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Abenteuer Wissen

 
In der Nähe von Wasserstellen erholt die Vegetation in der Wüste. Quelle: Sylvia Strasser
Die Vegetation der Sahara erholt sich.

Die Wüste im Wandel der Zeit

Wie wird sich das Klima in der Sahara verändern?

Der globale Klimawandel und die weltweite Erwärmung sind eine Bedrohung für die Menschheit mit dramatischen Folgen. Extreme Wetterverhältnisse wie Dürre, Stürme und Überschwemmungen nehmen zu, und während der Meeresspiegel steigt und Atolle im Meer versinken, wachsen die Wüsten - so das häufig beschworene Szenario. Doch das stimmt nicht überall. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Sahara in den vergangenen Jahren feuchter und damit grüner wurde.

 
 
 
 

Um die Folgen des Klimawandels für die Sahara beurteilen zu können, erforschen Wissenschaftler die Geschichte der Wüstenregion. Sie sammeln geologische Daten und archäologische Erkenntnisse aus verschiedenen Regionen. Aus ihnen lassen sich wichtige Informationen über das Klima der Erdgeschichte und die Bildung unterschiedlicher Landschaften herauslesen.

 
Erg Ubari, Landschaft in der Sahara. Quelle: Peer Jungstand
Peer Jungstand
Landschaft im Erg Ubari

Zukunftsprognosen

Mit dem Blick in die Archive von Erd- und Zivilisationsgeschichte lassen sich Vorstellungen für die Zukunft entwickeln. Die Daten aus Sandmeer, Kies- und Felswüsten und die Ablagerungen von Sedimentsschichten eröffnen den Forschern einen Blick in die geologische Vergangenheit, von Perioden der lebensfeindlichen Wüste über den Wandel hin zu einer fruchtbaren Weidelandschaft, die schließlich wieder Wüste wurde.

 

Mit der heutigen Erderwärmung steigen die Temperaturen. Daraus folgern Experten, dass sich viele fruchtbare Landschaften und Weideflächen künftig in lebensfeindliche Regionen verwandeln. Sie rechnen mit Umweltflüchtlingen aus von Dürre bedrohten Regionen. Doch höhere Durchschnittstemperaturen bedeuten nicht überall auch Wassermangel und Trockenheit.

 
 Quelle: ap
ap
Dürre in China im Jahr 2006

Das Deutsche Klimarechenzentrum in Hamburg hat Szenarien entwickelt, die zeigen, dass sich die Erwärmung regional sehr unterschiedlich auswirken kann. Danach könnte im Mittelmeerraum in Zukunft Wasserknappheit herrschen, während der Amazonas versteppt und ausbleibender Regen das fruchtbare Land im südlichen Afrika in eine Wüsteregion verwandelt. In der Sahara beobachten die Wissenschaftler seit etwa zehn Jahren, dass zunehmend Niederschläge fallen und einige Regionen ergrünen.

Geländekonvoi der Forscher in der Sahara.
Aufbruch Wüste

Expedition ins trockene Herz der Sahara

Der Archäologe Dr. Tilman Lenssen-Erz und der Geowissenschaftler Peer Jungstand vom Heinrich-Barth-Institut in Köln sind in die Sahara gereist, in die größte Warmwüste der Erde. In Libyen, an der Grenze zu Algerien und dem Tschad, sind die beiden Forscher mit ortskundigen Tuareg unterwegs. Das Wissen der Wüstenbewohner und ihre Erfahrungen sind eine wichtige Informationsquelle, denn die Tuareg kennen die Zeichen der Wüste und die Botschaften des Wassers. Man sagt, sie können Wasser riechen.

 
Landkarte von Libyen.
Landkarte von Libyen

Die Expedition der Klimaforscher führt in die zentrale Sahara, im Südwesten Libyens. Die Felswüsten und Sandmeere des "Fezzan" bergen ein faszinierendes Klimaarchiv. Die Forscher sind überzeugt: Aus der Klimageschichte der Sahara lassen sich Schlüsse der Zukunft ableiten. Regenfälle in manchen Regionen haben in den letzten Jahren zugenommen. In den Tälern des Akakus- und Messak-Gebirges soll es im vergangenen Sommer heftig geregnet haben. Es wird sogar von Überschwemmungen berichtet.

Grafik der letzten Eiszeit.
Grafik Eiszeit

Savannenlandschaft der Frühzeit

Vor etwa 11.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit, setzte in der nördlichen Hemisphäre Tauwetter ein. Infolge einer Verschiebung der Erdumlaufbahn um die Sonne wurde es wärmer. Das Eis zog sich zurück, der Meeresspiegel stieg. Mehr Wasser verdunstete über dem Ozean die Regenwolken des afrikanischen Sommermonsuns schoben sich weit in den Norden Afrikas vor. Die Erwärmung im Norden brachte der Sahara Niederschlag und neues Leben.

 

Vor 5000 Jahren verzog sich der Sommermonsun allmählich wieder nach Süden. Gleichzeitig kühlte sich die nördliche Hemisphäre ab. So entstand die Sahara, wie wir sie kennen. Aus der fruchtbaren Savanne wurde wieder Wüste. Doch nun werden manche öde Regionen wieder feuchter und grün. Doch die Sahara der Zukunft wird nicht die grüne Savannenlandschaft der Vergangenheit sein. Klimaforscher warnen vor einfachen Analogien. Denn unsere Erde wird nicht infolge einer kosmischen Konstellation wärmer wie vor Tausenden von Jahren, als sich die Position der Erde zur Sonne allmählich veränderte, sondern heute ist der Treibhauseffekt die beherrschende Kraft, die unser Klima verändert.

Der Geologe findet fossile Gipsablagerungen.
Gipsablagerungen

Indizien für Flora und Fauna

In den Fels- und Sandwüsten des "Fezzan" finden die Forscher fossile Gipsablagerungen, Zeugen einer wasserreichen Vergangenheit. Die Ablagerungen beweisen, dass sich in früheren Zeiten an dieser Stelle ein großer See befand, der beim Austrocknen die schneeweißen Minerale hinterließ. Weitere Indizien für eine lebendige Vergangenheit sind Bruchstücke versteinerter Bäume, die Millionen Jahre alt sind. Selbst die charakteristischen Holzstrukturen sind heute noch deutlich zu erkennen, weil unter Luftabschluss die organischen Pflanzenteile durch Kieselsäure ersetzt wurden. In dieser Region gab es einstmals also ausgedehnte Wälder.

Die Forscher entdecken sogar fossile Wurmspuren! Es sind Relikte urzeitlicher Meere. Das reichhaltige Leben von damals ist die Erklärung für den Ölreichtum der Wüste heute. Doch die beeindruckendste Entdeckung sind Spuren von Menschen, die hier gelebt haben. Die Trockenheit hat ihre Spuren konserviert, der Wind hat sie freigelegt. So liegen die Relikte einstiger Besiedlungen für die Forscher leicht zugänglich an der Oberfläche. Sie belegen, dass die Wüste einst eine blühende Savannenlandschaft war.

 
 
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