Scientology: In der Literatur gibt es für die dubiose Organisation viele Namen: "Sektenkonzern", "Psychokonzern", "Krake" oder die "Magie des 20. Jahrhunderts". Für Deutschlands Innenbehörden gilt die Gruppe als eine "extremistische Organisation". Noch Dezember 2007 waren sich die 17 Teilnehmer der Innenministerkonferenz einig, dass sie "Scientology für eine nicht mit der Verfassung vereinbare Organisation halten".
Nicht umsonst liegt Scientology inzwischen seit Jahrzehnten im Konflikt mit Rechtsordnungen demokratischer Staaten. Die Palette der Verfahren reicht von Betrug und Wucher gegenüber Kunden, Bedrohung und Nötigung von Kritikern, bis hin zur Verschwörung gegen die Regierung und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Diese Frage beantwortet die Dokumentation des ZDFinfokanal. In Interviews mit aktiven Scientologen und Aussteigern zeigt der Film die Schwerpunkte der gesellschaftlichen Expansionsstrategie Scientologys auf. Wie ein Seismograph reagiert die Gruppe auf gesellschaftliche Missstände und bietet eine Vielzahl von Tarn- und Vorfeldorganisationen die Aufklärungsmaterial gegen Kriminalität, Drogen, Demokratiezerfall und Bildungsdefizite präsentieren und Jugendliche für Menschenrechte interessieren sollen. Die blumigen Namen lauten "Youth for Human Rights", "Way to Happiness Foundation", "Drug Free Marshals", "Narconon" oder "Applied Scholastics".
Mit modernen Videoclips, aufwendigen DVDs, sportlichen Aktivitäten oder Musikveranstaltungen werben die Gruppen, deren Führung im Regelfall aus langjährigen Scientologen besteht. Und so verwundert es kaum, dass auch die Lösung der gesellschaftlichen Probleme nun wieder einen Namen hat: Scientology. Die Präsentation ist stets modern und jugendgerecht. Während den Recherchen in den Vereinigten Staaten gelang es uns in Florida sogar eine christliche Schule zu filmen, die mit den scientologischen Lerntechniken arbeitet. Der Pastor und Schulleiter dieser Schule schwärmt über diese Methode des Lernens und wo immer er bei seinen Schülern die Technologie anwende "steigerte es ihr Lernvermögen."

Ebenfalls verführerisch für junge Menschen ist eine Vielzahl internationaler Schauspieler und Showstars, die sich offen zu Scientology bekennen.
In einer Broschüre, die dem Autoren während der Dreharbeiten im scientologischen Prominentencenter Hollywoods übergeben wird, präsentieren sich Künstler wie Catharine Bell, John Travolta, Tom Cruise, Kelly Preston, Jenna Elfmann, Juliette Lewis, Leah Remini und Anne Archer als Werbeträger, was die anhaltende Beliebtheit der Organisation in Künstlerkreisen belegt. Dazu haben öffentliche Bekenntnisse der Stars über die angeblichen Vorzüge von Scientology auch eine enorme Werbe- und Sogwirkung.
Während Scientology sich während der Dreharbeiten in den USA und Europa mit großem Aufwand bemühte, als harmlose Religionsgemeinschaft zu erscheinen, beschreiben Aussteiger weltweit die Gruppe als einen politisch-extremistischen Psycho-Konzern. Einige der weltweit hochkarätigsten amerikanischen Scientology-Aussteiger äußern sich bisher exklusiv vor einer deutschen Kamera.
In den USA trafen wir uns mit Tory Christman. Sie gehört zu den weltweit hochkarätigsten Aussteigerinnen, brachte es zum sogenannten Operierenden Thetan, dem weltweit zweithöchsten Ausbildungsgrad. Dazu arbeitete Tory Christman in Hollywoods Scientology-Prominentencenter. Ihr Resümee ist eindeutig "Es ist ein sehr gefährlicher Kult. Menschen sterben in Scientology. Leute bringen sich selbst um in Scientology. Wenn sie dich nicht töten und du nicht stirbst in Scientology, dann saugen sie dein Blut und dein Leben und dein Selbst aus dir heraus."
An der Expansion von Scientology gibt Tory Christman den Prominenten Aushängeschildern ein großes Maß an Mitschuld: "Und das einzige, warum du da bist ist, weil Tom Cruise und John Travolta, diese dummen Prominenten, sich das nicht ansehen wollen und die dunkle Seite herausfinden wollen." Unterstützt wird Christman durch die Aussagen des Malers Michael Pattinson aus Los Angeles. Pattinson war 25 Jahre internationaler Spitzenscientologe und brachte es zum Status eines "New OT 8", das heißt er war Träger des höchsten scientologischen Ausbildungsgrades. Insgesamt ließ Pattinson in seiner Zeit bei Scientology 250 000 Dollar.

Dauergast war Pattinson im Celebritycenter von Hollywood und ließ 250.000 Dollar bei der Organisation. Sein Rechtsanwalt Graham Berry, mit dem Pattinson Schadensersatz erstreiten möchte, nennt Scientology als "politische und kommerzielle Organisation, die sich als Kirche tarne". Michael Pattinson klagt heute, Scientology habe ihn "betrogen, getäuscht, seiner Menschen- und Bürgerrechte beraubt". Er bewertet Scientology als extremistischen Kult, "Es ist wie der Große Bruder (Big Brother), aber viel, viel schlimmer. Es gibt einen Teil in Scientology, der besagt, dass man alles vernichten muss, was nach Konkurrenz für Scientology aussieht."
Ein weiterer Interviewpartner ist der Aussteiger Larry Brannan, der früher ranghohes Mitglied des Scientology Geheimdienstes war und weltweit zu den wichtigsten Aussteigern zählt. Wie kein anderer kann Brannan über die dunkle Seite von Scientology berichten: "Ich glaube, dass Scientology eine sehr gefährliche Gruppe für die Demokratie ist, weil es die Absicht hat jede Demokratie zu übernehmen. Das steht in den offiziellen Richtlinien, um all diese Verfassungen durch die Richtlinien von Scientology zu ersetzen."
Insgesamt dokumentiert der Film Insider wie Aussteiger. Und während Scientology für die Anhänger der Schlüssel auf der Suche nach einer besseren Welt ist, berichten Aussteiger von Psychofolter und politischem Extremismus.