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12. Februar 2012
 

Dokumentation

 
 
Rückblick: Dokumentation vom 12.05.2009
Deutschlandflagge

Baby Bundesrepublik

Wie unsere Demokratie laufen lernte

Die zweite Republik - sie war einerseits ein Geschöpf aus dem Brutkasten der Alliierten, andererseits hatte sie auch viele deutsche Väter und einige Mütter. Den Anstoß zum Zeugungsakt gaben die Sieger. Es war keine Idee der Deutschen, einen Weststaat auf den Weg zu bringen, sondern ein Auftrag der Amerikaner. Und die politischen Köpfe der "Eingeborenen von Trizonesien", wie die Westzonen damals besungen wurden, wollten ihn anfangs nur zögernd ausführen. Denn es bedeutete eine Vertiefung der deutschen Spaltung.

Entsprechend skeptisch beobachteten die Westmächte, wie die Schüler der Demokratie eine Verfassung entwarfen. Die Telefone der westdeutschen Staatsgründer wurden abgehört; argwöhnisch beäugten die Geheimdienste der Siegermächte die Geburt der Bundesrepublik. Mit dem Ergebnis, dem Grundgesetz, waren die Paten dann allerdings sehr zufrieden. Das Verhältnis von Siegern und Besiegten erlebte einen rasanten Wandel: 1945 hatten die Deutschen eine bedingungslose Kapitulation unterzeichnet, zehn Jahre später wurde eine junge Bundesrepublik in die Souveränität entlassen.

Von der Diktatur zur Demokratie, aus Ruinen zu Rekorden, vom Feind zum Freund - zu diesen einfachen Formeln mag ein Rückblick auf die Jugendjahre der Bundesrepublik Deutschland einladen. Doch viel davon war schöner Schein. Und sicher, dass der neue Staat auch funktioniert, waren die Zeitgenossen bei der Gründung nicht. Würde Bonn wie Weimar werden? Die Staatsgeschichte begann mit einem unerhörten Verdacht: Flossen Schmiergelder, damit die Stadt am Rhein überhaupt zur Hauptstadt wurde?

Männer und Frauen, die den Aufbruch in die Demokratie erlebten, berichten: Helmut Schmidt, Egon Bahr, Hildegard Hamm-Brücher, Ernst Cramer, Hanna Renate Laurien und Dieter Hildebrandt blicken zurück auf das "Baby Bundesrepublik" und schildern, welche Erwartungen und Befürchtungen sie damals hegten.

Der Film von Jörg Müllner zeigt aber auch, welcher Preis für die rasche Konsolidierung gezahlt wurde: Die Verdrängung der Vergangenheit und die Teilung der Nation. Menschen im Osten Deutschlands, die nicht verstanden, dass erstmal ohne sie ein Staat für die Mehrheit der Deutschen zustande kam, erinnern sich an zwiespältige Gefühle. Hans-Dietrich Genscher und Hellmuth Karasek erlebten die frühen Jahre der DDR, bevor sie in den Westen gingen. Andere - wie zunächst Wolf Biermann - aber glaubten, ein sozialistisches System werde ein besseres Deutschland hervorbringen. Heute ist das Baby Bundesrepublik erwachsen geworden und der Staat für alle Deutschen.
 
 

Sendungsinformationen

Regie: Jörg Müllner

 

Sendungsinformationen

Dienstag, 12.05.2009 20:15 - 21:00 Uhr

VPS 12.05.2009 20:15

Länge: 45 min

Dokumentation, Deutschland, 2009

  • 16 zu 9
  • Untertitel