Jedes Jahr stehen Abertausende in Deutschland vor einer emotional und finanziell schwierigen Entscheidung: Wie findet man eine gute Unterbringung für die Eltern, wenn es im eigenen Zuhause so nicht mehr weiter geht? Wer hilft, und nach welchen Kriterien kann man sich bei der Auswahl richten? Die "ZDF.reportage" von Uta Claus begleitet zwei Töchter und einen Sohn über mehrere Monate in dieser schwierigen Situation. Welche Lösung werden sie finden?
Elisabeth M., 86, lebt in ihrer Wohnung in München, ihre Tochter Martina K. am Stadtrand. Die Mutter ist verwirrt, wird morgens von einem Pflegedienst versorgt. Doch das reicht auf Dauer nicht mehr aus. Und Martina K. will mit ihrem Mann bald eine lang ersehnte und ersparte Australienreise antreten.
Was wird dann mit der Mutter? Sie will auch übergangsweise auf keinen Fall in ein Heim. Auch nicht in eine Tagespflege - ihre Ablehnung vertritt sie lautstark. Wird Martina die Reise dennoch antreten können? Und wie soll es danach weitergehen? Die Nerven von Martina K. liegen blank.
Pflege in Deutschland - eigentlich sollte die Pflegeversicherung alles besser, wenigstens einfacher machen. Einiges hat sich seit ihrer Einführung geändert, doch noch immer ist Pflege hauptsächlich Privatsache geblieben. Daran ändern auch die neuesten Vorschläge zur sogenannten Pflegeteilzeit nichts.
Nach den Plänen von Bundesfamilienministerin Schröder sollen Familienangehörige von pflegebedürftigen Menschen die Möglichkeit bekommen, zwei Jahre nur halbtags, aber bei 75 Prozent ihres Lohnes zu arbeiten. Zum Ausgleich müssten sie später weitere zwei Jahre Vollzeit zu einem auf 75 Prozent reduzierten Lohn tätig sein.
Die Vorschläge lösen heftige Kritik aus: So heißt es, dass die Pflegeteilzeit in der Praxis bedeuten könnte, dass vor allem Frauen auf Job und Karriere verzichten, um sich um ihre Angehörigen zu kümmern. Kritiker der Pflegeteilzeit fordern eine stärkere Einbindung der Pflegeversicherung, um eine fachlich gute Pflege sicherzustellen.
In der ZDF.reportage von Uta Claus berichten zwei weitere Kinder von pflegebedürftigen Elternteilen über ihre Nöte. Andreas ist 49 Jahre alt, seine Mutter Hildegard B. ist 74. Die alte Dame lebte allein in ihrer Wohnung in Pforzheim. Dann bekam sie einen leichten Schlaganfall. Der Sohn holte sie übergangsweise zu seiner Familie nach Berlin-Friedrichshain. Doch wie soll es langfristig weitergehen?
Dagmar S. ist 56 und lebt in München, ihre Mutter, 83, in Berlin-Lichtenberg. Sie hat Alzheimer und findet immer öfter nicht mehr nach Hause, wurde schon von der Polizei gebracht. Dagmar S. sucht nach einer liebevollen Lösung für ihre Mutter. Sie schaut sich Heime an und Wohngemeinschaften für Demenzkranke. Eine schwere Entscheidung.
In allen Fällen geht es um die Suche nach einer praktikablen, bezahlbaren und liebevollen Betreuung der Eltern. Die ZDF.reportage zeigt anhand von drei Beispielen, wie kräftezehrend die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden von Eltern ist. Und lässt erahnen, dass die große Belastung nicht nur von den Kindern zu schultern ist.