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Animation Qatnas. Quelle: ZDF
Rekonstruktion der Stadt Qatna

Qatna - Entdeckung in der Königsgruft

Das vergessene Königreich

Jahrhundertelang war Qatna eine Großmacht am Mittelmeer

Für Jahrtausende verschwand das Königreich aus dem Bewusstsein der Menschheit. Bis Forscher in Syrien auf Spuren stießen, 200 Kilometer nördlich der heutigen Hauptstadt Damaskus: Qatna - der Stadtstaat war vor 3800 Jahren einer der größten im Mittelmeerraum. Wiederholt gelangen Archäologen vor laufender Kamera spektakuläre Entdeckungen.

 
 
 
 

Der Königspalast von Qatna war eines der monumentalsten Gebäude seiner Zeit. Auf einer Fläche von 110 Metern Breite und 150 Metern Länge erhob sich der Prachtbau auf einem Kalksteinfelsen, acht Meter über dem umgebenden Gelände. Er verfügte über einen Thron- und einen Festsaal sowie eine Säulenhalle, die mit einer Fläche von 36 mal 36 Metern der bis dahin größte überdachte Saal war. Die Größe des Gebäudes, Fragmente prachtvoller Wandmalereien und Fundstücke aus Gold, Elfenbein und Edelstein zeugen vom Prunk der damaligen Zeit.

Der Palast wurde vermutlich zwischen 1800 und 1700 vor Christus gebaut. Er war der Mittelpunkt einer auf Prestige bedachten Gesellschaft: Neben zwei weiteren Palästen und einem Wohnviertel stand er inmitten eines 110 Hektar großen Areals. Doch nur wenige Menschen lebten hier - die meisten Bewohner waren in Siedlungen außerhalb der Anlage untergebracht. Das Areal umgab eine imposante Befestigungsanlage. Auf allen vier Seiten zogen sich 25 Meter hohe Wälle. Auf ihnen thronte die eigentliche Stadtmauer. Vor den Wällen wiederum verlief ein Wassergraben.

 
Königspalast-Skizze. Quelle: IANES
IANES
Rekonstruktionsplan des Palastes von Qatna
 

Rätselhafte Umrisse aus der Luft

Die Ruinen der Königsstadt entdeckte der französische Archäologe Robert Comte du Mesnil du Buisson 1924 wieder. Er hatte rätselhafte Umrisse auf Luftaufnahmen des Militärs gesehen. Einen Teil der Anlage legte der Franzose frei. Dabei verriet ihm die Inschrift einer Tontafel den Namen der bronzezeitlichen Stadt. Er übersah aber vieles. Denn damals standen noch die Häuser des syrischen Dorfes Mischrife auf ihnen, das die Bewohner im 20. Jahrhundert angelegt hatten.

 
Luftbildaufnahme des Militärs von Qatna. Quelle: ZDF
ZDF
Auf der Luftbildaufnahme des Militärs -hier etwas hervorgehoben - sind die Umrisse der Palastanlage zu erkennen.

Erst 60 Jahre später wurde die Gemeinde in eine neue Stadt umgesiedelt. Die Großgrabung konnte beginnen. Seitdem enträtseln Archäologen aus Syrien, Italien und Deutschland die Geschichte Qatnas. Doch die Forschung ist schwierig. Denn die Bewohner Mischrifes hatten nicht nur Lehmziegel aus den Ruinen geklaut, um sie als Baumaterial für ihr Dorf zu verwenden. Die Ruinen des bronzezeitlichen Qatna waren in der Zwischenzeit weiter verfallen. Noch zur Zeit du Mesnils waren einige Böden und Mauern des Palastes erhalten.

Sensation vor laufender Kamera

Trotzdem stoßen die Forscher auf immer neue Sensationen. Einen der spektakulärsten Funde machte 2002 das Team um Peter Pfälzner. Vor laufender Kamera fanden die deutschen Archäologen eine unversehrte Königsgruft. Sie lag in 13 Metern Tiefe unterhalb der von Wissenschaftlern angenommenen königlichen Gemächer. Die Gruft enthielt mehr als 2000 Fundstücke.

 
Königsgruft in Qatna. Quelle: ZDF
ZDF
Einblick in die Königsgruft

Im August 2009 dann der zweite Fund: Wieder vor laufender Kamera stießen die Wissenschaftler auf eine weitere Gruft. Mindestens 80 bis 100 Menschen wurden in ihr zur letzten Ruhe gebettet. Wer sie waren - darüber gibt es nur Vermutungen. Möglich ist, dass es sich um Beamte, Wesire oder ein anderes Königsgeschlecht gehandelt hat. Das Grab enthält außerdem Hunderte Stücke von Goldschmuck, Waffen, Keramik und Kunstobjekten auf höchstem handwerklichem Niveau gefertigt.

 

Infobox

Totenritus

Die Grabkammern belegen den bis dahin nur aus Texten bekannten Totenritus, den viele Völker der Bronzezeit pflegten. Essensreste und Gebrauchsgegenstände lassen darauf schließen, dass die Angehörigen in Qatna in Anwesenheit der Verstorbenen speisten. Forscher vermuten, dass sie mit diesem Ritual Kontakt zu den Toten im Jenseits aufnehmen und die Gemeinschaft zwischen Toten und Lebenden aufrecht erhalten wollten.

