In Madrid und Sevilla steht deutsche Architektur hoch im Kurs: Im Madrider Zentrum entsteht der restaurierte "Palacio des las Communicaciones" der Bauingenieure Jörg und Mike Schlaich. In Sevilla das "Metropol Parasol" von Architekt Jürgen Mayer H. Und das Architekten-Duo Almut Ernst und Armand Grüntuch entwirft die neue deutsche Schule in Madrid.
Überall in Spanien schossen während der letzten Jahre die Baukräne wie Pilze aus dem Boden. Am berühmtesten Platz der spanischen Hauptstadt entsteht der Palacio de las Communicaciones - das neue Bürgermeisteramt.
Das Besonderes an dem Neubau ist die schwierige Geometrie des Daches. Einen riesigen, unregelmässigen Patio zu Überdachen - ohne dass aus dem Dach eine schwere Konstruktion wird - das geht nur mit einer leichten High-Tech-Konstruktion. Transparenz und Leichtbauweise zeichnen diesen Bautyp aus. Geplant und umgesetzt von den Stuttgarter Bauingenieuren Mike und Jörg Schlaich.
Deutsche Baukunst ist unter anderem deshalb so gefragt, weil die Verfahren vorher oftmals aufwendig getestet und berechnet werden. Wie beispielsweise bei einer Belastungsprobe von neuen Drahtseilen, die im Bericht gezeigt wird. Diese kommen dann in Großbaustellen zum Einsatz. Die Bauingenieure Schlaich entwickeln aber auch ungewöhnlichere Ideen - vielen liegen Alltagsgegenstände zugrunde - wie zum Beispiel: ein Tennisschläger oder ein Salatsieb.
Seit fünf Jahren baut man in der traditionsbewussten Stadt ein neues städtisches Zentrum. Ausgerechnet hier, im historischen Altstadtkern, entsteht eine der weltweit innovativsten Konstruktionen - ein visueller Kontrast. Das "Metropol Parasol", was übersetzt soviel bedeutet wie "Metropolen-Pilz", soll hier bald ein neues Wahrzeichen für Sevilla werden und Touristen in die Stadt locken.

Seit fünf Jahren ist hier Baustelle. Die Bauarbeiter arbeiten Tag und Nacht, um die Vision des deutschen Architekten Jürgen Mayer H. umzusetzen. Das gigantische Bauprojekt kostet rund 100 Millionen Euro. Geld, das je zur Hälfte von der Stadt und von einer Baufirma kommt.
Jürgen Mayer H. konstruiert moderne Bauten mit ungewöhnlichen Mitteln. Er hat sich auf Holz spezialisiert. Das Besondere: Holz sieht bei Jürgen Mayer H. gar nicht nach Holz aus. Eine Plastikschicht überzieht das natürliche Material und macht es so gegen die Hitze in Sevilla unempfindlicher.
Verantwortlich für den Bauboom der letzten Jahre war die Spekulation mit Immobilien: gigantische Geldsummen ermöglichten gigantische Projekte. Prestigeobjekte werden es in Zukunft schwieriger haben: die spanische Immobilienblase ist geplatzt, der Bauboom beendet. Das Land steckt in einer tiefen Krise und ist überschuldet - die Baukräne stehen meist still. Die drei im Bericht vorgestellten deutsche Architektur- und Ingenieurbüros bauen mit innovativen Ideen und Konstruktionen weiter und prägen Spaniens Architektur.
Aber auch gegen den Wüstensand, den der Wind manchmal aus dem benachbarten Afrika herüberweht. Damit die Holzverbindungen im bis zu 50 Grad heißen Sevilla auch im Sommer halten, wurde vom deutschen Frauenhofer Institut extra ein neues Klebeverfahren entwickelt. Wenn die Bauteile eingeklebt sind, werden sie nachträglich nochmals erhitzt: Nachhärtungsreaktionen ermöglichen jetzt, dass der Klebstoff sogar 70 Grad aushält.

Auch hier hat ein deutsches Architektenbüro die Ausschreibung für die Umsetzung in Spanien gewonnen. Die neue Deutsche Schule in der spanischen Hauptstadt für 1.700 Schüler ist ein Renommierobjekt deutscher Außenpolitik. Geplant wird sie von Almut Ernst und Armand Grüntuch, erfahrene Baumeister in Sachen Schulbau. Grüntuch-Ernst gewannen den Wettbewerb, weil sie ganz besonderen Wert auf Niedrigenergiebauweise legen. Die Schule ist komplett nachhaltig. Obwohl es in Madrid extrem heiß und extrem kalt werden kann, sollen Heizung und Klimaanlage weitgehend überflüssig werden.
Das ist die Funktion der Schule und danach richtet sich ihre Form. Intelligente Konstruktionsweise und natürliche Belüftung - "High Tech durch Low Tech" sozusagen. Der Wind aus der Umgebung wird in das Gebäude gesogen und führt zu einem Luftaustausch. Das ist eines der zentralen Themen: eine gute Belüftung hinzubekommen - ohne Apparatemedizin. Durch ein sechs Meter unterhalb des Gebäude verlaufendes, rund 600 Meter langes Thermolabyrinth wird die Außenluft im Sommer gekühlt und im Winter gewärmt: traditionelle Methoden kombiniert mit technologisch innovativer Raffinesse. Bis 2014 soll die Deutsche Schule fertig werden.