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12. Februar 2012
 

George Gently

 
Sonntagskrimi
George Gently. Quelle: ZDF/Colm Hogan
Martin Shaw alias George Gently

Interview

"George ist ein altmodischer Polizist"

Martin Shaw im Gespräch

Im Gespräch mit dem ZDF erzählt Martin Shaw über den Reiz, in die Rolle des George Gently zu schlüpfen, über die Besonderheiten dieser Krimireihe, über einzigartige Herausforderungen bei den Dreharbeiten und über persönliche Erinnerungen an die 60er Jahre.

 
 
 

ZDF: Was hat Sie am Drehbuch zu "George Gently" am meisten fasziniert?

 

Martin Shaw: Die Qualität des Erzählens, denn für mich beginnt und endet alles an einem Projekt mit dem Drehbuch. Es ist das einzige, mit dem ich mich im Vorfeld beschäftige und dem ich Aufmerksamkeit schenke. Der Autor Peter Flannery hat ein interessantes Script geschrieben, und seine Erfolgsgeschichte spricht für sich.

 

ZDF: Können Sie uns etwas über George Gently als Charakter erzählen?

Zitat

„... für mich beginnt und endet alles an einem Projekt mit dem Drehbuch. Es ist das einzige, mit dem ich mich im Vorfeld beschäftige und dem ich Aufmerksamkeit schenke.“

Martin Shaw

Shaw: George ist ein altmodischer Polizist. Er hat mit General Montgomery im Zweiten Weltkrieg gekämpft. Er ist ein zäher und erfahrener Kämpfer, der Not kennen gelernt hat und harte Zeiten erleben musste. Aber das hilft ihm. Ich denke, er trägt eine Menge mit sich herum, zusätzlich zu der Trauer, die die Ermordung seiner Frau nach sich zieht. Und er versucht, die offensichtlich fast unmöglich scheinende Aufgabe zu meistern, eine korrupte Polizeitruppe zu verändern - im Alleingang.

 

ZDF: Was haben Sie getan, um mit dem Charakter vertraut zu werden?

 

Shaw: Wenn das Drehbuch gut genug ist, dann muss man gar nichts tun, denn alles, was man braucht, steht dann im Buch. Die Ära der 60er Jahre kenne ich außerdem sehr gut, denn ich bin in dieser Zeit aufgewachsen.

 

ZDF: Was unterscheidet "George Gently" von anderen Krimis im Fernsehen?

 

Shaw: Immer wieder die Qualität des Erzählten, alles hängt letztlich von der Vorstellungskraft, dem Ideenreichtum des Autoren ab: Nur ein gutes Buch fasziniert auch gute Darsteller wie in diesem Fall Lee Ingleby oder Phil Davis. Hat man kein gutes Buch, bekommt man keine guten Leute.

 

ZDF: Erzählen Sie uns etwas über das Verhältnis von Gently und Bacchus.

 

Shaw: Lee Ingleby ist ein sehr talentierter junger Schauspieler. Möchte man die Aufmerksamkeit der Zuschauer erreichen und auch halten, dann muss man das Unerwartete tun. Wenn der Zuschauer den Ausgang erraten kann, dann hat man versagt. Aber das wird bei Lee Ingleby und mir nicht passieren, so viel kann ich versprechen. Das Verhältnis der beiden ist zu Beginn ziemlich zwiespältig: Zunächst ist Bacchus noch ganz begeistert, mit der "Legende" George Gently, dem Topermittler des Londoner Scotland Yard, zusammenzuarbeiten.

Zitat

„Möchte man die Aufmerksamkeit der Zuschauer erreichen und auch halten, dann muss man das Unerwartete tun.“

Martin Shaw

Doch dann reagiert er zunehmend irritiert, denn Gently ist penibel, gründlich und sehr bestimmt. Seine Vorgehensweise ist bedächtig und methodisch. Genau aus dem Grund mag aber auch Gently nicht, wie Bacchus vorgeht - hochmütig und rücksichtlos in seiner Annäherung an den jeweiligen Fall, immer in Eile, wenn es um Rückschlüsse geht oder darum, Dinge auszuarbeiten. Aber George findet Bacchus trotzdem sehr lustig, er mag ihn und langsam beginnen die beiden, sich zu verstehen.

 

ZDF: Stimmt es, dass die bei den Dreharbeiten verwendeten Autos etwas schwierig waren?

