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23. Februar 2012
 

Philosophisches Quartett

 
25.03. und 13.05.2012
Rückblick: Das Philosophische Quartett vom 23.10.2011

Fix und fertig

[Video]

Zu Gast im Quartett: Elke Schmitter und Manfred Lütz (sitzend)

Fix und fertig

Die erschöpfte Gesellschaft

Bankenpleiten, Eurokrise, globaler Terror, selbst die von vielen als bedrohlich empfundene Digitalisierung der Welt: Immer mehr Menschen fühlen sich der Geschwindigkeit und der Leistungsanforderung der Gegenwart nicht mehr gewachsen.

 
 
 
Verschiedenen bunte Pillen. Quelle: dapd
dapd
Der Konsum von Aufputschmitteln steigt.

Sie leiden zunehmend unter Verlust- und Versagensängsten und meinen, dass sie angesichts der Unübersichtlichkeit der Verhältnisse ohnehin nichts ausrichten können. Sie sind ausgelaugt, sie sind fix und fertig. Kein Wunder also, dass sich in den modernen Gesellschaften, wo der Einzelne mehr als je zuvor auf sich selbst gestellt ist, die Symptome von Ermüdung und Erschöpfung mehren. Burnout-Erkrankungen und der Konsum von Aufputschmitteln und Aufhellern aller Art nehmen zu.

 

Chronische Überforderung

Ist diese chronische Mattigkeit, so fragen Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski im "Philosophischen Quartett" des ZDF, eine Folge der strikten Individualisierung, oder gibt es eine Überforderung durch allzu angestrengte Selbstverwirklichung? Leben wir in einer Erschöpfungsgemeinschaft? Wie kann ihr wieder auf die Beine geholfen werden? Darüber, über Befund und Therapie, diskutieren Sloterdijk und Safranski mit Manfred Lütz, dem bekannten Psychiater, Psychotherapeuten und Bestseller-Autor und mit der "Spiegel"-Journalistin, Schriftstellerin und Gesellschaftskritikerin Elke Schmitter.

 
ZDF
 

Seit längerem schon, so beobachtet Peter Sloterdijk, definieren sich Gesellschaften durch ihre Pathologien - von der guten alten "Nervosität" und der "Hysterie" um 1900 bis hin zum aktuellen "Hyperaktivitätssyndrom" und zum "Burnout". Folgt man diesen jüngeren Trends, scheint unsere Gesellschaft immer depressiver zu werden. Verursacht nicht so sehr von inneren Nöten, sondern eher durch eine chronische äußere Überforderung. Der heutige Mensch wäre demnach, so Sloterdijk, ein Wesen im permanenten krankmachenden Stress. Während der positive Stress das Individuum ins Optimum seiner Leistungsfähigkeit versetzt, wirkt der schlechte Stress, wie er sich etwa in endlosen Sorgen äußert, auf Dauer persönlichkeitszerrüttend. Der Einzelne verliert die Fähigkeit zur Regeneration. Fix und fertig: Welche Therapie braucht unsere Gesellschaft?

Elke Schmitter. Quelle: ZDF/Falko Saalfeld
ZDF/Falko Saalfeld
Elke Schmitter

Zu Gast: Elke Schmitter

Elke Schmitter, 1961 in Krefeld geboren, ist eine Frau der geschmeidigen Sprache und der journalistischen Fakten. Was sie vor allem sei, Schriftstellerin oder Journalistin, will sie ihr Publikum entscheiden lassen. Nach einem Philosophie-Studium in München, an der Maximilians-Universität und der Hochschule der Jesuiten, arbeitete sie zweieinhalb Jahre als Lektorin beim S. Fischer Verlag Frankfurt. Schon bald aber lockte das journalistische Schreiben: Sie wechselte in die Redaktion der Berliner Tageszeitung (taz), die sie von 1992 bis 1994 als Chefredakteurin leitete. Anschließend schrieb sie frei für große Blätter wie Die Zeit, die Süddeutsche Zeitung und die FAZ. Seit 2001 gehört sie der Kulturredaktion des "Spiegel" an, wo sie vornehmlich als Essayistin und präzise wie kritische Beobachterin des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens hierzulande hervortritt.

