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21. November 2009
 

WISO

 
montags, 19.25 Uhr
Tahitian Noni - Zaubertrank. Quelle: grandnoni.com
Tahitian Noni: teures "Wundermittel" mit vielen Versprechungen

WISO

Vermeintlicher Wundertrank

Allheilmittel Noni-Saft?

Tahitian Noni International ist Produzent und exklusiver Vertreiber des Tahitian Noni-Saftes und vieler weiterer Produkte aus der Noni-Frucht. Der Hersteller lässt unglaubliche Heilungsversprechen verbreiten.

 
 
 
 

Peter M. (Name von der Redaktion geändert) leidet an chronischer Migräne. Auf der Suche nach Hilfe entdeckte er ein Internet-Forum, in dem sich Betroffene gegenseitig Rat geben, wie sie ihre Schmerzen lindern können. Teilnehmer Holger empfahl ihm Noni-Saft aus Tahiti.

 

Diesem Trank ist WISO nachgegangen. Bei der Recherche, wo man den Saft kaufen kann, entpuppt sich der hilfsbereite Holger jedoch als ein Händler für Noni-Produkte.

WISO ermittelt. Quelle: ZDF
ZDF
WISO ermittelt

Teuer, aber wirkungslos

In zahlreichen Broschüren und im Internet wird Tahitian Noni geradezu als Wundermittel beschrieben! Noni soll bei vielem helfen: zum Beispiel bei Leukämie, Gicht oder Bluthochdruck. Hinter dem Produkt steht die US-Firma Tahitian Noni International, kurz TNI.

Die Noni-Früchte für den Saft sollen aus Tahiti kommen. Das hat seinen Preis: Der Liter kostet über 50 Euro. Zusätzlich zum Saft gibt es eine DVD mit Informationen: Laut Eigenauskunft beherrscht TNI 90 Prozent des Noni-Marktes. Die Noni-Frucht werde in Polynesien seit Jahrhunderten als Naturheilmittel verwendet. Die Informationen werden von Fotos mit muskulösen Tahitianern in Südseeparadieskulisse flankiert. Noch schöner als die Bilder aus Tahiti sind die maßlos übertriebenen Botschaften der US-Firmenleitung: "Jobs schaffen und Gutes tun mit etwas, das Leben segnet: Das ist Tahitian Noni Juice".

 

Verbraucher-Täuschung?

Auch im Internetforum der Deutschen Schmerzhilfe meldeten sich immer wieder Noni-Befürworter. Darunter Betroffene und sogar Ärzte, die von ihren positiven Erfahrungen berichteten. Rüdiger Fabian von der Deutschen Schmerzhilfe machte das stutzig. Er recherchierte und stellte fest, dass zwei Leute vom selben Anschluss aus miteinander diskutierten - sozusagen ein Online-Selbstgespräch.

 

Möglicherweise ein und dieselbe Person führte hier also eine Pseudodiskussion. So können chronisch Kranke getäuscht werden, um mit ihnen Geschäfte zu machen. Noni ist lediglich als normales Lebensmittel zugelassen und hat keinerlei krankheitsbekämpfende Wirkung. Laut Lebensmittelgesetz sind bei Lebensmitteln Aussagen verboten, die sich auf "die Beseitigung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten beziehen."

Unabhängige Vertriebspartner

Über die Absatzpraktiken wollte WISO direkt mit TNI sprechen. In der Münchner Deutschland-Zentrale von TNI erklärt Salesmanager Frank Deyle, dass es bei einer solchen Vielzahl von Vertriebspartnern schwierig sei, ihre Vertriebshandlungen wirklich im Griff zu haben. Also sind die unabhängigen Vertriebspartner schuld?

Wir treffen einen der Vertriebspartner in einem Café und geben uns als Interessierter aus, der auch gerne in das Nonigeschäft einsteigen will. Nach Angaben unseres Informanten werde den Vertriebspartnern der Tipp gegeben, die Kunden auf Internetseiten mit spektakulären Heilungsberichten zu verweisen. Dabei wird immer wieder eine Substanz genannt, mit der die Wirkung der Nonifrucht begründet wird: Xeronin. Nach Aussagen der Noni-Werbung sind, wenn der Xeronin-Spiegel im Körper sinkt, "Krankheit und Erschöpfung die Folge. Eventuell sogar der Tod." Laut Christian Steffen, Ernährungsmediziner beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, ist eine gesundheitsfördernde Wirkung von Xeronin jedoch wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

 

Infobox

Fazit

Der Tahitian Noni-Saft mag dem einen oder anderen vielleicht schmecken, hilft aber definitiv nicht bei Krankheiten.