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12. Februar 2012
 

ZDF.reportage

 
sonntags, 18.00 Uhr
Junges Paar vor Zug. Quelle: dpa
Fernbeziehungen - nach jedem Wochenende heißt es Abschied nehmen.

ZDF.reportage

"Gebote" für die Fernbeziehung

So hält die Liebe trotz Entfernung

Das Kissen ist kalt, der Frühstückstisch leer und der Partner Hunderte von Kilometern entfernt. Wie man trotzdem in einer Fernbeziehung glücklich werden kann, erklärt Dr. Peter Wendl. Er ist wissenschaftlicher Projektleiter "Mobilität und Partnerschaft" am Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Wendl ist Autor des Buches "Gelingende Fern-Beziehung. Entfernt zusammen wachsen".

 
 
 
 

Gedanken, Erlebnisse, Gefühle, Erwartungen und Befürchtungen - teilen sie all das Ihrem Partner mit. Wichtig ist, dass dies sowohl während der entfernten, als auch während der nahen Phasen geschieht. Nur so können Sie wissen, "wer" beim Wiedersehen vor Ihnen steht und was in ihm oder ihr vor sich geht. Telefon, E-Mail, SMS: alles zu seiner Zeit. Dabei ist das Gespräch von Angesicht zu Angesicht nicht zu ersetzen.

 

Um das zu gewährleisten, sollten Sie feste "Zeitinseln" einrichten. Für die entfernten Zeiten gilt: Einen ganz besonderen Zauber hat alles Handgeschriebene wie Briefe, Karten. Kleine Botschaften entfalten auch im digitalen Zeitalter ihren Charme.

Wir-Gefühl schaffen und Rituale pflegen

Rituale schweißen zusammen, sie stärken das Wir-Gefühl, wodurch so manche Durststrecke der Distanz leichter zu überstehen ist. So lässt beispielsweise ein regelmäßiger, gemeinsamer Spaziergang bei jedem Wiedersehen Raum für das wichtige Ankommen und "Aneinander-Gewöhnen".

 

Auch das Aufsuchen von vertrauten Orten kann das Gefühl von Nähe erleichtern. Wenn Ihnen beispielsweise der Abschied besonders schwer fällt, vermeiden Sie lange Abschieds-Zeremonien. Kultivieren Sie Ihre eigene Art der Verabschiedung, die Ihrer Partnerschaft gut tut.

 

Auch mal spontan sein

Überfrachten Sie die gemeinsame Zeit nicht mit zu vielen Erwartungen und Plänen. Es muss nicht immer ein Feuerwerk an Aktivitäten in den gemeinsamen Phasen ablaufen.

 

Vergessen Sie nicht, dass auch in der kostbaren Zeit, die Sie zusammen verbringen können, durchaus Gelegenheit sein sollte, um alleine zu sein oder andere Freunde zu sehen. In der Wochenendbeziehung sollte spätestens alle sechs Wochen Zeit für ein "verlängertes Wochenende" sein.

 

In Trennungsphasen "ein Team" sein

Sie gehören sowohl in der gemeinsamen als auch in der getrennten Zeit zusammen. Zeigen Sie das Ihrem Partner mit kleinen Zeichen. Wie wäre es mit kleinen Botschaften, die Sie hinterlassen, die der Partner erst nach der Abfahrt, vielleicht sogar erst nach Tagen entdecken wird?

 

Die Distanz ist nicht Ihr "Gegner", sondern auch eine Chance, denn ohne gesunden Abstand kann es keine gesunde Nähe geben!

 
Ein glückliches Liebespaar. Quelle: mev
mev
So sehen glückliche Liebespaare aus.

Keine Angst vor Spannungen

Streit ist völlig normal, wenn er nicht verletzend geführt wird. Die zwei Lebenswelten der Fernbeziehung müssen erst stets neu zusammen und auseinander wachsen.

 

Wenn also oft oder gar immer wieder am Wiedersehenstag gestritten wird oder stets am Abreisetag "dicke Luft" herrscht, ist das kein Zeichen dafür, dass Sie sich auseinander gelebt haben. Vielmehr müssen die beiden, während der Woche doch so unterschiedlichen Lebenswelten zueinander und bei der Abreise auch wieder ein wenig auseinander finden.

 

Achten Sie auf sich selbst

Nur wer sich selbst pflegt, sich selbst verwöhnt und lernt allein sein zu können - sowohl in den getrennten als auch in den gemeinsamen Zeiten - kann auch die Partnerschaft pflegen. Alleinsein kann sehr wehtun.

 

Besonders der Umgang mit der Sehnsucht und der Eifersucht ist eine zentrale Herausforderung. Aber Selbstständigkeit und Selbstpflege sind für jede Partnerschaft unerlässlich, damit die Beziehung nicht einseitig wird. Deshalb: Verwöhnen Sie sich.

 

Nutzen Sie die Möglichkeiten

Fernbeziehungen lassen Raum für Aktivitäten, für die in der "Nahbeziehung" kaum Platz wäre. Schreiben Sie sich beispielsweise auf, was Sie in den Zwischenzeiten bis zum Wiedersehen ganz speziell verwirklichen können und wollen.

 

Auch vermeintlich Unwichtiges und Alltägliches sollte nicht ausgespart bleiben. Weder Konflikte, noch Befürchtungen und Ängste und schon gar nicht Unerfreuliches sollte verschwiegen werden. Denn auf Dauer entfremdet das sonst die Partner.

Unerlässlich: Vertrauen und Ehrlichkeit

Grundvertrauen und auch Ehrlichkeit sind unverzichtbare Grundlagen der Fernbeziehung. Ein Übermaß an Eifersucht ist meist mehr Selbstliebe und Unsicherheit als Liebe. Voraussetzung dafür aber ist: Lassen Sie Ihren Partner auch spüren, dass auf Sie Verlass ist.

 

Tauschen Sie sich immer wieder neu aus über gemeinsame Zukunftsvorstellungen, Sehnsüchte, Hoffnungen und Träume. Und entwickeln Sie auch immer wieder neu gemeinsame Visionen. Denken Sie gemeinsam nach, wie Sie sich Ihre Beziehung in einem Jahr, aber auch in fünf Jahren und später vorstellen können. Gemeinsame Zukunftsperspektiven sind ein haltendes Geländer einer Distanzbeziehung.

 
 
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