Ein Papst-Flug ist streng durchorganisiert. Das gilt auch für die Sitzordnung: In der Papst-Maschine gibt es drei Bereiche, die streng voneinander getrennt sind: vorne der Platz des Papstes, der immer auf der linken Seite sitzt, dann der Bereich für die Delegation und schließlich die Journalisten.
Kurz vor dem Kirchenoberhaupt trudeln langsam die Mitglieder der Päpstlichen Delegation ein. Die Journalisten versuchen, durch die kleinen Fenster genau zu beobachten, wer da mit wem kommt und spricht. Sofort werden Minen und Gesten der Delegationsmitglieder gedeutet und die ersten Zeilen geschrieben. Dann schließlich fährt die schwarze Limousine vor.

Ein Vertreter der italienischen Regierung, der Bischof von Fiumicino und eine Reihe anderer Würdenträger eilen zum Wagen; erweisen dem Papst die Ehre, der noch einige Worte wechselt und dann die Gangway hinaufeilt. Zwischenzeitlich laufen die Stewardessen ganz aufgeregt durch die Reihen und fordern die Journalisten auf, sich für den Start vorzubereiten. Durchsagen gibt es bei einem Papstflug nicht.
Bei den innereuropäischen Flügen kommt Benedikt XVI. vor dem Start noch kurz zu den Journalisten; bei Interkontinentalflügen gibt es in der Regel eine Stunde nach dem Start eine kleine Pressekonferenz. Dann kommt Hektik auf im Journalistenabteil. Fotografen und Kameraleute positionieren sich in den vorderen Reihen - und die Journalisten dahinter sehen nichts mehr, wenn der Pontifex dann, lächelnd und schüchtern winkend, durch den Gang nach hinten kommt.
Die Fragen müssen vorher beim Vatikanischen Presseamt eingereicht werden - was nicht bedeutet, dass Kritisches aussortiert wird. Auf dem Weg in die USA war etwa das Pädophilie-Thema gleich die erste Frage. Es geht wohl eher darum, dass sich der Pontifex ein wenig vorbereiten kann. Bei den letzten Reisen wurden meistens vier bis fünf aller eingereichten Fragen beantwortet.
Sind die Fragen beantwortet, gibt es erneut Hektik unter den Journalisten. Die ersten greifen bereits zu den Telefonen, um den Sekretärinnen in der Heimatredaktion die Worte des Papstes zu diktieren. Andere rätseln noch, ob sie den Papst auch richtig verstanden haben. Diktiergeräte werden abgehört und ausgetauscht. Immer und immer wieder bestimmte Stellen - ein babylonisches Sprachengewirr beginnt.
Wie übersetzt man eine konkrete Formulierung sauber ins Französische? Hat der Papst vielleicht doch etwas ganz anderes gemeint, als der Kollege nebenan verstanden hat? Wild wird überall in die Tasten der Laptops gehauen. Und dann plötzlich ein hochroter Kopf eines Kollegen, ein leicht schmerzverzerrtes Gesicht: der Akku ist leer, der Bildschirm schwarz, wild gestikulierend sucht er nach einer Lösung. Von hinten reicht jemand einen Adapter für die Flugzeugsteckdose, ein Flimmern; der Text ist wieder da; es fehlen nur die letzten beiden Sätze: Aufatmen.

Bei Benedikt XVI. ist die Pressekonferenz der einzige direkte Kontakt mit den mitreisenden Journalisten. Johannes Paul II. kam bei längeren Flügen meistens zum persönlichen Gespräch mit den einzelnen Journalisten "nach hinten" beziehungsweise als er nicht mehr so gut gehen konnte, die einzelnen Pressevertreter zu ihm nach vorne. Letzteres gibt es beim deutschen Pontifex manchmal auf der Rückreise für die Journalisten des Gastlandes.
Trotzdem lohnt die Reise im Papstflieger. Der Informationsfluss ist hier direkter als wenn man separat reist. Regelmäßig gibt es während der Reisen Treffen mit dem Pressesprecher des Papstes, der Details über Begegnungen und die Reaktionen des Pontifex berichtet. Zudem ist es leichter als VAMP-Mitglied einen der begehrten Pool-Plätze bei Papstveranstaltungen zu bekommen. So ist man meist direkt mit dabei, wenn der Papst seine öffentlichen Auftritte hat. Mit Polizeieskorte und Blaulicht geht es durch die Straßen der Städte. So kann man auch bei mehrere Veranstaltungen an einem Tag dabei sein. Für "normal akkreditierte" Journalisten ist das oft nicht möglich, da sie für An- und Abfahrt zu einem Veranstaltungsort wesentlich mehr Zeit brauchen.
Und noch einen Vorteil gibt es: Am frühen Morgen, wenn alle anderen Kollegen noch schlafen, geben sich die Vatikanjournalisten ein Stelldichein im Hotelzimmer des Assistenten des vatikanischen Presseamts. Dann gibt es die Papstansprachen des Tages. Morgens um kurz nach 5 Uhr blickt man in verschlafene Gesichter der Kollegen, während andere bereits mit dem Textmarker bei der Arbeit sind.
Entspannung macht sich erst breit, wenn sich zum Rückflug die Türen des Flugzeugs wieder schließen. Dann ist das Werk vollbracht und meist zufriedene Gesichter lehnen sich auf päpstliche Kopfkissen zurück. Denn in der Regel sind die Kissenbezüge mit dem Wappen des Pontifex bestickt. Die Stewardess reicht die Speisekarte und der Pressesprecher des Papstes verteilt eine Gedenkmünze, die der Vatikan für jede Reise eigens prägen lässt.