Karte aus der Zeit Qatnas Blüte. Quelle: ZDF
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In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts v. Chr. war Qatna neben Mari und dem Staat Jamchad mit der Hauptstadt Aleppo das mächtigste Königtum Syriens.

Begehrte Wirtschaftsmetropole

Zusammen mit prachtvollen Wandmalereien und 74 Keilschrifttafeln - Keilschrift war die Schriftform der Kulturvölker im Alten Orient - lassen die Fundstücke Rückschlüsse auf den Alltag in der Metropole zu. Offensichtlich ist der Reichtum der Bewohner. Qatna hatte sich im Syrien des 2. Jahrtausends vor Christus zu einem machtvollen Stadtstaat entwickelt.

 
Landschaft um Qatna aus der Luft. Quelle: ZDF
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In der heutigen Einöde wuchsen zur Bronzezeit Wacholderbäume und blühten Wiesen.

Dazu verhalf die günstige Lage. Qatna war wegen seiner üppigen Vegetation und der Nähe zu Wasser ein begehrter Anlaufpunkt für Handelsreisende, die immer häufiger ihren Weg in den Stadtstaat fanden. Denn wo heute eine trockene Steppe das Land prägt, lag in der Bronzezeit ein großer See. Die Stadt war umgeben von Wachholderbäumen und saftigen Wiesen.

 

Bronzezeitliche Globalisierung

Der Handel mit der damals bekannten Welt brachte Qatna Reichtum, Wissen und kulturellen Austausch. Davon zeugen die Wandmalereien, die einst den Königspalast schmückten. Sie sind im minoischen Stil gefertigt, der aus Kreta stammt. Edelsteine, wie ein Lapislazuli, der eine gefundene Rosette schmückt, fanden ihren Weg aus Afghanistan über Mesopotamien und den Euphrat nach Qatna.

Rosette mit Lapislazuli. Quelle: Christoph Spielberger
Christoph Spielberger
Glanzvolles Fundstück: eine Rosette

Gold bezogen die Einwohner aus Ägypten, Silberschmuck aus Anatolien, Zinn aus Asien, Kupfer aus Zypern. Auch Zedernholz importierten sie - aus ihnen waren die Säulen in der Audienzhalle gefertigt. Zedernholz galt in der Antike als Luxusbaustoff. Er kam wahrscheinlich mit Karawanen vom Libanongebirge nach Qatna.

Feinde Qatnas

Der Erfolg hatte Schattenseiten: Qatna muss sich Feinde gemacht haben. Wie Tontafeln und Wandmalereien erzählen, geriet Qatna zunächst ins Visier der ägyptischen Pharaonen. Sie sahen in der syrischen Metropole zwar erst einen Handelspartner und Vasallen. Schließlich wurde Qatna zum unliebsamen Konkurrenten. Denn in Ägypten entstand nach einer langen Periode innenpolitischer Querelen das "Neue Reich". Seine Herrscher wollten bis weit nach Syrien expandieren.

 
Karte zeigt Ausbreitungsgebiet der Hethiter. Quelle: ZDF
ZDF
Karte: Die Hethiter breiteten sich weit bis ins heutige Syrien aus (rot gefärbte Fläche).

Für den Untergang des Königreichs war aber wahrscheinlich ein anders Volk verantwortlich: die Hethiter. Die Soldatenkönige waren ursprünglich vom nördlichen Schwarzen Meer eingewandert und gründeten in Kleinasien ihr Reich. Ihr Eroberungsdrang richtete sich bis weit nach Süden.

 

Der Untergang der Großmacht

Wie hethitische Quellen berichten, stürmte das Volk schließlich Qatna und plünderte den Palast. Der Angriff erfolgte um das Jahr 1340 vor Christus. Mit Übermacht und ausgestattet mit neuartigen Waffen aus Eisen - dem zu der Zeit härtestem und leichtestem Material - waren die Hethiter den Bewohnern Qatnas überlegen.

 

Der Palast brannte vollständig aus. Deutliche Hinweise darauf fanden Wissenschaftler in dem großen Palastbrunnen an der Nordseite. In den mindestens 14 Meter tiefen Brunnen fielen vor Jahrtausenden Teile des verkohlten Deckengebälks. Hier befanden sich auch Teile der abgeplatzten Wandmalereien.

 

Erst zehn Prozent entdeckt

Terra X begleitet seit 2002 die Arbeit des Archäologieprojekts. Durch das mitgedrehte Filmmaterial während der Entdeckungen ist Terra X quasi live dabei und erweckt auf besondere Art ein bisher wenig bekanntes Stück vorderasiatischer Geschichte zum Leben.

 

Das Projekt bleibt spannend. Denn bisher sind nur etwa zehn Prozent der historischen Stätte erforscht.

 

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Sendungsinformationen

Qatna - Entdeckung in der Königsgruft
Sonntag, 07. Februar 2010 19:30
Film von Simone Schillinger

Kamera: Enrico Wolff/Jürgen Rehberg
Redakteure: Günter Myrell, Georg Graffe
Sprecher: Jürg Löw
Regie: Andreas Gutzeit/Hans von Kalckreuth
Produzent: Jens Afflerbach
Online-Redaktion: Michael Büsselberg, Sonja Roy

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Chronik: Syrien und Qatna im Visier

 
 
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