Hauptnavigation:

Sie sind hier:

21. November 2009
 

History

 
Rückblick: History vom 14.07.2009
Wernher von Braun. Quelle: dpa
Wernher von Braun

Dienstag, 14. Juli

Wernher von Braun: Der Raketenmann

Hitlers Manager wurde für Kennedy der Vater des Mondflugs

Man hat ihn mit vielen Superlativen bedacht: "Kolumbus des Weltalls", "Vater des Mondflugs".1969 schlug die historische Stunde des Wernher von Braun: Am 21. Juli um 3.46 Uhr MEZ öffnete sich die Luke der Mondlandefähre "Eagle". Wer zu den fast 600 Millionen Menschen zählt, die damals vor den Bildschirmen Zeuge jenes großen Augenblicks wurden, wird auch die legendären Worte des Astronauten Neil Armstrong nicht vergessen haben: "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit".

 
 
 

Wernher von Braun zählt zu den Technik-Pionieren, die diesen Höhepunkt menschlicher Schaffenskraft ermöglichten. Das Sprungbrett für den legendären Hopser in die Schwerelosigkeit des Erdtrabanten war die größte Trägerrakete der Geschichte: "seine" Saturn V. Er und sein überwiegend deutsches Team hatten wesentlichen Anteil an der Entwicklung. Die erste Mondlandung markierte den Gipfel seiner Karriere - aber auch den Wendepunkt.

Vom Flug ins All geträumt

Er wollte eigentlich noch höher hinaus, zum Mars. Aber nach Apollo 11 war die Luft erst mal raus, auf die Weltraumeuphorie folgte Ernüchterung. Man hatte es den Sowjets zeigen wollen, die zunächst die Nase vorn hatten beim Wettlauf ins All. Mit der Mondlandung hatte das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" seine Überlegenheit eindrucksvoll belegt. Aber als Anfang der 1970-er Jahre andere Themen in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit gerieten, wurden die Finanzmittel für die NASA erheblich gekürzt.

 

Der noch immer von großen Visionen getriebene Ingenieur fand sich auf einem Schreibtischposten wieder, 1972 wechselte er zu General Motors. Wenige Jahre später erlag der zeitlos jung anmutende, souverän lächelnde und stets korrekt gekleidete Gentleman, den man auch den "Raumfahrt-Siegfried" nannte, am 16. Juni 1977 im Alter von 65 Jahren einem Krebsleiden.

Zitat

„Das 'Dritte Reich' bot ihm die Möglichkeit, seinen Traum zu verwirklichen. Das hatte etwas Faustisches - er verkaufte sozusagen seine Seele an das Böse. Aber vielleicht war ihm das gar nicht bewusst, oder er nahm es in Kauf.“

Christoph von Braun, Neffe

Hitlers "Vergeltungswaffe" V2

Durch seinen frühen Tod blieb ihm erspart, was er stets zu verhindern suchte: die schonungslose Auseinandersetzung mit den düsteren Kapiteln seines "Vorlebens". Nach und nach zeigten sich die Schattenseiten seiner ungewöhnlichen Karriere. Historische Studien und Stimmen der Opfer legten seine Verstrickung in die Machenschaften des Hitler-Regimes offen.

Für den Diktator hatte er Raketen gebaut, die Vergeltungswaffe V 2 - das allerdings war längst bekannt. Was er jedoch stets zu vertuschen verstand, waren seine SS-Mitgliedschaft, die Mitverantwortung für den Tod von Tausenden Zwangsarbeitern und die erschreckenden Umstände der Raketenproduktion, jener "Wunderwaffe".

Mitverantwortung zurückgewiesen

Bis 1969 war es auf beiden Seiten des Atlantiks nicht opportun, über solche Zusammenhänge zu berichten, über die Vorgeschichte des großen Triumphes in der Zeit des Nationalsozialismus.

Wernher von Braun mit John F. Kennedy. Quelle: ap
ap
Wernher von Braun mit John F. Kennedy

Zuvor war kolportiert worden, was Wernher von Braun selbst zu seiner Vergangenheit zu sagen hatte: Es sei ihm als Forscher nicht vorrangig um militärische Ziele gegangen - er habe eigentlich immer den Mond im Blick gehabt, die Rakete sei nur "am falschen Ort gelandet". Er habe lange nichts von den menschenunwürdigen Bedingungen bei der Herstellung der Raketenwaffen gewusst und auch nichts dagegen unternehmen können.

Saturn-V-Rakete entwickelt

Und dann gab es jene bezeichnende Formel, auf die er sich berief - wie viele Technokraten, die nicht nur eine Verurteilung durch die Siegermächte fürchteten, sondern nach der NS-Diktatur auch in der Demokratie Karriere machen wollten: "Die Wissenschaft hat keine moralische Dimension. Sie ist wie ein Messer. Wenn man es einem Chirurgen und einem Mörder gibt, gebraucht es jeder auf seine Weise".

Wie Stefan Brauburger und Dirk Kämper in ihrem Film zeigen, spiegelt die Karriere des Raketenmannes geradezu beispielhaft die problematische Wechselwirkung von Wissen und Macht, von Technik und Moral, Kosten und Nutzen des Fortschritts. Die Autoren führen vor Augen, wie weit die Umwege und Abwege reichten, die der Raumfahrtpionier in Kauf nahm, um an sein Ziel zu gelangen.

Karriere zwischen Himmel und Hölle

Vier Jahrzehnte nach der Mondlandung lassen sich minutiös wie nie zuvor Licht- und Schattenseiten seiner wechselvollen Karriere rekonstruieren. Bislang unbekannte Briefe enthüllen zudem Geheimnisse von Liebschaften des Raketenmannes, von denen manche tragisch endeten.

In einer Kombination aus aufwändigen Spielszenen - mit Ludwig Blochberger und Daniel Rohr in der Titelrolle -, Interviews von Wegbegleitern, Schilderungen von Opfern der "Vergeltungswaffen" und ehemaligen Zwangsarbeitern, erst jüngst entdeckten Dokumenten und eindrucksvollen Computeranimationen entsteht ein vielschichtiges filmisches Porträt, ein erstes Doku-Drama über das Leben des Raketenmannes.

 
 

Sendungsinformationen

Regie: Stefan Brauburger und Dirk Kämper

 

Sendungsinformationen

Dienstag, 14.07.2009 20:15 - 21:45 Uhr

VPS 14.07.2009 20:15

Länge: 90 min

Dokumentation, Deutschland, 2009

  • Untertitel