Die Luft brennt in der Oberlausitz: Hundertschaften der sächsischen Polizei rollen in das 1300-Seelen-Dorf nahe der polnischen Grenze. In der Diskothek "Wodan" soll am Abend ein rechtsradikales Konzert stattfinden, Veranstalter ist die NPD-Jugendorganisation NJ.
Das Dorf Mücka steht unter massivem Polizeischutz, sämtliche Zufahrtsstraßen sind gesperrt. Kriminalhauptkommissar Uwe Horbaschk und seine Beamten kontrollieren die glatzköpfigen jungen Männer genau, die zur Diskothek wollen. Damit haben die Skinheads nicht gerechnet, sie reagieren nervös und aggressiv.
"Wir gucken ganz genau, was die anreisenden Personen hier mithaben - gefährliche Gegenstände, Waffen, aber auch verbotenes Lied- und Schriftgut", erklärt Kommissar Horbaschk. Aus dem ganzen Bundesgebiet sind Neonazis angereist, so genannte Freie Verbände aus Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bremen.
Auch ein älterer Herr ist unter den vorwiegend jugendlichen Besuchern: Klaus-Jürgen Menzel, NPD-Landtagsabgeordneter in Sachsen. "Ist das Ihre Musik?" will ZDF.reporter Udo Frank von ihm wissen. "Das ist meine Musik", antwortet der Politiker.
Die NPD sei die Partei der Jugend, sagt er und gibt zu, dass Konzerte wie dieses in Mücka Teil einer gezielten Aktion sind. Bei der Landtagswahl 2009 wolle die Partei 25 Prozent der Stimmen bekommen.
Nach Informationen des Landesinnenministeriums gehören im Freistaat Sachsen rund 3000 Personen der rechtsextremen Szene an. Davon zählt die Hälfte zu der Kategorie der rechtsextremistischen Skinheads, sonstigen gewaltbereiten Rechtsextremisten und Angehörigen von Skinheadkameradschaften. Die Mitgliederzahl der Kameradschaften hat sich in den letzten Jahren nur geringfügig erhöht und liegt gegenwärtig bei 860 Personen.
Die rechtsextremen Parteien in Sachsen verzeichnen einerseits massive Einbrüche in ihrer Mitgliederstatistik. Die Deutsche Volksunion (DVU), die Republikaner sowie die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), haben in den vergangenen Jahren stetig an Mitgliedern verloren. Andererseits erzielte die NPD bei der Landtagswahl 2004 mit 9,2 Prozent der Stimmen ihr bestes Ergebnis.
Quelle: Sächsisches Staatsministerium des Inneren
Um einen solchen Erfolg der NPD zu verhindern, kämpft Holger Theurich an vorderster Fronst. Der parteilose Bürgermeister hält die immer wieder einfallenden Skinhead-Horden für eine Zumutung und versucht, die Bürger zu mobilisieren und für eine Informationsveranstaltung über Rechtsextremismus zu gewinnen. "Durch die Häufigkeit der Konzerte ist das Problem mehr ins Bewusstsein gerückt", sagt er. "Wir haben Angst, dass die bisherige Ignoranz in Toleranz umschlägt. Damit wäre genau das Ziel der NPD erreicht."
Über 18 Prozent der Wähler in Mücka haben 2004 die NPD gewählt. So ist die Überzeugungsarbeit gegen Rechts auch für Theurich Schwerstarbeit. Er spricht Menschen konkret an, lädt sie zur Informationsveranstaltung des Rats der Gemeinde mit dem "Kulturbüro Sachsen" ein.
An diesem Abend kommen mehr Besucher als erwartet. Sie zeigen, dass sie mit der NPD und den Nazikonzerten nichts zu tun haben wollen - ein Erfolg für den Bürgermeister. Doch auch die Rechtsradikalen und ihre Jugendorganisation nutzen die Veranstaltung und treten massiv auf. Als Petra Schickert vom Kulturbüro über die tatsächlichen Ziele der Rechten informiert, stören und pöbeln die Funktionäre lautstark.

Die Polizei greift unterdessen in der Diskothek Wodan durch. Ein junger Mann soll einen verbotenen Neonazi-Gruß gezeigt haben, und Zivilbeamte melden von drinnen weitere Straftaten. Die Hundertschaft der Polizei marschiert ein, will die Veranstaltung auflösen. Doch der Veranstalter Sascha Wagner kommt ihnen zuvor. Er erklärt die Veranstaltung für beendet, und das Fernsehteam will er nun auch nicht mehr in der Disko haben.
In den frühen Morgenstunden löst sich die Veranstaltung schließlich auf. Die Polizeikräfte haben für Ruhe gesorgt. Doch die Diskothek Wodan bleibt ein Treffpunkt für rechte Skinheads aus ganz Deutschland. Bis zu dreimal im Monat finden hier Konzerte einschlägig bekannter Gruppen statt.
Reportage von Udo Frank
Kamera: Klaus Kabelitz und Markus Stockhaus
Schnitt: Timo Jahn
Sendetermin: Mittwoch, 9. März 2005, bei ZDF.reporter
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