Nicht nur die Liebe hat im Leben der Menschen eine große Bedeutung, auch die Freundschaft. Und eine besondere Rolle haben gerade die alten Freunde. Das meinen Ulrich R. und Norbert V. Die beiden Männer, beide 52 Jahre alt, kennen sich seit ihrem ersten Schultag. Damals sind sie Freunde geworden.
Wenn Ulrich R. und Norbert V. in ihren Fotoalben blättern, finden sie sich immer wieder gemeinsam auf Fotos: Da sind Klassenfotos, Fotos von Urlaubsreisen und Wochenendausflügen, Erinnerungen an Partys und Familienfeste. Die beiden haben gemeinsam Abitur gemacht, dann am selben Ort studiert, sie haben gute und schlechte Zeiten zusammen erlebt.
Da war nicht nur der Tod ihrer Mütter, die beide früh verloren haben, da war der erste große Liebeskummer, auch Misserfolge bei Prüfungen. Immer waren sie füreinander da. Und vor allem deshalb, meinen sie, ist diese alte Freundschaft viel enger als andere. Sie kennen sich einfach sehr gut.

"Ich hab' da einen Rückhalt, ich kann sagen, was ich möchte, und umgekehrt höre ich auch ohne irgendwelche Anstrengungen zu, was der andere sagt," versucht Norbert V. seine Freundschaft zu Ulrich R. zu beschreiben. Auch sein Freund empfindet das so. Selbst wenn er monatelang nichts von dem anderen hört, das tut der Freundschaft keinen Abbruch: "Ich nehme den Telefonhörer auf und habe das Gefühl, wir haben erst gestern miteinander gesprochen."
Sie haben das Gefühl, vom anderen sofort verstanden zu werden, sich aufeinander verlassen zu können. "Mein Freund ist für mich wie ein Fels in der Brandung, eine sichere Bank," sagt Ulrich R. Und auch Norbert weiß: Wenn er Unterstützung braucht, sein Freund ist immer für ihn da.

Dass sie sich selten sehen, sich schon gleich nach dem Studium ihre Wege trennten und Ehe und Familie für alle beide die größere Rolle spielte, hat an ihrer Freundschaft nichts geändert. Mal haben sie sich getroffen, dann wieder lange nicht. Aber aus den Augen verloren haben sie sich nie. Sie haben auch nie darüber gesprochen, wie sie ihre Freundschaft gestalten wollen, sie waren einfach miteinander befreundet. Die Freundschaft habe eine Intensität, sagt Ulrich R., die er in späteren Jahren mit keinem anderen Freund erreicht habe. Vielleicht, weil er als berufstätiger Familienvater einfach nicht mehr die Zeit gehabt habe, sich auf einen Freund so einzulassen, wie er das zu Jugendzeiten konnte.
So eng die Freundschaft ist, so unproblematisch ist sie: Sie fühlen sich frei. "Ich muss jetzt keinen Vertrag oder kein Bündnis mit ihm abschließen, wie wir uns denn verhalten, damit unsere Freundschaft gelingt," sagt Norbert V. "Die Freundschaft zwischen uns ist gelungen, sie gelingt und sie wird auch immer gelingen." Und so sagt das auch Ulrich R.: Sie sind eben Freunde. Punkt.