Otto Schily hat zwischen den 1970er Jahren und dem frühen 21. Jahrhundert eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Vom "Terroristen-Anwalt", dem ideologische Nähe zu seinen Mandanten unterstellt wurde, wandelte er sich zum Bundesminister des Inneren, der verantwortlich war für Einschränkungen der Bürgerrechte.
Otto Schily wurde am 20. Juli 1932 als Sohn eines Hüttendirektors in Bochum geboren. Nach dem Abitur studierte er Jura in München, Hamburg und Berlin und absolvierte sein Staatsexamen 1962. Ein Jahr später ließ er sich als Rechtsanwalt nieder.
In den 1960er Jahren stand Schily dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund nahe und war mit Rudi Dutschke und Horst Mahler befreundet. Im so genannten Ohnesorg-Prozess um die Tötung des Studenten während einer Demonstration trat Schily 1967 als Vertreter der Nebenklage auf.

Bundesweite Bekanntheit erreichte er 1971 mit der Übernahme der Verteidigung des RAF-Mitglieds Horst Mahler und vor allem in den Jahren 1975 bis 1977 als Wahlverteidiger von Gudrun Ensslin, einem der führenden Köpfe der "Roten Armee Fraktion". Nach dem Tod von Bader, Ensslin und Jan-Carl Raspe im Stammheimer Hochsicherheitstrakt war Schily einer der wenigen, der die offizielle Selbstmord-Version in Zweifel zog.
1980 gehörte Otto Schily zu den Gründungsvätern der "Grünen", für die er 1983 erstmals in den Bundestag einzog. Als Vertreter des "Realo-Flügels" lag er insbesondere in der Frage des herrschenden Rotationsprinzips und einer möglichen Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten im ständigen Streit mit den "Fundis" der Partei. Trotzdem wurde er 1987 noch einmal ins Parlament gewählt, verließ aber 1989 nach einer gescheiterten Kandidatur für den Fraktionsvorstand die "Grünen", gab sein Mandat zurück und trat in die SPD ein.
Bereits ein Jahr später zog er wieder in den Bundestag ein, diesmal als SPD-Abgeordneter. 1993 und 1994 konnte er sich insbesondere als Vorsitzender des Treuhand-Untersuchungsausschusses profilieren und wurde zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. In den folgenden Jahren war er auch Mitglied in den Ausschüssen zur Richterwahl und zur Berufung der Bundesverfassungsrichter.
In der ab 1998 regierenden Rot-Grünen-Koalition übernahm Schily den Posten des Bundesinnenministers, den er bis 2005 inne hatte. Insbesondere nach den Terrorakten des 11. Septembers ist sein Name eng mit Einschränkungen von Bürgerrechten und verschärften Sicherheitsbestimmungen verbunden. Seine innenpolitischen Positionen gleichen seit dieser Zeit eher denen der CSU als klassisch sozialdemokratischen oder gar denen seiner früheren Weggefährten von "Bündnis 90/Die Grünen".
Otto Schily ist Träger des Bayerischen Verdienstordens und seit 2004 des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland - allerdings auch des "Big Brother Lifetime Award", mit dem er für den "Ausbau des deutschen und europäischen Überwachungssystems auf Kosten der Bürger- und Freiheitsrechte" 2001 und 2005 "ausgezeichnet" wurde. Schily ist zum zweiten Mal verheiratet und Vater zweier Kinder.