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10. Februar 2012
 

37 Grad

 
dienstags, 22.15 Uhr
 
Rückblick: 37 Grad vom 10.10.2006
Kein Gefühl für´s Baby

37º

Kein Gefühl fürs Baby

Wenn Mütter nicht lieben können

Als Berit aus Bochum, 25 Jahre alt, nach der Geburt ihr Söhnchen Finn auf den Bauch gelegt bekam, ahnte sie gleich, dass etwas total schief läuft. "Da waren gar keine Muttergefühle. Ich habe ihn nicht mal als meinen Sohn betrachtet." Ein paar Tage später, wieder zu Hause, stand Berit am Rande des Zusammenbruchs: "Sobald ich fünf Minuten allein war, dachte ich: Mein Mann muss allein erziehen. Ich setze mich jetzt ins Auto und fahre vor einen Baum...".

Für die verzweifelte Lage von Berit und zahllosen anderen Frauen hat die Psychiatrie einen Fachbegriff gefunden: "Postpartale Depression". Eine Erkrankung, die aus heiterem Himmel jede junge Mutter treffen kann und die in seltenen Extremfällen zur Katastrophe führt: zu Selbstmord, verwahrlosten Säuglingen, ja sogar zur Tötung des Kindes.

Doch auch ohne solche dramatischen Auswirkungen ist die postpartale Depression ein Martyrium für die Mütter. Denn zusätzlich zu dem Schmerz, das eigene Neugeborenen nicht lieben zu können, kommen die Schuldgefühle, keine "gute Mutter" zu sein. "Kein Gefühl fürs Baby" begleitet zwei Mütter bei der für sie so mühsamen Aufgabe, das eigene Kind lieben zu lernen.

Neben Berit wird die 26-jährige Lena zu Wort kommen, die ebenfalls mit psychologischer Hilfe versucht, endlich Gefühle für ihre kleine Emilia zu entwickeln. Beide Frauen sind in einer Spezialtherapie in Herten im Ruhrgebiet gelandet. Bei Lena erfolgte dies gerade noch rechtzeitig: Denn die junge Frau hatte bereits einen Selbstmordversuch hinter sich. Ohne die schnelle Hilfe ihres Lebensgefährten Marc wäre sie vielleicht schon tot.

Mutig bekennen sich die beiden intelligenten jungen Frauen zu ihrer Erkrankung, die mit jeder Menge Tabus belegt ist und deshalb häufig verschwiegen und schmerzvoll verdrängt wird. Experten sagen, dass etwa 15 Prozent der deutschen Mütter mehr oder minder stark an postpartaler Depression leiden - zwischen 80.000 und 120.000 Frauen pro Jahr. Aber wer will schon als Rabenmutter gelten?

Dass es dabei fast jede Frau treffen kann, belegt der Fall von Susanne, 40 Jahre alt. Sie ist selbst Frauenärztin, hatte unzählige Frauen bei ihren Schwangerschaften und Geburten begleitet. Bis sie ihr erstes eigenes Kind bekam - und in die Depression verfiel. Wenn ihr Mann die Wohnung verließ, überkam sie die Panik. Denn das Alleinsein mit Töchterchen Clara war für sie schrecklich. Susanne hat den Alptraum inzwischen überwunden. Berit und Lena kämpfen noch darum, dass der Horrortrip zwischen Scham- und Schuldgefühlen wieder aufhört - und sie es endlich schaffen, ihre Kinder zu lieben.
 
 

Sendungsinformationen

Buch: Francesca D'Amicis

 

Sendungsinformationen

Dienstag, 10.10.2006 22:15 - 22:45 Uhr

VPS 10.10.2006 22:15

Länge: 30 min

Dokumentationsreihe, Deutschland, 2006

  • 16 zu 9
  • Untertitel