In den Ruinen des Templo Mayor der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan fanden Archäologen eine Wand mit Schädeln aus Stein. Symbol für die zahllosen Opfer, nach denen die Götter der Azteken verlangten.
Augenzeuge und Chronist des Angriffs auf Tenochtitlan, Bernal Diaz del Castillo, sah sogar tausende echter Menschenschädel, die auf langen Holzgestellen aufgereiht waren. Eine der seltenen aztekischen Bilder-Handschriften bestätigt seinen Bericht. Bernal wurde sogar selber Augenzeuge der grausamen Opferung von Menschen.
Bernal-Bericht: "Wir sahen deutlich, wie sie auf einen großen Stein gelegt wurden, wie man ihnen mit Feuersteinmessern die Brust aufschlitzte, ihnen die noch zuckenden Herzen herausriss und sie den Götzen opferte."
"Den Opfern wurden die Köpfe vom Rumpf abgetrennt und dann wurden sie vor dem Tempel ausgestellt. Besonders tapferen Kriegern zogen die Priester auch noch die Haut ab, um sie sich wie einen Mantel umzulegen. In schrecklichen Verkleidungen gingen die Azteken-Priester auf Jagd nach Opfern für die nächsten blutigen Zeremonien. Aber was geschah mit den Leibern der Geopferten? Sie wurden bei einem rituellen Mahl verspeist, an dem alle teilnehmen mussten. So wurden sie zu Mittätern. Das kollektive Verbrechen erstickte jede Opposition und stärkte den Zusammenhalt im Reich der Azteken."
Menschenopfer gab es bei vielen Völkern. Aber nur selten erreichten sie ein solches Ausmaß wie im alten Mexiko. Die Opfer dienten nicht nur dem Kult; sie waren auch ein Instrument des Terrors - gegen Untertanen und Nachbarvölker. Der Massenmord war das blutige Menetekel einer zum Untergang bestimmten Kultur.
Grausige Funde bestätigen heute, was man lange nur für Gräuelpropaganda der Spanier hielt: In Mexico City stießen Bauarbeiter in sechs Metern Tiefe auf sieben Gräber aus der Zeit der Azteken. Vor der Bergung dokumentieren die Archäologen sorgfältig die Fundsituation. Neben Grabbeigaben fanden sich auch menschliche Knochen, darunter die Skelette von zwei Kindern.
"Schon auf den ersten Blick war zu sehen, dass es sich um Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren handelte. Diese Opfer haben uns sehr berührt. In einem der Körper fanden wir Pfeilspitzen. Hier zum Beispiel sind deutlich drei Spitzen aus Obsidian zu sehen, die dem Kind in den Ellenbogen gebohrt wurden. Und dann fanden wir auch noch dieses Messer, das dem Kind durch Mund und Speiseröhre bis in den Magen gestoßen wurde."
Die Archäologen datieren die Gräber auf die Jahre um 1450. Damals wurde Mexiko von einer Dürreperiode heimgesucht: für die Azteken eine Strafe der Götter, die mit einem besonderen Opferritual gesühnt werden musste.
"Es galt als gutes Omen, wenn die Kinder, die geopfert werden sollten, vor ihrem Tod weinten. Deswegen wurden ihnen Arme und Beine verrenkt. Wir müssen annehmen, dass sie gefoltert wurden, damit sie weinten. Auf magische Weise sollten die Tränen der Kinder den sehnlichst erwarteten Regen herbeirufen."
Für die Gunst der Götter zahlten die Azteken mit dem Kostbarsten, was sie hatten: mit Menschenleben. Sie glaubten an die Notwendigkeit der regelmäßigen Opfer für ihr Überleben und für den Bestand ihres Reiches.