Klimaforscher wissen: Das Klima hat sich weltweit immer geändert. Es kommt uns nur so vor, dass es ein neues Phänomen ist. Denn seit etwa 10.000 Jahren leben wir in einem relativ stabilen Klima. Doch die meisten Forscher sind sich auch einig darüber, dass die momentane rasante Änderung der Erdatmosphäre, die messbare globale Erwärmung, ein vom Menschen mit verursachter und stark beschleunigter Effekt ist. Hier eine Auswahl an Sachbüchern, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Wolfgang Behringer
Kulturgeschichte des Klimas
Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung
C.H. Beck Verlag 2009
Globale Erderwärmung oder nächste Eiszeit? Um diese Fragen zu beantworten, analysiert Wolfgang Behringer den Zusammenhang zwischen Klimaentwicklung und kultureller Entfaltung in der Vergangenheit. Der Historiker begibt sich auf eine Zeitreise vom Holozän bis zum 21.Jahrhundert. Spannend wie ein Krimi weist Behringer nach, dass es das "natürliche Gleichgewicht" der Erde nie gab.
Vor etwa 2000 Jahren wurde eine kleine Eiszeit von einer warmen Klimaphase abgelöst. In dieser Zeit besiedelten die Wikinger Grönland und in Schottland wuchsen Weintrauben. Europas Wirtschaft boomte und danach folgte eine Kaltzeit. Behringer analysiert nicht nur die Vergangenheit, er schaut auch auf die Gegenwart und Zukunft. Er kritisiert die apokalyptischen Szenarien einiger Klimaforscher und rät zur Gelassenheit.

Frank Sirocko (Hg.)
Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung
Von der Eiszeit bis ins 21.Jahrhundert
Theiss Verlag 2009
Waldbrände, Flutkatastrophen, Klimawandel - Phänomene des 21. Jahrhunderts? Oder hatten die Menschen bereits früher mit diesen Problemen zu kämpfen? Der Geowissenschaftler Frank Sirocko gibt in seinem neuen Buch Antworten auf diese Fragen. Anhand von Seesedimenten aus den Maaren der Eifel rekonstruiert er die Klimageschichte der letzten 40.000 Jahre, ergänzt sie durch archäologische Funde und historisch bedeutsame Ereignisse. Das Ergebnis: Eine Chronologie geschichtlicher Epochen,die zeigt, wie sich Klima, Vegetation und Menschheit im Laufe der Jahre verändert haben.
In den ersten Kapiteln des Buches werden die Grundlagen der Paläoklimatologie gelegt, verschiedene wissenschaftliche Methoden vorgestellt. Der Autor erklärt was uns Baumringe, Seesedimente, Pollen oder archäologische Funde über die jeweiligen Bedingungen einer bestimmten Zeit verraten können. Von der Zeit der Neandertaler bis zur Industrialisierung gibt Sirocko detaillierte Informationen über die jeweiligen Klima- und Vegetationsbedingungen, belegt durch viele Tabellen, Bilder und Grafiken.

Brian Fagan (Hg.)
Die Eiszeit
Leben und Überleben im letzten großen Klimawandel
Theiss Verlag 2009
Vier Fachwissenschaftler haben die letzte Eiszeit erforscht, die vor zwei Millionen Jahren begann: der Anthropologe Prof. Brian Fagan, der Paläoklimatologe Prof. Mark Maslin, der Paläoklimatologe John F. Hoffecker und die Archäologin und Paläontologin Hannah O'Reagan, deren Spezialgebiet die Höhlenarchäologie ist. Die große Eiszeit in den vergangenen 2,5 Millionen Jahren durchlief kältere und wärmere Perioden. Diese Zyklen werden in erster Linie durch die Veränderungen der Erdumlaufbahn und die Sonne beeinflusst.
Mit Fotos und Rekonstruktionen der damaligen Lebensbedingungen präsentieren die Forscher ihre Ergebnisse. Tiere, Pflanzen und Menschen mussten sich an die jeweiligen Bedingungen anpassen, um zu überleben. Neue DNA-Analysen geben einen Einblick in die Entwicklung der damaligen Menschen und ihrer Umwelt. Aus der Erforschung von Fauna und Flora in der Vergangenheit lassen sich Mechanismen und Zeitabläufe von Klimaveränderungen studieren. Deshalb wagen die Autoren auch einen Ausblick auf unsere klimatische Zukunft.

