Am helligten Tag wird DDR-Kritiker Walter Linse 1952 in West-Berlin in ein Auto gezerrt, angeschossen und nach einer wilden Verfolgungsjagd in den Osten entführt. Die Täter sind Berufsverbrecher - im Dienste der Stasi.
Unter den von der Staatssicherheit entführten Menschen sind Regime-Kritiker, Jounalisten und geflohene ehemalige Funktionäre. Über 400 Personen geraten ins Fadenkreuz der Menschenjäger "an der unsichtbaren Front". Selbst im Westen müssen die Gegner des Regimes damit rechnen, von der Stasi aufgespürt und entführt zu werden.
Jurist Walter Linse ist ein wichtiger Mitarbeiter des UFJ, des Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen. Monatelang späht die Stasi diese Vereinigung von DDR-Gegnern aus und bereitet die Entführung von Walter Linse vor. Für die Stasi ist er ein Spion und Staatsfeind.
Walter Linses Frau Annemarie sucht Hilfe beim amerikanischen Hochkommissar Walter J. Donnelly. Die Amerikaner appellieren an den Osten, Dr. Linse freizugeben. Doch Linse bleibt im kommunistischen Teil Berlins, der sich selber "der demokratische Sektor" nennt, verschwunden.
Am 17. Juni 1953 kommt es zum Volksaufstand in der DDR. Nur mit Hilfe sowjetischer Panzer kann die SED ihre Herrschaft noch mal retten. Die Stasi beginnt, nach westlichen "Hintermännern" des Aufstands zu suchen. Ernst Wollweber, damaliger Stasi-Chef, befiehlt die "Operation Blitz": Eine groß angelegte Verschleppung von DDR-Gegnern aus dem Westen. Wollwebers Stellvertreter Erich Mielke kontrolliert die Umsetzug des Planes und erläßt die Entführungsbefehle, die im Stasi-Deutsch "Haftbeschluß" heißen.

Erste Station für die Regime-Kritiker ist der unterirdische Gefangenentrakt des Stasi-Gefängnisses in Berlin-Hohenschönhausen. Mit Isolation und Psychoterror versuchen die Vernehmer die Gefangenen zu Geständnissen zu bringen. Nach der wochen- und monatelangen Tortur folgt meist ein Prozess, dessen Urteil von vornherein feststeht. Indem man sie einschüchtert und wegsperrt, werden die Kritiker des Systems mundtot gemacht.
"Mielkes Menschenjäger - Kidnapper im Auftrag der Stasi" am Sonntag, 31.1.2010 um 23.40 Uhr.
Ein Film von Christian Frey.
Das Außmaß der Stasi-Aktionen kommt erst nach dem Fall der Mauer ans Tageslicht. Wenn eine Entführung nicht möglich war, gingen die tapferen "Tschekisten" offenbar auch bis zum Äußersten: Mord. Mit bewegenden Zeitzeugenaussagen und auf Grundlage von internen Dokumenten rekonstruiert ZDF-History eines der dunkelsten Kapitel der DDR-Geschichte.