In dieser Woche ist der Schweizer Alpen-Kurort Davos für ein paar Tage wieder der Mittelpunkt der Weltpolitik: Zum Weltwirtschaftsforum 2012 kommen rund 2600 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft. 40 Staats- und Regierungschefs reisen an. Die Eröffnungsrede hält Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Unter dem Motto "Der große Wandel: Die Gestaltung neuer Modelle" sollen - vor dem Hintergrund von Staatsschuldenkrise, Umwälzungen in der Arabischen Welt und steigenden Nahrungsmittelpreisen - Wege aus der Krise gesucht werden. "Der Kapitalismus in der bisherigen Form passt nicht länger zu unserer Welt", meint der deutsche Wirtschaftsexperte und WEF-Gründer Klaus Schwab. Die globale Transformation müsse damit beginnen, "dass sich weltweit wieder ein Sinn für soziale Verantwortung ausbreitet".
Aus dem Wettbewerb der Systeme war der Kapitalismus nach dem Zusammenbruch der sozialistisch regierten Staaten Osteuropas vor 20 Jahren als klarer Sieger hervorgegangen - nun steckt er in seiner tiefsten Krise. Immer mehr Menschen haben Zweifel, dass die Probleme und Widersprüche unserer Gesellschaft mit den Praktiken eines freien Marktes bewältigt werden können.
In seiner Streitschrift "Wir sind viele - Eine Anklage gegen den Finanzkapitalismus", kritisiert der Journalist Heribert Prantl die radikale Ökonomisierung der Politik und des öffentlichen Lebens und lobt den aufkeimenden Protest: "Der Zorn gegen den Finanzkapitalismus ist etwas anderes als Wut. Der Zornige... will etwas ändern, er will nicht akzeptieren, dass es keine Alternative gibt". Der Schriftsteller Ingo Schulze sieht unsere Demokratie in Gefahr und warnt: "Der Kapitalismus braucht keine Demokratie, sondern stabile Verhältnisse".
Kann sich der Kapitalismus an seiner eigenen Krise optimieren? Ist Staatskapitalismus nach chinesischem Vorbild die Zukunft? Quo vadis, Kapitalismus?
Über das Thema "Kapitalismus reloaded - Neue Regeln für die Weltwirtschaft" diskutiert Volker Panzer mit seinen Gästen Marie-Christine Ostermann, Dirk Müller, Gerald Hörhan und Niko Paech im ZDF-nachtstudio am Sonntag, den 29. Januar um 00:25 Uhr.
Literaturtipps:
"Sein Geld verschleudert niemand an andere, jeder aber seine Zeit und sein Leben". (Michel Eyquem de Montaigne)
Am kommenden Sonntag, den 5. Februar 2012 um 1.15 Uhr, wird die Sendung "Erklär mir die Welt! - Eugen Drewermann im Gespräch mit Volker Panzer" wiederholt.