Josef H. Reichholf
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2007
Eigentlich müssten wir sorgenvoll in unsere Zukunft blicken. Nichts scheint zu bleiben, wie wir es gewohnt sind. Stürme, Überschwemmungen und Dürren werden zunehmen. Der Meeresspiegel wird weiter steigen, da große Mengen Landeis schmelzen. Flüsse werden austrocknen und Wassermangel verursachen. Über die politischen Folgen wagt man kaum nachzudenken. Die Aussichten scheinen nicht wirklich beruhigend zu sein.
So schaut der Münchner Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf zurück auf das letzte Jahrtausend und zeigt, dass sich Veränderungen in der Natur in ganz anderen Zeiträumen vollziehen als die Geschichte des Menschen. Die menschliche Gesellschaft und Kultur reagierte immer neu auf eine unberechenbar launische und wandelbare Klimanatur. Zukunftsprobleme hatten die Menschen immer. Ein Blick auf ihre Überlebensstrategien könnte uns vielleicht auch helfen, unsere Zukunft gelassener anzugehen.

Kurt G. Blüchel
Der Klimaschwindel
C. Bertelsmann Verlag 2007
Schon immer war das Erdklima dramatischen Veränderungen unterworfen wie den Eiszeiten oder Warmphasen. Auch heute leben wir in einer Wendezeit. Noch wissen die Experten nicht, ob unser Klima in naher Zukunft von klirrender Kälte oder glühender Hitze geprägt sein wird. Die Diskussion um den Treibhauseffekt treibt immer wieder seltsame Blüten. Ist das Schreckensszenario der kommenden Klimakatastrophe von uns verursacht oder das Werk einer mächtigen Angstlobby? Droht der Welt wirklich der Kollaps der Ökosysteme?
Der Wissenschaftspublizist Kurt G. Blüchel hat sich mit den Expertisen von 30 Wissenschaftlern auseinandergesetzt, die zu einer anderen Meinung kommen. Mit diesen Hintergrundinformationen und einer Klimachronik des 20. Jahrhunderts beschreibt er die Irrwege und analysiert aus diesen Fakten, wie weit menschliche Einflussmöglichkeiten wirklich reichen.

Fred Pearce
Das Wetter von morgen
Wenn das Klima zur Bedrohung wird
Verlag Antje Kunstmann, München 2007
Vor 55 Millionen Jahren brach aus den Tiefen des Ozeans über eine Billion Tonnen Methan hervor. Die Folgen für die Umwelt waren enorm: Die Temperatur stieg blitzartig um zehn Grad in die Höhe, zwei Drittel der im Meer lebenden Arten starben auf einen Schlag. Und auch an Land führte dieses Desaster zu einer massiven evolutionären Umwälzung. Wer glaubt, ein solches Ereignis könne sich niemals wiederholen, irrt gewaltig. Was Frank Schätzing in seinem Bestseller "Der Schwarm" in eine fiktive Story packte, kann tatsächlich wieder passieren. Denn in vielen Bereichen der Erde, nicht nur in den gefrorenen Mooren Sibiriens, sind noch unglaubliche Mengen Methan verborgen. Deren Freisetzung könnten Katastrophen gewaltigen Ausmaßes auslösen.
Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die Fred Pearce, Umweltexperte und Wissenschaftsjournalist, in seinem Buch versammelt. Neueste Erkenntnisse der Klimaforschung belegen: Die Natur kennt lineare Prozesse kaum. Es gibt genügend Beispiele für abrupte Veränderungen. So leben wir zwar seit der letzten Eiszeit in einem relativ stabilen und damit vorhersehbaren Klima. Erdgeschichtlich betrachtet war dieses Klima aber eher eine Ausnahme als die Regel. Pearce geht sogar noch einen Schritt weiter. Seine These, dass die Natur nicht schwach ist, sondern sogar zu einem Gegenschlag ausholt, belegt er anhand diverser Brennpunkte rund um den Erdball.

