Ob Reiterinnen oder Musikerinnen, ob zum Ausgehen oder beim Kartenspiel, ob als Missionsschwestern oder im Business: Frauen suchen sich gerne Gleichgesinnte und bilden ihre eigenen Netzwerke. Doch was macht weibliche Geselligkeit aus?

Mit einer Topqualifikation kommen junge Frauen heute schnell auf der Karriereleiter voran. Auch Ina Wulkow hat kurz nach dem Studium die erste Führungsaufgabe übernommen. Bei einer Personalberatungsfirma in Berlin leitet sie ein Team mit zwei Personen.
Seit einiger Zeit geht Ina Wulkow einmal im Monat zu den Treffen der "Business and Professional Women", kurz BPW. In diesem weltweiten Verband unterstützen sich Angestellte und Geschäftsfrauen schon seit über 60 Jahren in ihrer Karriere.
"Ich bewege mich jeden Tag in einer männerdominierten Businesswelt. Ich fühle mich sehr wohl dabei", sagt Ina Wulkow, "aber ich genieße es auch, im BPW, in einem Frauenclub, ein Forum zu haben, in dem ich mich mit Gleichgesinnten austauschen kann." Themen, die man gemeinsam besprechen kann, gibt es genug: wie der ideale Berufseinstieg aussieht, wie der Schritt von der angestellten Position in die erste Führungsrolle zu schaffen ist und wie man sich in einer männerdominierten Welt entsprechend positionieren kann.

Politisch engagiert sich der BPW auch. Er fordert die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Gerade in Führungspositionen sind die Gehaltsunterschiede oft groß. Großer Vorteil aber: So ganz unter Frauen lassen sich berufliche Dinge einfach besser besprechen. Diese Erfahrung haben hier alle gemacht und sich ganz bewusst für einen Frauenclub entschieden. "Wir haben unter uns wirklich eine Atmosphäre des gegenseitigen Verstehens und Vertrauens", sagt BPW-Mitglied Elke Ickert, "es geht nicht darum, Du machst Karriere und ich bin neidisch. Sondern ich helfe dir dabei, dass Du Deinen Platz im Leben findest."
Berufsverbände oder Karnevalsvereine, private Feste oder öffentliche Feiern: Die Kölner Fotografin Eva Hehemann hat in den vergangenen Jahren viele solcher "Frauengesellschaften" in der Bundesrepublik besucht - und fotografiert. Daraus ist nun ein Buch entstanden, das die Vielfalt dieser Frauengeselligkeiten zeigt.
Eva Hehemann - Fotografin aus Köln

Doch warum sind Frauen offenbar gern auch mal unter sich? Neben der Suche nach Gemeinschaft steht dabei vor allem das Netzwerken im Vordergrund. "Und dass man nur Karriere machen kann, wenn man das Netzwerken beherrscht, hat sich wohl schon herumgesprochen", sagt Eva Hehemann. Ihre Aufnahmen machen deutlich, wie Frauen berufliche und private Netzwerke gekonnt miteinander verbinden. Und dazu kann sich fast jeder Anlass eignen - auch die Tupperwareparty.
Die Tupperwareparty ist schon ein geschicktes Verkaufskonzept. In einem Wohnzimmer kommen Nachbarinnen, Freundinnen, Kolleginnen zur Verkaufspräsentation zusammen. Die Frauen unterhalten sich über ihre Haushaltsführung, beratschlagen, was sie in der Küche zaubern können, geben Tipps weiter. Ganz unbemerkt schaukeln sie sich dabei gegenseitig hoch in dem Gefühl, dieses Schüsselchen und jenes Töpfchen brauche ich unbedingt in meiner Küche.


In dieser Wohlfühl-Kuschel-Atmosphäre bleiben Frauen gern unter sich. "Unter Frauen kann man doch ein bisschen anders reden ", sagt Reiseverkehrskauffrau Brigitte Böshagen. Schnell lässt sich etwas bestellen, ohne das der eigene Ehemann reinreden kann. Haushalt, Kochen, der tägliche Kleinkram - diese Erfahrungen des Alltags haben hier endlich eine Bedeutung. Verkaufsberaterin Renate Iden macht das schon seit 22 Jahren und kennt Tausende kleine Geschichten. Und beim Quatschen kommt ganz automatisch gute Stimmung auf. "Es ist schon eine andere Atmosphäre. Locker, nett, Party halt!"
Eva Hehemann
Frauengesellschaft(en) in Deutschland
Von der privaten Feier bis zum Berufsverand
Gebunden - 512 Seiten
AvivA Verlag (2010)