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Terra X

 
Krieg unter der Erde. Quelle: ZDF
Der Kampf um Wien wurde auch unter der Erde ausgetragen.

Tag X: Die Türken vor Wien - 12. September 1683

Duell im Dunkeln

Mustafa setzt alles auf die Sprengung der Mine

Ohne das Heer der Polen war Wien nicht zu befreien. Das wusste man auch im Lager der Türken: Kara Mustafa musste Wien erobern, bevor Sobieskis Truppen in den Kampf eingreifen konnten. Für sein Ziel setzt Mustafa vor allem auf seine 5000 Mineure.

 
 
 
 

Michaelowitz-Bericht (07:00 Uhr:) "Auf meinem Rückweg in die Stadt suchte ich im Lager der Türken so viel wie möglich zu erkunden. Alles war in ungewohntem Aufbruch. Ich schnappte auf, dass auch die osmanischen Truppen der Belagerung überdrüssig waren.

 

Die Hauptmine entscheidet

Aber Kara Mustafa hatte befohlen weiterzukämpfen. Er wollte noch am heutigen Tage die Hauptmine zünden. Und dann den Generalsturm wagen. Alle schienen sicher: Wien würde heute genommen. Ich sah christliche Verbündete der Osmanen beim Morgengebet: Sie ließen sich segnen vor der entscheidenden Schlacht. Auch für mich bestand kein Zweifel: Heute würde so oder so die Entscheidung fallen."

Musterungsliste. Quelle: ZDF
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Die Musterungsliste zählt 5000 Mineure unter den Angriffstruppen.

Die Stärke des osmanischen Heeres ist in einer Musterungsliste enthalten: 168.000 Soldaten stehen vor Wien, aber mit nur fünf Mörsern und 112 Kanonen leichteren Kalibers. Deshalb setzt Kara Mustafa nicht auf die Artillerie, um den Weg in die Stadt frei zu schießen. Er baut auf seine 5000 Mineure.

Infobox

Militärhistoriker Christian Ortner:

"Durch den Ausbau und die Modernisierungen von Festungen war es bald nicht mehr möglich, alleine mit Belagerungsartillerie diese Breschen zu schießen. Wien galt als eine der modernsten Festungen Europas und dementsprechend musste auch ein anderes Kampfmittel zum Einsatz kommen. Die Osmanen galten im 17. Jahrhundert als die Fachleute was den unterirdischen Minenkrieg betraf und sie setzten dieses Kampfmittel auch vor Wien erfolgreich ein."

 
Computeranimation unterirdisches Gangsystem. Quelle: ZDF
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Durch ein unterirdisches Gangsystem gelang es den Türken, ihre Minen effektiv zu platzieren (Animation).


Respekt vor den Minenlegern

(08:30 Uhr): Die Türken graben sich unter dem äußeren Festungsring durch und sprengen die vorgelagerten Basteien. Mit jeder Mine kommen sie dem Hauptwall näher. Ein ganzes System unterirdischer Gänge treiben die 5000 Mineure voran, um unter den Festungsmauern Minenkammern anzulegen. Im ganzen Abendland hatte man ungeheuren Respekt vor den osmanischen Minenlegern - den Spezialisten im Krieg unter der Erde. Gegen ihre Minen gab es so gut wie keine Gegenwehr. Wo und wann eine neue Ladung hochgehen würde, war unberechenbar. Die Wiener fürchteten, eine weitere Sprengung könnte ihr Ende sein.

Auch die Wiener treiben Gänge in den Boden. Quelle: ZDF
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Mit den Waffen des Feindes: Gegenmine der Wiener

Michaelowitz-Bericht (10:00 Uhr): "Bei meiner Rückkehr stand die Löbelbastei unter heftigstem Beschuss. Unsere Männer gruben einen Tunnel, um den türkischen Mineuren das Handwerk zu legen."

Mann gegen Mann im Tunnelkampf

Die Verteidiger versuchen, die Türken mit ihren eigenen Mitteln zu bekämpfen. Auch sie treiben Gänge voran, in der Hoffnung, auf die Minenkammern zu stoßen, ehe die Türken die Ladung zünden können. Im Tunnelkampf, Mann gegen Mann, hatten es die Wiener schon einmal geschafft, eine Sprengung zu verhindern. Wird es ihnen am 12. September ein zweites Mal gelingen?

 

Michaelowitz-Bericht (12.30 Uhr): "Anfänglich hatten wir die türkischen Mineure abfällig Maulwürfe genannt. Jetzt waren wir selbst zu Maulwürfen geworden. Das Schicksal Wiens hing davon ab, ob es uns gelingen würde, die Mine rechtzeitig zu entdecken. Wir mussten ganz nahe an sie herangekommen sein. Sie rollten schon Fässer mit Schwarzpulver in eine vorbereitete Minenkammer. Uns blieb keine Zeit mehr. Starhemberg musste informiert werden: Wenn es ihnen gelang, die Mine zu zünden, waren wir verloren. Dann hatte auch das Heer der Allianz keine Chance mehr, Wien zu befreien."

 
Polnische Reiter mit geflügelten Panzerrüstungen. Quelle: ZDF
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Polnische Reiter mit geflügelten Panzerrüstungen versetzten die Türken zunächst in Angst und Schrecken (Spielszene).


"Gewitterwolken, starrend vor Erz"

(13:00 Uhr): Auf dem Schlachtfeld vor Wien kämpfen sich unterdessen zwei Heeresgruppen der Allianz bis zur feindlichen Hauptkampflinie vor. Aber erst gegen Mittag erreicht die Armee der Polen ihre Stellung. Ein türkischer Augenzeuge beschrieb das Erscheinen der 14.000 polnischen Reiter mit ihren geflügelten Panzerrüstungen: "Sie tauchten auf wie Gewitterwolken, starrend vor Erz. Es war, als wälze sich schwarzes Pech bergab, das alles, was sich ihm entgegenstellte, erdrückt und verbrennt. So griffen sie an, mit der eitlen Absicht, die Streiter des Islam niederzumachen." Doch der Artillerie der Türken gelingt es vorerst, den Angriff der polnischen Kavallerie zu stoppen. Die Polen, auf denen sämtliche Hoffnungen ruhen, müssen sich zurückziehen und neu formieren. Alles ist wieder offen.

Eine letzte Mine muss gezündet werden. Quelle: ZDF
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Soll Wien fallen, muss eine letzte Mine gezündet werden(Animation).

(15:45 Uhr): Für Kara Mustafas Mineure wird es höchste Zeit. Noch vor dem Abend muss ihre Mine hochgehen. Sie vermauern bereits die Minenkammer. Die Explosion soll nach oben, nicht nach hinten gehen. Damit ist die Mine scharf. Der Kampf um Wien steht auf des Messers Schneide.

Alles auf eine Karte

Würde die Mine hochgehen, würde der Goldene Apfel, die Kaiserstadt Wien, in die Hände der Türken fallen, stünde ihnen das Tor nach Mitteleuropa offen. Dafür hatte Kara Mustafa alles auf eine Karte gesetzt: auf die Mine unter der Löbelbastei. Aber seine Strategie ging nicht auf.

 

Michaelowitz-Bericht: "Meine Männer riefen mich: Sie hatten endlich die Mine geortet. Die Lunte brannte schon. Wir hatten keine Sekunde zu verlieren. Einen von uns schickten wir in die Minenkammer. Im letzten Moment gelang es ihm, die Mine zu entschärfen. Wien war gerettet.

 
 
 
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