Der "Stern" belegt in seiner aktuellen Ausgabe, dass der Event-Unternehmer Manfred Schmidt am Abend der Wahl Christian Wulffs zum Bundespräsidenten eine Party gegeben hat - einige Teilnehmer mussten für das Fest mit dem Bundespräsidenten an Schmidt "Eintritt" zahlen, andere durfte offenbar die Staatskanzlei benennen. Legitime Freundschaftspflege oder unerlaubte Vorteilsnahme?

Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) hält ungeachtet der Diskussion im Hannoveraner Landtag an seiner Unterstützung für Bundespräsident Christian Wulff fest. Es gebe in den Vorwürfen gegen den einstigen Ministerpräsidenten seines Landes derzeit "nicht einen Punkt, der handfest ist", sagte Möllring am Donnerstag in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Wulff habe sich "von einem befreundeten Ehepaar von der Ehefrau Geld geliehen" und danach einen "ganz normalen Hauskredit" aufgenommen.
Auch das, was dem früheren Sprecher Wulffs, Olaf Glaeseker, vorgeworfen werde, sei "nun nicht so kriminell, dass ich das gleich verurteilen muss", sagte Möllring. In dieser Angelegenheit müsse man die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten. Derweil diskutiere der niedersächsische Landtag darüber, "wie viel Papierservietten auf Landeskosten für so eine Party gestiftet worden sind, natürlich mit der Reklame für das Land Niedersachsen da drauf". Er jedenfalls tue seinen Job im Landtag, sagte Möllring und fügte hinzu: "Und wenn da Fragen kommen, beantworte ich die nach bestem Wissen und Gewissen und wenn dann hinterher Tatsachen verdreht werden, kann ich nichts dazu machen."

Auch der Hannoveraner Unternehmer Dirk Roßmann setzte sich für Bundespräsident Wulff ein. Er sprach von einer Kampagne, die schon kurz vor der Bundespräsidentenwahl begonnen habe, um den Kandidaten Joachim Gauck durchzusetzen. Wulff sei nicht sein enger Freund, man sei per Sie, betonte Rossmann. Jedoch sei es eine "Sauerei" dem ehemaligen Minsiterpräsidenten vorzuwerfen, dass er auf Grund von guter Bonität und Reputatiuon einen ebenfalls guten Zinssatz für seinen Kredit aus handeln konnte. Dass Wulff im Verlauf der Affäre "ungeschickt verhalten habe" sei menschlich. "Wenn man wegen etwas angegangen wird, wo man gar nichts gemacht hat, verhält sich jeder Mensch ungeschickt", so der Gründer und Geschäftsführer der inhabergeführten Drogeriemarktkette Rossmann mit Sitz in Burgwedel bei Hannover.

Der TV-Journalist Christoph Lütgert kritisiert dagegen, dass das Christian Wulff in der Affäre immer nur mit "Halbwahrheiten" argumentiere. Aber der Bundespräsident selbst hätte inzwischen Fehler eingeräumt, folglich sein dies auch Fehler. Auch Lütgert nannte jetzt aufkommende Teilaspekte des Fall wie das geschenkte Bobbycar "die Krönung". Allerdings ginge es definitiv um "Redlichkeit". "Er soll die Wahrheit sagen!", forderte der Journalist und fügte hinzu, "dann hätte es auch keine Affäre gegeben." Dass Wulff selbst immer hohe Maßstäbe der Redlichkeit von anderen Politikern wie etwa Rau oder Schröder forderte, setzte die Messlatte für ihn nun gleich hoch, so Lütgert.

Ein Verbot von Parteispenden forderte der frühere Chef der Linkspartei, Oskar Lafontaine. "Es muss aufhören, dass politische Parteien von großen Konzernen und Banken geschmiert werden", sagte er. "Spenden müssen verboten werden, sonst kriegen wir da nie Ordnung rein", so der Linkspolitiker in der TV-Diskussion um die Verflechtung von Politik und Wirtschaft. In Deutschland hätten die Arbeitnehmer in den zurückliegenden zehn Jahren real vier Prozent Einkommen verloren, die "Bezieher von Vermögens- und Gewinneinkommen" hingegen 30 Prozent gewonnen. "Dieses ist ein Ergebnis auch der Käuflichkeit von Politik", kritisierte Lafontaine.