Während wir uns in der Adventszeit auf Weihnachten vorbereiten, passieren an anderen Orten der Welt erstaunliche Dinge. ZDF-Auslandskorrespondenten berichten aus Peking, Kairo, dem arktischen Yellowknife in Kanada und von der Insel La Réunion über ungewöhnliche Sitten und Gebräuche, aber auch über die Stimmung in der Vorweihnachtszeit.
Dschungel, Berge, Vulkane, grandiose Strände und türkisblaues Meer - die Insel La Réunion ist ein Stück Frankreich mitten im Indischen Ozean. Südeuropa - Korrespondent Stephan Merseburger erzählt von einer bunten Welt. Von der Insel stammt die für das Weihnachtsgebäck so wichtige Bourbon-Vanille.
Weihnachten auf La Réunion, das ist Weihnachten fast wie in Frankreich: mit Mangos und Kokosnüssen, Südseefischen und Riesenkrabben, aber auch mit eingeflogener Foie Gras und Champagner. Denn natürlich gibt es auch hier jene entsandten Festlandsfranzosen, die dank des kolonialen Trennungsgeldes aus dem Vollen schöpfen. Gleichzeitig ist die Insel ein ethnischer und religiöser Schmelztiegel. Kreolen, Madagassen, Chinesen, Inder und Europäer kamen und blieben, Buddhisten, Hindus, Moslems, Anhänger von Naturreligionen und Christen leben friedlich nebeneinander.

La Réunion ist ein unbekannter Außenposten Europas im Indischen Ozean, dessen Sound an den Blues erinnert. Kein Wunder, denn auch hier gab es Sklaverei und Sklavenhandel. Die Befreiung vom Joch wird kurz vor Weihnachten gefeiert. Dezember ist der Party-Monat in La Réunion.
Es ist noch keine 15 Jahre her, da spielte Weihnachten in der Volksrepublik China keine Rolle - Weihnachtsbäume und -bräuche gab es nicht. Heute ist Peking in der Vorweihnachtszeit von Weihnachtsmännern und -frauen bevölkert und man findet kein Einkaufszentrum ohne Krippenspiel - Weihnachtsdekoration und schrill-bunte Weihnachtsbäume, wohin das Auge blickt. Weihnachten bedeutet für die Chinesen vor allem Kaufrausch und Party. Dabei wünscht sich die wachsende westliche Gemeinschaft zwischen all dem Krach und Glitzer nichts sehnlicher wünscht als Besinnlichkeit.

Johannes Hano, ZDF-Korrespondent in China, begleitet Chinesen und Deutsche bei ihren Weihnachtsvorbereitungen. Er spricht mit Händlern über das Geschäft mit rosa Weihnachtsbäumen und er genießt die Weihnachtsstimmung auf Pekings größtem und beliebtestem Weihnachtsmarkt. Hano beschreibt vergnüglich, wie europäische und chinesische Weihnachtskultur aufeinander treffen.
Etwa vier Stunden Autofahrt von Kairo entfernt liegt die Oase Bahareya, die durch ihr "Tal der goldenen Mumien" berühmt wurde. Die meisten Besucher der Oase zieht es aber noch ein Stück weiter, direkt in die sogenannte Weiße Wüste. Erosionen haben die bizarren Kalksteinformationen abgeschliffen und den weißen Staub über die Wüste verteilt. Es sieht aus, als hätte es gerade geschneit, und das über Hunderte von Kilometern. Besonders nachts, wenn der Mond scheint, wirkt dieser Ort wie ein Wintermärchenland. Dietmar Ossenberg, ZDF- Korrespondent in Kairo, hat von Heimweh geplagte Europäer beobachtet, die es gerade in der Adventszeit hierher zieht, um am Lagerfeuer mit selbstgebackenen Plätzchen ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen.

Dabei könnte, wer möchte, auch in Kairo seinen Weihnachtsgefühlen freien Raum lassen. Die Bäckereien verkaufen Christstollen und Nikoläuse aus Lebkuchen. Lichterketten, Sterne und stilisierte Tannenbäume zieren die Eingangshallen und Fassaden der großen Fünf-Sterne-Hotels - Weihnachtslieder bei Sonnenuntergang inklusive. Und das alles nur, damit sich Touristen und Ausländer wohlfühlen. Kairos Gärtner haben den Trend erkannt und verkaufen heimische Nadelbäume als Weihnachtsbaumersatz. Plastik-Weihnachtsmänner, importiert aus China, finden reißenden Absatz, auch bei muslimischen Ägyptern. Die meisten wissen nichts von der Symbolik, aber sie kaufen, weil es so schön bunt ist. Die christlichen Gemeinden, wie zum Beispiel die katholischen Borromäerinnen, feiern jeden Tag ihre Vorweihnachtsgottesdienste. Wer möchte, kann in einem der vielen Chöre und Singkreise mit dabei sein. Echten Weihnachtsfanatikern fehlt es also an nichts am Nil.
Es ist minus 30 Grad kalt und nur ein paar Stunden am Tag hell in der Goldgräberstadt Yellowknife. Weiße Weihnacht ist in dieser arktischen Region garantiert. Klaus-Peter Siegloch, ZDF-Korrespondent in New York, ist hoch in den eisigen Norden Amerikas nach Yellowknife gefahren - die Hauptstadt der kanadischen Nord-West-Territorien. Die Stadt erstrahlt in der Weihnachtszeit im Lichtermeer amerikanischer Weihnachtsdekorationen, mit Santa Claus und Engeln, Schneemann und Sternen. Der Sklavensee ist schon seit Monaten zugefroren, die Hausboote sitzen fest und der Schnee knistert unter den Winterstiefeln. Hier irgendwo muss der Weihnachtsmann auch mal gelebt haben.

Wie jedes Jahr baut ein Künstler ein Eisschloss auf dem See. Es gibt einen Christkindlmarkt, auf dem japanische Touristen und Einheimische warme Getränke und frisch geräucherten Fisch genießen. Schneemobile knattern über den See auf dem Weg zum Eisfischen. Hier lernen Inuitkinder von ihren Großeltern, wie man Iglus baut. Schlittenhunde sind für japanische Touristen reserviert, die zu Hunderten zur Weihnachtszeit nach Yellowknife auf Flitterwochen fliegen. Am späten Nachmittag pilgern sie aus der Stadt zu einem ganz besonderen Schauspiel: den "tanzenden Polarlichtern", die zur Weihnachtszeit besonders intensiv sind. Denn die Japaner glauben: Kinder, die unter der Aurora borealis gezeugt werden, sind ein Leben lang glücklich.