
Eine riesige Fangemeinde Jugendlicher verbringt ihre Freizeit mit Prügeln und Töten am PC. Über eine Million Kinder und Jugendliche nutzen Killerspiele regelmäßig. Das Problem: Die meisten Brutalspiele sind nicht indiziert und dürfen frei verkauft werden.
Das Spiel heißt Backyard Wrestling und ist freigegeben für Jugendliche ab 16 Jahren.
Im Begleitheft heißt es: "Zeige Deinem Widersacher, was echte Platzwunden, Prellungen und blaue Flecken sind." Regeln seien genau wie Knochen dazu da, gebrochen zu werden.
Die Prügelorgie gilt als nicht jungendgefährdend. Die meisten Brutalspiele sind nicht indiziert und dürfen frei verkauft werden. Über eine Million Kinder und Jugendliche verbringt ihre Freizeit mit Prügeln und Töten am PC.
Frontal 21 berichtete über gewaltverherrlichende Computerspiele und den mangelnden Schutz Jugendlicher vor den sogenannten Killerspielen, bei denen möglichst viele Menschen getötet oder verstümmelt werden sollen.
Jetzt wollen die Innenminister der Länder die Herstellung und Verbreitung solcher Spiele verbieten lassen. Die freiwillige Selbstkontrolle reiche nicht aus.

Der Hamburger Programmierer Jan Petersen hat sogar eine Initiative gegründet, die sich für die völlige Freigabe der Spiele einsetzt. Die virtuellen Gewaltorgien sind für ihn völlig normal: "Ein Computerspieler sieht diese Effekte ja nicht, der sieht das Spiel und die Effekte sind - 'Eye candy' wird das genannt - nichts anderes als effects, special effects, wie in Hollywood."
Spezialeffekte? Dass Gewaltspiele harmlos seien, das wollen viele glauben machen. Doch Wissenschaftler, wie Manfred Spitzer von der Universitätsklinik für Psychiatrie in Ulm, haben das nun widerlegt. Ihre Studien zeigen: Die Spiele machen gewaltbereit und aggressiv.
"Also, da muss man sehr klar sagen, dass es diese Zusammenhänge gibt und dass die auch erforscht sind. Wir wissen heute, dass virtuelle Gewalt entweder passiv übers Fernsehen rezipiert wird oder noch schlimmer, aktiv eingeübt am Videospiel, tatsächlich gewalttätig macht", erklärt Spitzer. "Ein friedfertiger Mensch, der viel Videospiele spielt, ist am Ende gewaltbereiter als ein eher gewaltbereiter Mensch, der gar nichts spielt. Das ist nachgewiesen."
Gefährliche Killerspiele: Darüber hat Frontal21 schon einmal im November berichtet. Aufgeschreckt durch unsere Recherchen, forderten die Innenminister dreier Bundesländer, die Abgabe von Computerspielen strenger zu regeln. Die unabhängige Selbstkontrolle funktioniere offenbar nur schlecht.
Nach diesem Film haben uns Computerspieler Tausende von E-Mails geschickt und sich über die in ihren Augen ungerechte Berichterstattung beschwert. Allerdings: Der Inhalt vieler dieser Mails scheint jenen Recht zu geben, die vor den Spielen warnen. Selten haben uns Briefe mit einer so gewaltvollen und aggressiven Sprache erreicht.
Einer schreibt uns: "Man [kann] sich nur wünschen, dass es ein paar wenige Spieler in der Redaktion gibt, die auf die Idee kommen, den Amoklauf von Erfurt aus Recherchegründen live in ihrer Redaktion nachzuspielen." In Erfurt tötete vor drei Jahren ein Gymnasiast und Computerspieler 16 Menschen, dann sich selbst.
Manfred Spitzer, Vorsicht Bildschirm: Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 2005, 303 S., ISBN 3-12-010170-2
Ein anderer agitiert: "Jetzt wurde uns endgültig der Krieg erklärt. Gamer rüstet euch zum Kampf. Attacke." Und schließlich noch ein Gewaltaufruf: "Auch der Protest sollte ruhig aggressiver werden: Demonstrationen vor Zensorenwohnungen, Blockaden von Redaktionen und Behörden, und wenn mal eine Scheibe dabei kaputt geht: Es schlägt halt mal jemand über die Stränge."

Dazu Spitzer: "Leider bahnen diese Spiele eben Gewaltbereitschaft, gewalttätige Gedanken entsprechende Reaktionen und Handlungen. Und wenn Sie das alles zusammennehmen, dann wundert mich überhaupt nicht, dass Menschen, die sich jetzt da angesprochen fühlen, entsprechend heftig - mit heftiger Gewalt, auch mit realer Gewalt reagieren."