In der Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens bleibt der Ton zwischen FDP und CSU scharf. Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Daniel Bahr (FDP), warf den Christsozialen in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" vor, den Koalitionsvertrag in Frage zu stellen. Markus Söder (CSU) hatte zuvor betont, er stehe der von der FDP angestrebten Gesundheitsstrategie "grundlegend skeptisch" gegenüber.


Wenn das so sei, müsse man "auch andere Punkte" der Vereinbarung "noch mal neu diskutieren", sagte Bahr in einem Streitgespräch mit dem bayerischen Staatsminister für Gesundheit, Markus Söder (CSU), und fügte hinzu: "Ich glaube aber, dass uns das nicht weiterbringt." Wichtig sei, dass man rauskomme "aus dem Gewurstel der letzten Jahre".
Söder hatte zuvor betont, er stehe der von der FDP angestrebten Gesundheitsstrategie "grundlegend skeptisch" gegenüber. Die Gesundheitsprämie verstoße gegen das Solidarprinzip. Zudem sei das Umfinanzierungsmodell über die Steuern nicht bezahlbar. Die Koalitionäre seien aufgefordert, sich "nicht auf ein Theoriekonzept zu versteifen", sondern sich daran zu orientieren, "dass auch der Schwächste die optimale Versorgung bekommt".

Nach Ansicht des Chefs der BKK Gesundheit, Thomas Bodmer, muss die Politik verstärkt auf "Eigenverantwortung und Prävention" setzen. Wenn die Politik nicht noch in diesem Jahr Kostenreduzierungen angehe, "knallt uns im Jahre 2011 das ganze System um die Ohren und dann werden auch 37,50 Euro an Zusatzbeitrag nicht mehr reichen", so Bodmer, der die größte deutsche Betriebskrankenkasse vertritt. Damit machte er Versicherten wenig Hoffnung, dass der Rat, den Bahr in der Sendung gab - nämlich ein Wechsel der Krankenkasse - dauerhaft dazu führe, die Zusatzbeiträge nicht bezahlen zu müssen.

Journalist und Autor Werner Martens forderte eine "Komplett-Sannierung" des Gesundheitssystems. Was derzeit diskutiert werde sei allen Falls eine "Schönheitsreperatur". Es sei fatal, zu glauben, dass immer mehr Geld im System auch eine immer bessere medizinische Versorgung der Patienten bedeute. Zu sehr sei das System inzwischen von ökonomischen Gesichtspunkten geprägt und die medizinischen in den Hintergrund gerückt, so Bartens. Er sei kein "Sparkommisar", aber derzeit gäbe es bei Medikamenten, bei Ärzten, Kliniken und Kassen noch deutliche Sparmöglichkeiten, die durch ausgeprägte Lobbyarbeit der entsprechenden Interessensgruppen verhindert würden. So sprach er sich für die "Positiv-Liste" bei Medikamenten und für die Einführung einer Nutzenbewertung in Krankenhäusern aus.

Der Zahnarzt Hinrich Romeike betonte, dass das derzeit geltende System der Zusatzbeiträge der Kassen politische gewollt. sei. Die damalig SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wollte Kassen zum Sparen bewegen. Dies sei nicht gelungen. Nun seien die Patienten die Dummen, so Romeike. Er forderte mehr Transparenz für Ärzte und Patienten. Er würde gerne auch seinen gesetzlich versicherten Patienten Rechnungen schreiben können. Nur so könnten die Patienten die Leistungen verschiedener Ärzte wirklich vergleichen und die Ärzte für ihre Praxen seriös kalkulieren und so ihre Leistungen qualitativ hoch halten.