Die Asche der Lieben mit nach Hause nehmen oder in der Natur verstreuen - in Deutschland ist das verboten. Es herrscht so genannter Friedhofszwang. Um den zu umgehen, nehmen einige Hinterbliebene den Umweg über das Ausland in Kauf. Eine legale alternative Bestattung bieten seit ein paar Jahren die Friedwälder.
Der Baum gilt als Symbol für Leben, Erneuerung und Unsterblichkeit. Solch naturnahe Stätten für die letzte Ruhe werden immer beliebter. In den so genannten Friedwäldern haben die Hinterbliebenen einen Bezugspunkt für ihre Trauer - ohne eine jahrzehntelange Verpflichtung zur Grabpflege und starre Friedhofsgesetzte.
Eine Urne aus biologisch abbaubarer Zellulose wird unter ausgewählten Bäumen in die Erde gelegt. Die Grabpflege übernimmt die Natur. Wie ein Friedhof soll der Wald nicht aussehen: Blumen, Kränze und Kerzen sind zwar während der Zeremonie erlaubt, müssen aber danach wieder entfernt werden.
Ein Namensschild oder Kreuz erinnert an den Verstorbenen. Die Kosten für eine Bestattung am "Gemeinschaftsbaum" liegen bei rund 800 Euro, ein Familienbaum mit zehn Gräbern kostet über 3000 Euro. Der Baum wird für 99 Jahre gepachtet und im Grundbuch eingetragen. Fällt ein Baum vorher um, wird ein neuer gepflanzt.
Friedwald ist ein geschützter Begriff. Es handelt sich um Wälder, die von der gleichnamigen Firma gepachtet werden. Diese müssen verschiedene Kriterien erfüllen, um gesetzlichen Friedhöfen gleichgestellt zu sein. Bislang gibt es elf Friedwälder in Deutschland.
Auch viele Friedhöfe haben den Trend erkannt. Sie bieten eine Baumbestattung auf dem Friedhof an. Die Kosten sind vergleichbar mit einer Grabbestattung. Bei der anonymen Bestattung werden die Verstorbenen ohne Hinweis auf die Person auf der "grünen Wiese" bestattet.
Die Asche der Lieben im eigenen Garten zu begraben ist in Deutschland verboten. Einige Angehörige, die den Friedhofszwang umgehen möchten, lassen ihre Verstorbenen daher in Holland, der Schweiz oder Tschechien verbrennen und nehmen die Urne dann mit nach Hause.
Falk Murko von der Stiftung Warentest weist jedoch darauf hin, dass das Ordnungsamt in solchen Fällen die Urne beschlagnahmen kann.
Eine Seebestattung ist grundsätzlich für jeden möglich. Man benötigt dafür eine Ausnahmegenehmigung (Befreiung vom Friedhofszwang). Normalerweise kümmert sich der Bestatter darum. In einigen Bundesländern muss eine besondere Verbundenheit mit dem Meer belegt werden.
Tipp: Das Verfahren ist wesentlich einfacher, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten handschriftlich festgehalten hat, dass - und warum - er eine Seebestattung wünscht. Die Kosten liegen zwischen etwa 400 und 1600 Euro, je nachdem ob die Bestattung anonym oder mit Angehörigen stattfindet.
Wer genaue Vorstellungen hat, wie seine Beerdigung aussehen soll, sollte eine Sterbeverfügung verfassen. Diese Angaben gehören auf keinen Fall ins Testament, da dies meist erst nach der Beerdigung eröffnet wird.