Die Kriminalität in den Straßen Roms hatte im 1. Jahrhundert nach Christus einen ersten Höhepunkt erreicht. Ein Grund war die zunehmende Verarmung großer Teile der Bevölkerung. Dafür fand man Belege in einer Kleinstadt, die zu trauriger Berühmtheit gelangte: Pompeji.
In Pompeji forscht der britische Archäologe Rick Jones. Er betrachtet die Ruinen der Stadt aus einem neuen Blickwinkel.
"In unserem anglo-amerikanischen Projekt in Pompeji erforschen wir, wie sich die Stadt bis zum Jahr 79 nach Christus entwickelt hatte, bevor sie zerstört wurde. Wie sich die Mischung von teuren Villen und einfachen Wohnhäusern, Werkstätten und Schänken über fünf Jahrhunderte hinweg veränderte."
Pompeji ist eine Zeitmaschine für eine Reise in die römische Vergangenheit. Nirgendwo sonst kommt man dem römischen Alltag so nahe wie hier. Der letzte Tag der Stadt wurde hier gleichsam für immer festgeehalten. Im Jahr 79 nach Christus brach der Vesuv auseinander, spie Feuer und Asche und besiegelte das Schicksal der Stadt. Giftige Gase erstickten alles Leben. Generationen von Archäologen erforschten jedes Detail der Katastrophe.
Der Forscher interessiert sich für den Verlauf der Stadtentwicklung. Mit über hundert Mitarbeitern gräbt er die verschiedenen Schichten eines ganzen Viertels aus. Die Ergebnisse seiner Forschung sind eindeutig:
"Die Reichen wurden reicher und die Armen ärmer. Die Häuser der Reichen wurden immer größer und luxuriöser ausgestattet, zum Beispiel mit Mosaiken und Zierbrunnen. Die Armen hatten immer weniger Platz. Sklaven und Bedienstete hausten in winzigen Kammern, sowohl in den herrschaftlichen Häusern wie auch in den Schänken."
Die Armen, die Sklaven und Bediensteten waren es, die das städtische Leben am Laufen hielten. Nur weil sie alle schweren körperlichen Arbeiten verrichteten, funktionierten die römischen Städte. Sie errichteten die Häuser und bauten die Abwasserkanäle. In den Villen der feinen Leute gab es fließendes Wasser, Bäder und Fußbodenheizung. So entzogen sich die Reichen den Unanehmlichkeiten des Stadtlebens.
In Pompeji zeigt sich, dass nur ein kleiner Teil der Haushalte über eine Küche mit eigenem Herd verfügte. Während die Armen ihr Essen auf der Straße kauften, fand man in einer Villa die Reste eines Abendessen: es gab Wildschweinbraten. Die breite Masse hingegen war auf "Fastfood" aus billigen Kneipen angewiesen. Meist waren die römischen Kneipen in den Erdgeschossen so genannter "Insulae" untergebracht, den ersten Mietskasernen der Geschichte. Sie waren bis zu acht Stockwerken hoch.