Hauptnavigation:

Sie sind hier:

12. Februar 2012
 

Terra X

 
Habsburger Soldaten mit geraubten Vieh. Quelle: ZDF
Die Habsburger raubten den rebellischen Bergbauern das Vieh und überfielen ihre Dörfer

Europa im Mittelalter: Von Bauern und Edelmännern

Krieg und Frieden

Die Geschichte des Gauklers Adam (3)

Die Schweizer Bergbauern und Hirten kontrollierten den Gotthardpass. Den Habsburgern war das ein Dorn im Auge. Seit 1273 versuchten sie, ihnen die verbrieften Freiheitsrechte abzuerkennen. Sie setzten landfremde Richter ein, die altes Recht brachen. Dagegen regte sich Widerstand. Die Kantone Schwyz, Uri und Unterwalden schlossen jenen berühmten "ewigen Bund". Der Legende nach auf der Rütliwiese. Adam, der Gaukler erzählt uns die Entstehungsgeschichte:

 
 
 
 

"In einem Wald war ich auf Gefolgsleute und Landsknechte der Habsburger gestoßen. Sie waren auf Kriegszug."

 

Adam als Pferdeknecht

"Ich hungerte schon seit Tagen und versuchte, sie mit Kunststückchen zu belustigen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir einmal mein Glück erbetteln muss. Sei's drum, dann war ich halt Pferdeknecht. Es ist nicht das schlechteste, wenn man hungert. Und nachts liegt man warm."

 

Infobox

Kriegsstrategie der Schweizer Bauern:

Jahr für Jahr zogen Ritter und Soldaten des Königs der Habsburger marodierend durch ihr Land, um die rebellischen Bauern niederzuwerfen. Die Österreicher raubten ihnen das Vieh, überfielen ihre Dörfer, plünderten und brandschatzten und griffen sich die Frauen. Zur Verteidigung hatten die Schweizer ein Volksheer aufgestellt. Nur wie es bewaffnen? Die Bauern nahmen, was sie zur Hand hatten: Dreschflegel machten sie zu Morgensternen - Mistgabeln machten sie zu Piken - Sensen zu Spießen mit messerscharfen Schneiden. Damit erwarteten die Schweizer am 15. November 1315 die Habsburger in einem Hohlweg am Morgarten. Sie waren nur 1500 Mann gegen 5000 gut gerüstete Ritter. So legten sie sich in einen Hinterhalt, um in die Flanke des feindlichen Kriegszuges zu stoßen. Schilde und Rüstungen wie die Habsburger hatten sie keine, aber Mut. Sie wussten, wofür sie kämpften: für ihre Freiheit und Unabhängigkeit.

 

"Mit den tumben Bauerntölpeln, wie sie die aufsässigen Schweizer nannten, werde man schon leichtes Spiel haben, tönten die Habsburger. Aber, irgendwas war hier faul. Ich hatte den Braten gerochen. 'Mich drückt der Magen', rief ich noch und schlug mich in die Büsche. Was sie hier wollten, war nicht mein Ding. Ich gab Fersengeld und brachte mich in Sicherheit. Mutig stürzten sich die Schweizer aus ihren Verstecken. Was ich da sah, war kein Kampf, es war ein Schlachten. Feige suchten die Ritter ihr Heil in der Flucht."

 

Infobox

Chronist Johannes von Winterthur über die Schlacht gegen die Habsburger:

"Niemanden verschonten die Switer, noch suchten sie jemanden gefangen zu nehmen, sondern sie brachten alle ohne Unterschied um. Es wird berichtet, dass 1500 Mann in jenem Gemetzel durch das Schwert umgekommen seien. Als auch einige vom Fußvolk hörten, wie ihre tapfersten Krieger so grausam getötet wurden, warfen sie sich ganz verwirrt und sinnlos in den See."


Recht und Unrecht

"Erst als der Kampf vorüber war, ging ich über das Schlachtfeld. Die Schweizer erbeuteten mehr als sie tragen konnten. Immer noch war der Boden bedeckt mit den Rüstungen und Schwertern der Habsburger. Für mich blieb immerhin ein Messer übrig, so konnte ich mir nehmen, was sie mir schuldig geblieben waren. Recht war ihnen geschehen. Sie hatten Recht gebrochen und Unrecht getan."

 

Infobox

Kriegsstrategie der Schweizer Bauern:

Am Morgarten wurde aber nicht nur eine Schlacht gewonnen: Aus den Urkantonen, denen sich alle anderen Kantone anschlossen, entstand die Schweiz: Der erste Bundesstaat Europas mit einer demokratischen Verfassung. "Ein freies Volk auf freiem Grund."(Goethe). Das hatten Bauern und Hirten zu Wege gebracht. Die Rütliwiese, auf der sich die Eidgenossen zum Schwur versammelten, ist auch ein nationales Heiligtum. Alles Legende, sagen Historiker: Weder habe man sich auf dieser Wiese versammelt, noch habe es je den Schwur gegeben.

 

"Nach Jahr und Tag, im Frühjahr des Jahres 1316, zog ich durch Böhmen. Zum Knecht war ich nicht geboren. Und zum Narren wollte ich mich nicht machen. So war ich auf der Suche nach Spielleuten, die mich aufnahmen und mit denen ich wieder über die Dörfer ziehen konnte."

 
Gauklerzug vor Stadt. Quelle: ZDF
ZDF
Stadluft macht frei: Adam will sesshaft werden

Freie Bürger

"Ich traf auf eine Gauklertruppe und auch ich, Adam, hatte einmal Glück. Man hatte mich aufgenommen. Und da traf ich auch eine schöne Maid: 'Zieht ab ihr trüben Zeiten. Augen sind der Liebe Tür. Schöne Frau, sei mir gewogen, wenn ich komme zu Dir'. Zwischen Saat und Ernte sind vier Monate, sagen die Bauern. Bei uns wird es etwas länger dauern. Das ewige Vagantenleben war ich leid. 'Landluft macht eigen, Stadtluft macht frei.' Nach Jahr und Tag werden wir nicht mehr ehrlos und rechtlos sein, sondern freie Bürger.

 
 
  • del.icio.us
  • digg
  • facebook
  • twitter
  • myspace
  • mrwong
  • webnews
  • yigg