 

Früh schon begann sie auch ihr literarisches Schaffen zu veröffentlichen. Sie debütierte 1982 mit einem Gedichtband, legte 1998 Essays zu Heinrich Heine vor und hatte im Jahr 2000 ihr von der Kritik hochgelobtes Romandebüt mit der Liebes- und Ehebruchsgeschichte "Frau Sartoris", die bis heute in siebzehn Sprachen übersetzt wurde. Es folgten zwei weitere Romane, "Leichte Verfehlungen" (2002) und "Veras Tochter" (2006), ein Lyrikband sowie "Leidenschaften. Eine weibliche Literaturgeschichte in 99 Porträts" (2009; mit drei Co-Autorinnen). Elke Schmitter ist Trägerin des Niederrheinischen Literaturpreises und war Stipendiatin des Deutschen Literaturfonds. Sie lebt in Berlin.

Manfred Lütz. Quelle: pr
pr
Manfred Lütz

Zu Gast: Manfred Lütz

Manfred Lütz wurde 1954 in Bonn geboren. Nach seinem Studium der Medizin, der Philosophie und der Theologie in Bonn und Rom wurde er 1979 als Arzt approbiert und 1981 an der Universität Bonn mit einer medizinischen Dissertation promoviert. Ein Jahr darauf erlangte er sein Diplom in Katholischer Theologie. Nach dem Facharzt für Nervenheilkunde erwarb er auch die Befähigung zum Psychiater und Psychotherapeuten. Seit 1997 ist er Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln-Porz. Seine Therapieansätze gelten als strikt patientenbezogen und lösungsorientiert. Lütz ist Mitglied des Päpstlichen Rates für die Laien, Direktoriumsmitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben und Berater der Vatikanischen Kleruskongregation.

Infobox

Buchempfehlungen

Tipp Safranski:

Byung-Chul Han
Müdigkeitsgesellschaft
Broschierte Ausgabe,72 Seiten
Matthes & Seitz Berlin, 2010
ISBN 978-3-88221-616-5
10,00 Euro

Tipp Sloterdijk:

Alain Ehrenburg
Das Unbehagen in der Gesellschaft
Gebundene Ausgabe, 531 Seiten
Suhrkamp Verlag, 2011
ISBN-10: 3518585614
29,90 Euro

Bücher der Gäste:

Manfred Lütz
Irre! - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen
Broschierte Ausgabe, 208 Seiten
Goldmann Verlag, 2011
ISBN-10: 3442156793
9,99 Euro

Elke Schmitter u.a.
Leidenschaften. 99 Autorinnen der Weltliteratur
Gebundene Ausgabe, 640 Seiten
C. Bertelsmann Verlag, 2009
ISBN-10: 3570010481
24,95 Euro

 

Als Schriftsteller bedenkt er immer wieder beide Schwerpunkte seines beruflichen Lebens, gern auf humorvoll-ironische, gleichwohl stets seriöse Weise. Berühmt wurde er mit zwei Büchern, die beide zu Bestseller-Ehren kamen: "Gott. Eine kleine Geschichte des Größten" (2007) und "Irre! Wir behandeln die Falschen - unser Problem sind die Normalen: eine heitere Seelenkunde" (2009). In diesem Buch, das aufklärerisch und anrührend Patientenschicksale erzählt, erkannte die Kritik ein Manifest "gegen die Tyrannei der Normalen". Zuletzt erschien von Manfred Lütz "Lebenslust in unlustigen Zeiten" (2010). Lütz wurde mit dem Internationalen Buchpreis "Corine" (2008) ausgezeichnet, aber auch mit dem Bonner "Bröckemännche-Preis" (2011) für erfolgreiches Wider-den-Stachel-Löcken. Er ist Ritter des Gregorius-Ordens. Manfred Lütz lebt bei Bonn.

 
 

Sendungsinformationen

Sonntag, 23.10.2011 23:45 - 00:45 Uhr

VPS 23.10.2011 23:40

Länge: 60 min

Gesprächsreihe, Deutschland, 2011

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