Seuchen, Hungersnöte, Kreuzzüge oder lieber Robin Hood? Das Mittelalter ist eine Zeit der großen Gegensätze. Es fasziniert die Menschen bis heute und erlebt gerade eine Renaissance als neuer Freizeittrend.
Der Begriff Mittelalter taucht zum ersten Mal bei dem Dichter Francesco Petrarca (1304-1374) auf. Er bezeichnet die Epoche zwischen etwa 500 und 1500 nach Christus. Petrarca verstand diese Zeit als einen Übergang von der frühen Hochzeit des klassischen römischen Altertums zur Renaissance. Wichtige Momente für das Mittelalter waren die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800, der Beginn der Kreuzzüge 1095 und die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492.

In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde das Mittelalter eher negativ gesehen. Für die Humanisten galt diese Epoche als eine Zeit des Verfalls und der religiösen Ausschweifungen. Erst die Romantiker rückten sie wieder in ein positives Licht.
Man sollte im Mittelalter deshalb nicht nur eine finstere und rückständige Epoche sehen. Zum kulturellen Erbe dieser Zeit gehört die Entstehung von Klöstern und Ordensgemeinschaften, die zur Bildung der Gesellschaft beitrugen. Es entstanden berühmte Bauten wie das Kloster Cluny in Frankreich oder gotische Kathedralen wie der Kölner Dom. Auch an Hand bekannter Persönlichkeiten wird die kulturelle Vielfältigkeit des Mittelalters deutlich. Die deutsche Mystikerin Hildegard von Bingen, der Dichter Walther von der Vogelweide oder der Künstler Albrecht Dürer lebten in dieser Zeit.
Die Bevölkerung im Mittelalter war geprägt von sehr unterschiedlichen sozialen Rollen: Burgfräuleins, Narren, Wahrsager, Hexen und Ritter gehörten zur damaligen Gesellschaft. Und sie faszinieren die Menschen bis heute. Auf mittelalterlichen Märkten, Burgfesten oder Ritterturnieren trifft man sie auch im 21. Jahrhundert wieder.

Viele Fans des Mittelalters wünschen sich jedoch mehr als nur eine Wochenend-Veranstaltung. So entsteht inzwischen in Frankreich auf private Initiative eine Burg im Stil des 13. Jahrhunderts. Gebaut wird sie wie anno dazumal, mit Werkzeugen und Geräten, die nach originalen Vorbildern rekonstruiert wurden.
Auch hierzulande ist dieser Trend zu beobachten. In Nordbaden entsteht an der Autobahn Heilbronn-Würzburg seit 2005 das mittelalterliche Dorf Adventon. Unter den mittelalterlichen Living History Aktivitäten stellt es eine Besonderheit dar. Auf 500 Meter Länge und 250 Meter Breite entsteht hier an eine mittelalterliche Siedlung. Der Stadtplan ist bereits fertig, nun wird alles in Handwerksarbeit aufgebaut. Eine Seilereibahn, eine Schmiede und ein mobiles Badehaus sind bereits fertig gestellt.
In Adventon können Mittelalterfans auch einmal in der Vergangenheit leben - zumindest in ihrer Freizeit, als eine Art Gegenprogramm zu ihrer Alltagswelt. Nachbarschaftshilfe zählt dabei mehr als Konkurrenz und Wettbewerb.