In den ersten viereinhalb Stunden nach einem Schlaganfall kann viel Schaden vom Betroffenen abgewendet werden. Deshalb sollte man schon beim geringsten Verdacht sofort in eine Klinik gebracht werden. Denn sind erst einmal wichtige Hirnregionen geschädigt, müssen die Betroffenen in vielen Monaten wieder mühsam laufen und sprechen lernen. Hoffnung verspricht dabei ein neues Therapieverfahren, das ohne Operation direkt auf die Vorgänge im Gehirn eingreifen soll. Dieses wird derzeit von einem Forscherteam aus Köln und Jülich getestet.
"Wie ein Blitz aus heiterem Himmel" - so trifft der Schlaganfall die meisten Menschen. Manche spüren eine leichte Lähmung im Arm oder der Mundwinkel hängt herunter. Andere fallen einfach um und verlieren das Bewusstsein. Statistisch erleiden etwa 200.000 Menschen in Deutschland jährlich einen Schlaganfall.
Bei rund 80 Prozent aller Betroffenen ist ein Blutgerinnsel die Ursache für den Schlaganfall. Es wandert über die Halsschlagader ins Gehirn und verstopft dort eine Arterie. Die nachfolgenden Gefäße sind von der Blutzufuhr abgeschnitten, die Zellen werden nicht ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Mediziner sprechen von einem Hirninfarkt. Seltener ist eine Hirnblutung. Hier platz ein Gefäß und das Blut ergießt in das umliegende Gewebe.
In beiden Fällen sterben die Gehirnzellen ab. Das betroffene Hirnareal kann seine Funktion nicht mehr erfüllen. Die Symptome sind Lähmungen, Sprachprobleme, in schweren Fällen der Verlust des Bewusstseins. Typischerweise sind die Lähmungen einseitig. Denn unsere Bewegungen werden von der gegenseitigen Hirnhälfte gesteuert. Sterben die Zellen der linken Hirnhälfte ab, so ist die rechte Körperseite gestört.

Jeder Schlaganfall ist ein akuter Notfall - auch bei schwachen Symptomen muss sofort eine Klinik aufgesucht werden. Auf einer Computertomographie-Aufnahme kann man eine Blutung erkennen. Ein Hirninfarkt kann erst nach Stunden nachweisbar sein. Die Feindiagnostik erfolgt meist mittels Kernspintomografie. Damit lassen sich die Gefäße gestochen scharf darstellen.
Eine Computertomografie (Abkürzung CT) ist ein computergesteuertes Röntgenschichtverfahren. Dabei rotiert eine Röntgenröhre um den Patienten und sendet Strahlenbündel aus. Derweil wird der Untersuchungstisch mit dem Patienten kontinuierlich vorwärts geschoben. Strukturen, die wenig Strahlung durchlassen, werden auf dem Bild weiß dargestellt (Knochen, Metall), solche, die viel Strahlung durchlassen (Luft), werden schwarz dargestellt. Alle anderen Strukturen sind in unterschiedlichen Grautönen zu sehen. Durch die Gabe von Kontrastmittel können bestimmte Bereiche / Organe "aufgehellt" werden.
Innerhalb der ersten viereinhalb Stunden kann ein Blutgerinnsel noch mit einem in die Vene gespritzten Medikament aufgelöst werden (Lysetherapie). Mit Logopädie, Ergo- und Physiotherapie muss der Patient Sprache und Bewegungen neu lernen - wie ein Kind.
Die Frühförderung beginnt wenige Tage nach dem Anfall. Durch beharrliches Training versucht man, die betroffene Körperseite schrittweise zu reaktivieren. Das Gehirn organisiert sich neu. Gesunde Hirnzellen übernehmen nach und nach die Aufgaben der abgestorbenen Hirnareale.
Ein Forscherteam aus Köln und Jülich versucht derzeit in mehreren Studien die Vorgänge von außen zu beeinflussen, die bei Betroffenen im Gehirn ablaufen. Das Verfahren nennt sich repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) Die Hirnforscher konzentrieren sich auf die Gehirnaktivität, die entsteht, wenn ein Patient seine betroffene Hand bewegt. Kernspinaufnahmen zeigen in der gesunden Hirnhälfte eine deutliche Überaktivität im Vergleich zur geschädigten Hirnhälfte. Diese Unausgewogenheit könnte ein zusätzlicher Grund für die Störungen sein, glauben die Experten.
Während der Behandlung wird eine Magnetspule an den Kopf des Patienten gelegt. Diese sendet Magnetimpulse in das Gehirn, die im Hirngewebe ein elektrisches Feld erzeugen. Die Forscher testen unterschiedliche Ansätze: Zum einen soll die Überaktivität in der kranken Hirnhälfte gedrosselt werden. In anderen Studien versucht man, durch die Stimulation die mangelnde Aktivität in der geschädigten Hirnhälfte wieder hochzufahren. Ziel des Verfahrens ist es, die gestörte Balance zwischen den Hirnhälften auszugleichen.
Erste Resultate sind ermutigend. Bei 50 Prozent der Probanden konnte nach der Stimulation eine vorübergehende Verbesserung der Handfunktion gemessen werden. Doch weiterer Forschungsbedarf besteht: Wie können kurzfristige Erfolge zu dauerhaften werden? Warum reagieren nicht alle Patienten gleich auf die Stimulation? Bei einigen trat sogar eine kurzfristige Verschlechterung ein. In fünf Jahren, so hoffen die Forscher, könnten diese Fragen beantwortet sein und die rTMS als wertvolle Unterstützung der konventionellen Bewegungstherapien eingesetzt werden.