Stefan Rahmstorf, Hans-Joachim Schellnhuber
Der Klimawandel
Diagnose, Prognose, Therapie
Verlag C.H. Beck, München 2007
Aus der Klimageschichte lernen, die globale Erwärmung, die Folgen des Klimawandels, die öffentliche Klimadiskussion und die Lösung des Problems - so kompakt liefern die beiden Physiker vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Stefan Rahmstorf und Hans Joachim Schnellnhuber einen verständlichen Überblick über ein mehr als komplexes Thema. Für interessierte Nicht-Fachleute sicher eines der besten Bücher, die derzeit auf dem Markt sind: handlich und kompakt - so spannend kann Wissenschaftslektüre sein!

Elizabeth Kolbert
Vor uns die Sintflut
Depeschen von der Klimafront
Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 2007
Wie weit ist der Klimawandel tatsächlich schon vorangeschritten? Wo kann man ihn unmittelbar sehen und spüren? Wie gehen die Menschen damit um, die in solchen Regionen der Erde leben? Die Journalistin Elizabeth Kolbert besuchte genau solche Orte und Menschen: Gletscherbeobachter in Island, Inuits, die ihre nordkanadischen Dörfer verlassen müssen, weil das Wasser kommt, oder den Monteverde-Nebelwald auf Costa Rica, der trotz seiner ungewöhnlich hohen Artenvielfalt doch einen bedeutenden Verlust hinnehmen musste: Die unterirdisch lebende Goldkröte wurde seit fast 20 Jahren nicht mehr gesichtet.
Elizabeth Kolbert möchte mit ihrem Buch verdeutlichen, dass die globale Erwärmung eine Tatsache ist. So vermitteln ihre Reportagen von den Klimaschauplätzen der Welt deutlich die Aktualität und auch die politische Tragweite dieses Themas.

Fred Pearce
Wenn die Flüsse versiegen
Verlag Antje Kunstmann, München 2007
Ausgetrocknete Flussbetten und verdorrte Gebiete kennen wir eigentlich nur aus den wirklich wasserarmen Regionen der Erde. Aber in Zeiten der globalen Erwärmung sind wir sogar in Deutschland immer häufiger von extremer Trockenheit und Dürre betroffen. Noch machen sich nur wenige Menschen Gedanken darüber, wie es um unsere wichtigste Ressource tatsächlich steht. Da ist das Sparen zu Hause eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn wir verbrauchen mehr Wasser, als wir eigentlich wissen. So benötigt man für die Ernte von einem Kilo Reis zwischen 2000 und 5000 Liter Wasser, für ein Kilo Weizen 1000 Liter und für ein Kilo Kartoffeln 500 Liter usw.
Trockenheit einerseits, Überfluss andererseits: Das Paradox Wassermangel und Flutgefahr wird unsere Zukunft bestimmen. Ohne Öl können wir notfalls leben, ohne Wasser sicher nicht. Der Wissenschaftsjournalist und Umweltexperte Fred Pearce will mit seinem Buch aufrütteln, er fordert eine "blaue Revolution", um unser wichtigstes Lebensmittel, das Wasser, zu retten - ein Buch voller spannender Geschichten und Reportagen, gründlich recherchiert mit einem optimistischen Ausblick.

Karl-Heinz Ludwig
Eine kurze Geschichte des Klimas
Von der Entstehung der Erde bis heute
Verlag C.H. Beck, München 2007 (2. durchgesehene Auflage)
Von der Entstehung unseres Sonnensystems, der Uratmosphäre bis hin zum natürlichen Treibhauseffekt - das Klima der Erde war nicht einfach da und es blieb auch niemals gleich. In kurzen und prägnanten Abschnitten erklärt der Wissenschaftsjournalist Karl-Heinz Ludwig die Welt - im Laufschritt durch die Klimaentwicklung und ihre Auswirkungen auf das Leben und den Menschen, allgemeinverständlich und ideal zum Nachschlagen.