Millionen unterschiedlichster Bomben regneten während des Zweiten Weltkriegs auf deutsche Großstädte wie Hamburg nieder. Doch nicht alle detonierten. Viele dieser Blindgänger stecken noch heute unter der Oberfläche von Fußgängerzonen, Parks und Straßen und sind damit eine tickende Zeitbombe.
Für die die Männer vom Bombenräumdienst der Hamburger Feuerwehr sind alte Photographien der zerstörten Stadt eine wahre Schatzkarte im Kampf gegen die Blindgänger. Die 28.000 Luftaufnahmen, die die britische Luftwaffe zur Verfügung gestellt hat, helfen heute, nicht explodierte Bomben zu finden. Gemacht wurden die Bilder nach den Bombardements zur Überprüfung der "Treffereffizienz".

Die Trichterform des Einschlags ist dabei ein Hinweis auf Blindgänger. Eine gewaltige Weiterentwicklung für die Interpretation der Bodenverformungen ist ein neuartiges Verfahren, womit die Spezialisten die Aufnahmen dreidimensional betrachten können. So geht die Fahndung nach Blindgängern bedeutend schneller als früher, als die Photos mit einer Stereoskop-Lupe abgesucht werden mussten. Und dieser Vorteil ist wichtig, denn die Erkunder sind in einem Wettlauf gegen die Zeit.

Von den Millionen Bomben, die über Hamburg abgeworfen worden sind, explodierten ungefähr 15 Prozent nicht, schätzen Experten. Nach dem Krieg starben dadurch noch 2500 Kinder beim Spielen in den Trümmern. Und die Gefahr ist nicht vorüber. Im Gegenteil: Der Kampfmittelräumdienst hat es mit immer schwierigeren Fällen zu tun, denn die Bombenbehälter rosten.
Auch im Hafen werden immer wieder Sprengkörper entdeckt. Dann werden erfahrene Kampfmittel-Räumer, wie Peter Bodes, gerufen. Ist die Bombe lokalisiert, wird zunächst ein Tauch-Einsatzschiff zur genauen Position manövriert. Dann macht sich ein Taucher auf die Suche nach der Bombe. Die Räumung im Wasser stellt besondere Anforderungen an die Spezialisten. Im trüben Hafenwasser ist die Sicht schlecht, wodurch die Suche nach der Bombe häufig zum Blindflug wird. Durch die schlechte Sicht kann der Taucher die Bombe oft nur ertasten.


Die Taucharbeit im Bereich des Kampfmittelräumdienstes setzt zunächst die Fachkunde der Munition voraus. Der Taucher, der unter Wasser auf das Kampfmittel trifft, muss die Entscheidung treffen, welche Gefahr von dem Kampfmittel ausgeht, was er machen kann und was nicht. Sprechverbindung wird durch ein Kabel gehalten, und eine Kamera liefert Livebilder zum Team an Bord des Schiffes. Einen Schutzanzug tragen die Taucher nicht, da sie bei einer Detonation unter Wasser und der dadurch entstehenden Druckwelle nichts nützen würden. Sobald die Kampfmittel gehoben sind, werden sie gesprengt.
Mit jedem Teil, das der Kampfmittelräumdienst der endgültigen Vernichtung zuführt, wird Hamburg ein Stück sicherer. Doch bis dahin wird noch viel zu tun sein. Noch mehrere Tausend Bomben dürften im Hamburger Boden liegen und damit auch einige Hundert Blindgänger, die auf ihre Sprengung warten.