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12. Februar 2012
 

Abenteuer Wissen

 
Algenfischerin an der Küste Sansibars. Quelle: ZDF
Algenfischerinnen auf Sansibar

Abenteuer Wissen

Algenzucht im
Indischen Ozean

Frauen aus Sansibar machen sich selbstständig

Algen wachsen in allen Weltmeeren, sind sehr nährstoffreich, gesund und vielseitig verwendbar. Im Indischen Ozean, an der Küste von Sansibar, haben Frauen Algenfelder angelegt und tragen so zum Unterhalt ihrer Familien bei. Seit die Fischbestände wegen der Dynamitfischerei stark zurückgegangen sind, gewinnt das Entwicklungsprojekt der Algenzucht zunehmend an Attraktivität.

 
 
 
 

Sansibar gehört zu Tansania und liegt nur 60 Kilometer von der Festlandküste Ostafrikas entfernt. Angeblich, so sagt man, erkenne man die Insel am Duft. Bis heute leben viele Bewohner vom Handel mit Gewürzen wie Nelken, Kardamon und Zimt. Aber große Gewinne lassen sich damit nicht mehr erzielen, die Weltmarktpreise liegen am Boden.

 
Hotelanlage am Strand von Sansibar. Quelle: ZDF
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Hotelanlage auf der Insel Sansibar

Große Armut

Auf Sansibar leben 1,2 Millionen Menschen. Seit der Gewürzmarkt eingebrochen ist und auch die Fischbestände durch den Einsatz von Dynamit stark zurückgegangen sind, müssen viele Menschen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen oder sind arbeitslos. Deshalb richten sich alle Hoffnungen heute auf die langen Küsten und Strände, den aufkeimenden Tourismus und die Algenzucht.

Stadtansicht von Stone Town. Quelle: ZDF
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Stone Town, die Hauptstadt der Inselgruppe

Stone Town, die Hauptstadt Sansibars, ist der Lebensnerv der Inselgruppe. Im Hafen laufen die Schiffe vom Festland und der Nachbarinsel Pemba ein. Hier liegt auch das Institut für Meereskunde der Universität von Dar Es Salaam, in dem die Meeresbiologin Dr. Flower Msuya arbeitet. Sie unterstützt die Algenfischerinnen tatkräftig mit ihrer Wissen und hilft ihnen bei der Aufzucht der Meeresalgen. Algen gelten als Pflanzen der Zukunft als Nahrungsmittel im Kampf gegen Hunger und Armut. Weiter werden Algen in der Medizin und Lebensmittelindustrie eingesetzt und spielen eine wichtige Rolle bei der Reduktion von CO2.

 
Dr. Flower Msuya gibt den Algenfischerinnen Tipps zur Algenzucht. Quelle: ZDF
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Dr. Flower Msuya berät und hilft den Frauen bei ihrer Algenzucht.

Algen - die Multitalente

Die erfolgreiche Algenzucht begann in Europa. In Irland hatten Chemiker Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt, wie sich aus Rotalgen Carrageen gewinnen lässt: ein Werkstoff aus der Natur, der hervorragend schmiert, klebt und geliert. Er sorgt dafür, dass die Algen elastisch wie Gummi sind. Als E 407 ist das Zauber-Gel längst in unzähligen Lebensmitteln versteckt. Das ist ein Grund, warum die Algenzucht zunehmend attraktiver wird.

Algenfischerinnen ernten die Algen in der Gezeitenzone. Quelle: Sylvia Strasser
Sylvia Strasser
Algenzucht ist ein harter Job.

Mittlerweile bauen mehr als 10.000 Frauen auf Sansibar Rotalgen an und verdienen sich damit oft zum ersten Mal eigenes Geld. Überall auf Sansibar, wo die Feldwirtschaft an Land wenig ertragreich ist, wird sie ins Meer verlegt. Algenzucht ist jedoch mühsame Handarbeit und nicht ganz ohne Risiken. Das Salzwasser ist sehr aggressiv, und das Sonnenlicht reizt die Augen.

Algenfelder im Ozean

Vor der Küste Sansibars werden Rotalgen der Gattung Eucheuma angebaut. Sie enthalten kommerziell nutzbare Inhaltsstoffe und wachsen besonders schnell. Schon in fünf Wochen verzehnfachen die Ableger ihr Gewicht. Alles, was die Pflanzen dafür brauchen, sind tropisch warme Temperaturen, Mineralien, das Treibhausgas Kohlendioxid und das für ihre Energiegewinnung unverzichtbare Sonnenlicht. Die Algen produzieren mit Hilfe der Photosynthese große Mengen an Biomasse und Sauerstoff.

 
Frauen legen Algen zum Trocknen aus. Quelle: ZDF
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Die Frauen legen die Algen zum Trocknen aus.

Nur heftige Stürme oder Krankheiten können die Ernte gefährden. Außerdem ziehen die großen Algenfelder gefräßige Räuber wie Seeigel an. Sind die Algen im optimalen Reifezustand, gehen die Frauen bei Ebbe in die Gezeitenzone ernten. Auf Palmwedeln werden die frischen Algen zum Trocknen ausgelegt. In der Tropensonne verlieren sie über 80 Prozent der in den Zellen gespeicherten Flüssigkeit. Zwei Tage später wiegen sie nur noch ein Drittel. Über die Sammelstellen im Dorf nehmen einheimische Exportfirmen den Frauen ihre Ware ab. Für ein Kilogramm Trockengewicht werden derzeit 160 tansanische Schillinge bezahlt, das sind nicht einmal zehn Cent.

 

Im Kampf gegen die Armut

Aber jeder Cent ist ein Cent mehr als nichts, das gilt besonders für die Frauen auf dem Land. Sie erfahren noch täglich, was es heißt, auf der untersten Stufe der sozialen Rangordnung zu stehen. Der neue Wirtschaftszweig hat in den verarmten Küstenregionen zu einem deutlich sichtbaren Wandel geführt. Nicht nur das Selbstbewusstsein der Frauen ist gewachsen, sondern auch ihr Lebensstandard. Erstmals tragen die Algenfischerinnen zum Unterhalt ihrer Familien und zum Fortschritt des ganzen Dorfes bei.

 
Frauen und Kinder vor dem neu erbauten Kindergarten. Quelle: ZDF
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Mit dem Geld, das die Frauen verdienen, wurde ein Kindergarten gebaut.

"Für das Leben an der Küste war das eine kleine Revolution", sagt Dr. Flower Msuya: "Die Frauen verlassen ihre Häuser und gehen in die Algenfelder. Sie kaufen Kleider für sich und für ihre Kinder. Einige sind heute sogar in der Lage, mit eigenen finanziellen Mitteln Schulen oder Kindergärten zu bauen. Die Frauen leisten sich heute Dinge, die ohne das Einkommen durch die Algenzucht unmöglich wären."

Die Meeresbiologin weiß, dass die Algenzucht auch kritisch gesehen wird. Denn die hier angebaute Rotalgenart steht im Verdacht, dem empfindlichen Ökosystem der Korallenriffe zu schaden. Zwar hat Flower Msuya den kommerziellen Anbau von Meeresalgen auf Sansibar nicht persönlich eingeführt. Aber mit ihren Kollegen trägt sie dazu bei, dass die Algenzucht vor Sansibar wissenschaftlich kontrolliert wird.

 
 
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