
Der Kalte Krieg ist längst vorbei. Übrig geblieben sind diverse Relikte aus jener Zeit, so auch eine der wichtigsten Abhöranlagen der USA auf dem Berliner Teufelsberg. Bis zum Abzug der Spione 1993 galt das Areal als "top secret". Stoff für Spekulationen gibt es aber bis heute. Denn unter der Horchstation liegen die Reste von Hitlers Militärakademie. Forscher gehen nun auf Spurensuche.
Hundert Kilometer hinter dem Eisernen Vorhang belauschten über 1500 westliche Geheimdienstler auf dem Teufelsberg die UdSSR und ihre Verbündeten. Das Sperrgebiet im Berliner Grunewald war einst wichtigste Außenstation der alliierten Nachrichten- und Geheimdienste. Mit Erlaubnis der Berliner Behörden erkunden Bunkerforscher nun die legendäre Horchstation.

Die markanten Kuppeln der ehemaligen Abhöranlage auf dem 115 Meter hohen Teufelsberg sind von Ferne sichtbar. Der Berg liegt im Westen Berlins, genauer im nördlichen Grunewald und zählt neben den Müggelbergen zur höchsten Erhebung der Stadt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden viele Trümmerberge, so auch der Teufelsberg, der seinen Namen vom unweit südlich gelegenen Teufelssee hat. Die Aufschüttung des künstlichen Berges dauerte über 20 Jahre.

Über 26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt begraben den kaum zerstörten Rohbau von Hitlers Wehrtechnischer Fakultät. Ab 1937 entstand das Institutsgebäude mit seinen massiven Mauerwerkskonstruktionen als Neubau der Technischen Hochschule. Die Grundsteinlegung war gleichzeitig der Beginn der gigantischen Umbaumaßnahmen Hitlers künftiger Reichshauptstadt Germania. Die Pläne lieferte Albert Speer, damaliger Generalbauinspektor.
Die Militärakademie blieb jedoch Rohbau, da Hermann Göring im Februar 1940 die Einstellung aller kriegsunwichtigen Baumaßnahmen verfügt hatte. Ob damals auch Bunkeranlagen unter der Hochschule errichtet wurden, ist unklar, wird aber vermutet.

Eingerichtet wurde die "Field Station" auf dem Teufelsberg in den Sechziger Jahren von den US-Amerikanern zur Überwachung des Funkverkehrs sowie des Luftraums bis weit in das Gebiet des Warschauer Paktes. Für die USA war es eine der wichtigsten Außenstellen der National Security Agency (NSA).
Die National Security Agency wurde in der 1940er Jahren von Präsident Harry S. Truman als Unterabteilung des Verteidigungsministeriums gegründet mit dem Auftrag, ausländische Nachrichtenverbindungen abzuhören. Die Existenz der NSA wurde viele Jahre geheim gehalten und auch heute ist über die Tätigkeit des weltweit größten Geheimdienstes nur wenig bekannt.
Bis zum Abzug der Alliierten 1993 hatten nur britische und amerikanische Geheimdienstler sowie Militärpolizei Zugang zum Sperrgebiet. Von Berlin aus reichten die Antennen 300 Kilometer weit hinter die Mauer in den Ostblock hinein. Mit der Technik, die in den Radarkuppeln installiert war, konnte ebenso der westdeutsche Telefonverkehr abgehört werden.
Sebastian Tenschert vom Bunkernetzwerk Berlin e.V. und Sascha Keil vom Verein Berliner Unterwelte suchen in der Abhörstation nach einem Zugang zur Unterwelt des Teufelsberges. Dazu werten sie auch alte Baupläne, technische Zeichnungen und andere Dokumente über das Innenleben der Anlage und des Hügels aus. Falls tatsächlich mit dem Bau von Hitlers Militärakademie auch geheime Bunkeranlagen entstanden sind, könnten die Amerikaner diese für ihre Horchstation genutzt haben.

In Zeiten des Kalten Krieges war die Hochsicherheitszone auf dem Teufelsberg höchst gefährdet. Die Alliierten hätten damals gute Gründe, einen Bunker anzulegen. Einen gezielten Angriff auf den Teufelsberg hätte niemand überlebt. Es sei denn, es gäbe einen atomsicheren Fluchtbunker tief unten im Berg.
"Die Sowjets wussten, dass dies eine amerikanische Abhörstation war und alle sowjetischen Artillerie- und Raketenstellungen benutzten die Koordinaten des Teufelsbergs als Ziel in ihren Übungen. Für die Amerikaner hier war deshalb klar, dass sie als erste vernichtet werden würden, wenn die Sowjets angreifen würden."

Einige Details auf den Plänen sprechen für unterirdische Gänge. Aufzeichnungen eines amerikanischen Agenten deuten sogar auf einen Tunnel hin. Der Zugang dazu könnte an einer Außenstelle des Horchpostens liegen und möglicherweise ein Verbindungsweg zu Hitlers Militärakademie im Berg sein. Die beiden Forscher finden jedoch keinen Weg nach unten. Direkt unter der "Field Station" gibt es demnach keine Fluchtbunker.
Eine weitere Spur liefert ein altes Luftbild der NSA. Darauf ist unterhalb der "Field Station" am Berghang deutlich eine Außenstelle zu erkennen. Heute zugewuchert, finden die Forscher einen farbig markierten Betonblock. Ein Radargerät soll nun rund um den Klotz feste Strukturen und Hohlräume im Boden bis in eine Tiefe von drei Metern aufspüren. Die Forscher finden jedoch nur einen Betonboden. Die Gerüchten von einem Fluchtbunker können demnach nicht bestätigt werden. Das Rätsel vom Teufelsberg scheint damit gelöst.
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