1976 beging Ulrike Meinhof Selbstmord in Stuttgart Stammheim und wurde in Berlin begraben, aber was kaum einer wusste, ohne Gehirn. Wissenschaftler wollten erforschen, ob ein Gehirntumor die Ursache für die Terrortaten war. Die Angehörigen wurden weder gefragt noch informiert.
Bettina Röhl, Journalistin und Tochter von Ulrike Meinhof, hat Bettina Röhl den Fall an die Öffentlichkeit gebracht. Ihre Absicht: eine ethische Diskussion über das widerrechtliche Vorgehen im Namen der Wissenschaft und eine daran anschließende, differenzierte Sicht über ihre Mutter, die in den 70er Jahren von manchen verehrt, von vielen gehasst und als führender Kopf der RAF auf den Fahndungslisten die Nummer 1 war.
Für die Angehörigen von Ulrike Meinhof war die Entdeckung, dass am Gehirn ihrer Mutter unerlaubt geforscht wurde, unerfreulich. Bettina Röhl: "Ich hatte mich ja plötzlich nicht nur damit auseinander zu setzen, dass mir präsentiert wurde, es bestehe ein Gehirnbefund - sondern auch damit, dass es zwei gierige Spiegeljournalisten und zwei gierige Wissenschaftler gibt, die jetzt in einer Millionenauflage ihr Konterfei abgebildet haben wollen."
Wie kann es sein, dass der damalige Wissenschaftler Prof. Jürgen Peiffer, der lediglich den Auftrag zur Erforschung der Todesursache hatte, weitergehende Untersuchungen vornahm. Wusste die Staatsanwaltschaft davon? Dazu Prof. Dr. Jürgen Peiffer, emeritierter Prof. der Rechtsmedizin: "Sie war informiert von mir. Im August habe ich eine entsprechende Frage gestellt und habe auch die Genehmigung der Staatsanwaltschaft gehabt."
Doch die Staatsanwaltschaft Stuttgart sieht das ganz anders, eine Genehmigung zur Weiterforschung sei nie erteilt worden, so Staatsanwalt Dr. Eckhard Maak: "Die Durchsicht der Akten im Todesermittlungsverfahren Ulrike Meinhof hat ergeben, dass von Seiten der Staatsanwaltschaft zu keinem Zeitpunkt eine Weisung oder ein Einverständnis erteilt wurde, hier abweichend von der üblichen Verfahrensweise mit dem Gehirn zu verfahren. Es gab auch über den Auftrag zur Ermittlung der Todesursache hinaus keine weiteren Aufträge."
Bettina Röhl hat als Journalistin den Fall an die Öffentlichkeit gebracht. Ihre Absicht: eine ethische Diskussion über das widerrechtliche Vorgehen im Namen der Wissenschaft und eine daran anschließende, differenzierte Sicht über ihre Mutter, die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof: "Meine Mutter ist sehr lange zu positiv mythologisiert worden. Die gute Terroristin ist ein Widerspruch in sich. Denn da sind ihre Taten. Sie war bei der RAF auch für Terrortaten mitverantwortlich. Wenn nun ausgerechnet in dem Moment, wo man möglicherweise feststellt, dass sie schuldunfähig ist, ein neuer Mythos entsteht und man sie plötzlich zum Bösen macht, dann wende ich mich dagegen genauso wie gegen den zu positiven Mythos."
Die RAF Mitglieder glaubten, ihre radikal-ideologischen Ziele - den Kampf gegen den Faschismus und Kapitalismus - nur noch gewaltsam durchsetzen zu können. Grausame Geiselnahmen und Morde wurden begangen. Doch jetzt Ulrike Meinhof zur Geisteskranken zu erklären, damit würde man sich wieder einmal einem Teil deutscher Vergangenheitsbewältigung entledigen wollen.
Bettina Röhl jedenfalls verwahrt sich dagegen, mit ihrer Mutter gleichgesetzt zu werden: "Wenn man sagt 'Meinhoftochter' oder 'Terroristentochter', dann impliziert man, dass der Wahn des Terrorismus irgendwie genetisch auf mich übergesprungen sei. Und damit entwertet man auch meine Arbeit als Journalistin. Dann heißt es: Die ist genauso verrückt wie ihre Mutter. Und das ist einfach unfair." Die Journalistin Bettina Röhl hat sicher dazu beigetragen, dass Untersuchungen an Gehirnen von Straftätern zukünftig genauer kontrolliert werden.
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