege eines Nervenzusammenbruchs."
Nach allem, was wir heute wissen, war die Meuterei auf der Bounty weder geplant, noch durchdacht. Sie geschah in der Hitze des Augenblicks - angefeuert von Rum und männlichem Stolz. Fletcher Christian verliert in der Nacht zum 28. April sein bisheriges Leben. Als Meuterer kann er nie mehr nach England zurückkehren, wo dem jungen Adeligen dank bester Verbindungen viele Türen offen gestanden hätten.

In den frühen Morgenstunden kommt es an Deck der Bounty zu heftigen Debatten. Einige sind bereit, die Meuterei mit Waffengewalt und ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen, doch Christian will keine Toten. In der Morgendämmerung wird Bligh in seiner Schlafkabine von einem Teil der bewaffneten Crew festgenommen. Bligh ist außer sich und schreit Christian und seine Meuterer an: Mord! Der Befehlshaber der Bounty wird gefesselt im Nachthemd an Deck gezerrt, vorbei an anderen ebenfalls bewaffneten Männern.
Auf der Bounty herrscht an diesem Morgen Chaos. Schlaftrunken müssen sich 40 Seeleute entscheiden, auf wessen Seite sie stehen. Im allgemeinen Durcheinander bleiben die Fronten über Stunden unklar. Auch in Blighs Logbuch steht nicht die wahre Geschichte dieser Nacht. Denn diese Seiten wurden von Bligh nachträglich ausgetauscht. Wollte Bligh einige seiner Männer im Nachhinein schützen? Hat er eigene Fehler vertuscht? Hat er überhastete Formulierungen bereut, die Söhne einflussreicher Familien an den Galgen gebracht hätten? Dieses Geheimnis wird sich nie lüften. Fest steht, dass gegen den ansonsten korrekten Befehlshaber der Bounty eine Rufmord-Kampagne gestartet wurde.
"Hollywood war nur die letzte Stufe einer historischen Rufmord-Kampagne. Die Verteufelung Blighs begann durch die Familie von Fletcher Christian, die nicht akzeptieren konnte, dass ihr Sohn gemeutert hatte. Meuterei war die einzige unverzeihliche Sünde in der britischen Marine."