Unter den Urwäldern des kanadischen Bundesstaates Alberta liegen die zweitgrößten Ölvorkommen der Welt. 174 Milliarden Barrel Öl können auf einer Fläche doppelt so groß wie Bayern gewonnen werden. Als vor wenigen Jahren der Barrelpreis explodierte, begann das große Geschäft mit dem Ölsand, der seitdem im Tagebau gefördert wird. Für Ölsand verwandeln die Konzerne den Wald in Wüste. Für jeden Liter Öl aus Sand verbraucht die Industrie zwischen drei und sechs Liter Wasser.

Die Umweltexpertin Jennifer Grant vom renomierten "Pembina Institut" dokumentiert regelmäßig, welche verheerenden Schäden der Ölboom in Kanada anrichtet: "Im Wald gibt es über sechshundert verschiedene Pflanzen- und dreihundert Tierarten. Fauna und Flora werden komplett zerstört, wenn der Abbau beginnt. Es fängt mit dem Kahlschlag der Wälder an, dann werden die Feuchtgebiete trocken gelegt, und danach die oberste Erdschicht abgetragen."

Der Ölsand liegt in rund dreißig Meter Tiefe, dort wird er ausgegraben und weiter zu Öl verarbeitet. Der Ölgehalt im Sand liegt oft unter zehn Prozent, trotzdem gewinnen die Firmen aus dem Sand inzwischen täglich rund 1,3 Millionen Barrel Öl. Und genau darin sieht die Umweltexpertin ein riesiges Problem: Für jeden Liter Öl zieht die Industrie zwischen drei und sechs Liter Wasser aus dem Athabasca, einem der längsten Flüsse Kanadas. Selbst im Winter bleibt der Wasserverbrauch so hoch, obwohl der Fluss dann meterdick gefroren ist und nur rund zehn Prozent seiner normalen Wassermenge führt.

Um Öl zu gewinnen, trennen zunächst Zentrifugen mit heißem Wasser und Chemikalien den Sand vom Bitumen. Dann machen Hitze und Hochdruck daraus synthetisches Rohöl. Der Rest von 250 Millionen Litern landet in riesigen Becken: ein Gemisch aus krebserregenden Stoffen und Schwermetallen, die das gesamte Wassersystem verseuchen und auch Menschen bedrohen.
In der kleinen, abgelegenen Gemeinde Fort Chipewyan nimmt seit Jahren die Zahl seltener Krebsfälle dramatisch zu: Gallengangskrebs trifft sonst einen unter Hunderttausend, im Dorf sind schon fünf daran gestorben.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass sich im Mündungsdelta, wo der Fluss flach und langsam wird, die Gifte verstärkt ablagern. Genau dort legen die Fischer ihre Leinen unters Eis und fangen immer häufiger merkwürdig aussehende Fische.
Forscher versuchen nun deshalb, das Brauchwasser aus dem Restschlamm zu recyclen. Je mehr Wasser sich aus dem Schlamm rückgewinnen lässt, desto weniger Frischwasser wird verbraucht. Mit Hochdruck lassen sie Restschlamm in ein Rohr strömen. Von innen soll sich Sand an die poröse Rohrwand legen und den Ölschmutz aus dem Wasser filtern. Im Laborversuch funktioniert das Verfahren bereits: Wasser tritt aus, der Rest bleibt im Rohr.

Die weiße Weste Kanadas hat einen schwarzen Fleck bekommen: Verseuchtes Wasser und kranke Menschen sind ein zu hoher Preis für Öl.