 

Shaw: Wir hatten diesen wunderschönen alten Rover, aber manchmal passierte es, dass er einfach nicht ansprang. Es gab eine Einstellung, in der der Wagen einen Hügel hinabrollen sollte, aber ganz oben ging er plötzlich aus. Wir mussten die Motorengeräusche später hinzufügen. Die Motorräder allerdings waren fantastisch, ich wäre sie allzu gerne gefahren, denn ich habe einen Führerschein. Doch aus Versicherungsgründen haben sie mich nicht gelassen. Eine Schande, ich liebe Motorräder!

 

ZDF: Haben die Dreharbeiten zu "George Genty" eigene Erinnerung an die 60er geweckt?

 

Shaw: Unser Film ist sehr genau, obwohl ich zu dieser Zeit in London war und nicht in Durham. London war in den 60ern allerdings wie ein anderer Planet, wenn man sich die Straßen und Autos angeschaut hat. Es ist erstaunlich, wie sehr sich innerhalb kurzer Zeit alles so weit entwickelt hat. Ich denke, woran sich jeder, der in den Sixties gelebt hat, erinnert, ist die Ermordung von John F. Kennedy.

Zitat

„London war in den 60ern wie ein anderer Planet, wenn man sich die Straßen und Autos angeschaut hat. “

Martin Shaw

Auch ich weiß genau, wo ich war an diesem Tag: Ich lag im Bett meines Ein-Zimmer-Appartments in Paddington, sollte eigentlich ins College und hörte das Nachbarradio durch die Wand, da ich zu dieser Zeit kein eigenes Fernseh- oder Radiogerät besaß. Ich hörte also diese Nachricht und wusste nicht, ob sie wahr ist oder nicht. Als ich in der London Academy of Music and Dramatic Arts (LAMDA) ankam, trugen viele amerikanische Studenten, anstatt wie üblich Jeans und T-Shirts, Anzüge.

 

ZDF: Spiegelt die Geschichte in "George Gently" Erfahrungen wider, die Sie selbst als junger Mann in dieser Zeit gemacht haben?

 

Shaw: Außer, dass ich einmal von einem Polizeiwagen mit Blaulicht wegen zu schnellen Fahrens verfolgt worden bin, nein. Ich wurde auch nicht verhaftet, sondern nur zurechtgewiesen und mit einer strengen Verwarnung nach Hause geschickt

 

ZDF: Sie haben ein Faible für Rollen, die in irgendeiner Weise mit dem Gesetz zu tun haben, oder?

 

Shaw: Es ist eigentlich gar nicht so, dass ich ein besonderes Faible für diese Rollen habe, sie scheinen eher ein Faible für mich zu haben! Obwohl Ihnen jeder Schauspieler erzählen wird, dass es eine wahre Freude ist, einen Schurken zu spielen, macht es mir dagegen großen Spaß, in meinen Rollen mich an eben diesen Bösewichten festzubeißen.

 

ZDF: Hatten Sie als Nichtraucher eigentlich große Probleme mit Gentlys Raucherszenen?

Zitat

„Obwohl Ihnen jeder Schauspieler erzählen wird, dass es eine wahre Freude ist, einen Schurken zu spielen, macht es mir dagegen großen Spaß, in meinen Rollen mich an eben diesen Bösewichten festzubeißen.“

Martin Shaw

Shaw: Die Menschen in den 60ern haben viel geraucht und Gently als ehemaliger Soldat hätte es sicher getan - vermutlich in erster Linie, um sich von nervöser Anspannung zu befreien. Ich musste nicht zu hart mit mir kämpfen, denn es waren Kräuterzigaretten.

ZDF: Was war der Höhepunkt der Dreharbeiten?

Shaw: Jeder Tag war, ehrlich gesagt, ein Höhepunkt. Es gab eine bestimmte Szene, die vom Buch her eigentlich auf einem Dach gefilmt werden sollte und die wir dann aufgrund eines orkanartigen Sturms mit Starkregen am Drehtag in einer Kathedrale aufnehmen mussten. Im Ensemble herrschte schon fast eine Kriegszeit-Atmosphäre, in der jeder versucht war, den anderen anzupflaumen, aber es war unmöglich. Ich liebe Irland, ich habe es sehr genossen, dort zu drehen, denn die Menschen dort sind großartig und sehr feundlich.

 
 
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