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12. Februar 2012
 

ZDF.reportage

 
sonntags, 18.00 Uhr
Topmanagerin Cathrin H. Quelle: ZDF
Ständig am Pendeln: Topmanagerin Cathrin H.

Extrem-Pendler

Schon wieder Montag

Pendler zwischen Arbeit und Familie

Jeden Montag heißt es wieder: Abschied nehmen von der Familie, losfahren - dahin wo die Arbeit ist. Hunderttausende Bundesbürger sind so genannte Extrempendler. Ihnen bleibt nur das Wochenende, um das Leben mit den Kindern zu organisieren oder die Beziehung zu pflegen. Die ZDF-Reportage hat drei Pendlerfamilien durch ihren Alltag begleitet. Von der Trennung am Montag über die Heimkehr am Freitag bis zur nächsten Abreise - immer wieder am Montag.

 
 
 
 

"Ich fühle mich ganz schlecht, wenn ich montags wegfahre, weil ich weiß, dass meine Frau jetzt mit den Kindern und den ganzen Problemen alleine zurückbleibt", sagt Jacob H., der in der Nähe von Bremerhaven lebt. Als LKW-Fahrer transportiert er die ganze Woche nagelneue Limousinen kreuz und quer durch Deutschland und die angrenzenden Nachbarstaaten.

Erst am Freitag kehrt er wieder zurück. Jacob H. fährt im Fernverkehr, weil er damit mehr Geld verdient als im Nahverkehr. Leicht fällt es ihm nicht. Besonders aber abends, wenn er "als einsamer Trucker kaum einschlafen kann", überfallen ihn Eifersuchtsgedanken: "Was macht meine Frau jetzt gerade?" Auch das ständige Telefonieren mit seiner Ehefrau kann dies nicht verhindern. "Das ist in mir drin, seit mir wegen des Jobs meine frühere Frau weggelaufen ist", sagt er.

 
Daheim an der Nordsee: LKW-Fahrer Jakob. Quelle: ZDF
ZDF
Daheim an der Nordsee: LKW-Fahrer Jakob
 

Traumjob und Familie

"Ich weiß genau, dass mein Mann die Kinder bestens versorgt und ich vertraue ihm", sagt hingegen die Topmanagerin Cathrin H., die die ganze Woche als Unternehmensberaterin vorwiegend in Europa, aber auch weltweit unterwegs ist. Ihr Ehemann, der die beiden kleinen Söhne versorgt, ermöglicht es ihr, "beide Welten erleben zu dürfen, meinen Traumjob und die Familie am Wochenende".

 

So hat sie es als 38-Jährige bereits zur Topmanagerin gebracht. Sie fliegt zu Kunden und Mitarbeitern, verstreut oft über den ganzen Kontinent. Frankfurt-Paris-Zürich-München ist eine normale Wochentour. Währenddessen chauffiert der Ehemann die Kinder zur Schule und in den Kindergarten und berät nebenher noch Kunden eines großen Büroserviceunternehmens.

 

Zwei Tage die Woche sind sie dann alle zusammen. "Oft zu kurz", räumt Cathrin H. ein, "aber wir haben uns zu diesem Leben entschlossen, wir wollen das und deshalb funktioniert es auch", ist ihr persönliches Fazit nach sechs Jahren.

 

Von der Mosel nach Holland

Seit mehr als 26 Jahren lebt Dieter G. während der Woche von seiner Ehefrau und den beiden Töchtern getrennt. Schon als 22-Jähriger musste der Fleischer von der Mosel nach Holland zur Akkordarbeit fahren, weil der Vater plötzlich gestorben war und das Haus abbezahlt werden musste.

 

Dort verdient er viel mehr als in Deutschland und außerdem gibt es in der Moselregion kaum mehr Fleischverarbeitung. Jeden Sonntag macht er sich mit dem Auto um vier Uhr morgens auf, um pünktlich bei der Fabrik bei Utrecht zu sein. "Ab der Autobahn denke ich nicht mehr an die Familie, weil ich einen klaren Kopf für die Arbeit brauche", bekennt er sich zu seinem Doppelleben.

 

Er verdient das Geld, seine Ehefrau Edith kümmert sich vorwiegend um die beiden Töchter. Auch Ehefrau Edith ist sich gar nicht sicher, ob es besser wäre, wenn der Ehemann die ganze Woche zuhause wäre: "Wir hatten das noch nie, wir kennen das nicht."

 

Infobox

Schon wieder Montag

Reportage von Broka Herrmann
Kamera: Marc Nordbruch
Sendetermin: ZDF.reportage,
2.März 2008, um 18.30 Uhr

 
 
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