Wie und wann kommt man am besten ins Ausland, wo bewirbt man sich überhaupt und was muss beachtet werden, damit sich das Schuljahr im Ausland lohnt? Die Möglichkeiten sind vielfältig, und mit der nötigen Portion Mut kann man als Schüler, unterstützt von zahlreichen Organisationen, Zeit an einer Schule in einem anderen Land verbringen. Der Nutzen ist groß - von verbesserten Sprachkenntnissen bis zu einem größeren interkulturellen Verständnis. Hier finden Sie Tipps von ZDFonline auf dem Weg ins Auslandsschuljahr.
Für Gymnasiasten ist die Klasse vor der Oberstufe der beste Zeitpunkt für ein Schuljahr im Ausland. Jüngere Schüler sind meist mit der Situation in einer fremden Umgebung überfordert. Später würde sich der Schüleraustausch mit der Vorbereitung auf das Abitur überschneiden. Realschüler müssen sich nach ihrem Abschluss an einer weiterführenden Schule einschreiben und sich dann dort beurlauben lassen. Denn beispielsweise für ein USA-Visum muss man Schülerstatus genießen und 15 Jahre alt sein.
Wer zum ersten Mal für längere Zeit von seinen Eltern getrennt in einer fremden Familie lebt, muss sich anpassen können - an andere Regeln und Sitten. Dies kann sehr spannend sein, wenn man sich darauf einlässt, andererseits aber auch das Heimweh verstärken. Erfahrungsberichte zeigen, dass dieses Gefühl vor allem dann einsetzt, wenn nicht mehr alles neu, sondern der Alltag im Ausland zur Routine geworden ist.
Wenn man sich entschließt, ins Ausland zu gehen, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann es sein, dass die eigene Schule ein Austauschprogramm mit einer Partnerschule führt. Ist dies nicht der Fall, oder wird das gewünschte Land nicht angeboten, gibt es eine Reihe von Organisationen, die den kompletten Auslandsaufenthalt planen.

Alle Anbieter verlangen von den Schülern einen zufrieden stellenden Notendurchschnitt. Aber noch mehr Wert legen die Organisationen auf die persönliche Eignung der Bewerber. Diese wird in Vorgesprächen überprüft. Es soll gewährleistet sein, dass die Schüler emotional in der Lage sind, den Auslandsaufenthalt durchzustehen. Außerdem sagen viele Einsen im Zeugnis noch lange nichts über Anpassungsfähigkeit in einer völlig fremden Umgebung aus. Man sollte also offen und ehrlich sein und viel lachen können, um von sich zu überzeugen. Wer beim Vorstellungsgespräch übrigens im falschen Ton mit seinen Eltern spricht, wird auch nicht ins Programm aufgenommen. Unter all den Unterlagen, die man der Bewerbung beifügen muss, ist eines von besonderer Bedeutung: das Foto. Schließlich zählt auch hier, wie so oft im Leben, der erste Eindruck.
Die Kosten für einen Aufenthalt in den USA betragen für fünf Monate durchschnittlich etwa 6500 Euro und für zehn Monate circa 7200 Euro - je nach Organisation und Umfang der Leistungen. Bei dieser Größenordnung sollten allerdings Kostenpunkte wie Vermittlung, Versicherung und Flug inbegriffen sein. Wer sich diese beträchtliche Summe nicht leisten kann, kann bei sehr guten Noten bei einigen Organisationen auf ein Stipendium hoffen.
Wenn man nach einiger Zeit merkt, dass das Ausland wohl doch nicht das Richtige für einen ist oder private Gründe die Heimreise erfordern, gibt es immer noch den Weg, den Aufenthalt abzubrechen. In diesem Fall muss - je nach Grund des Abbruchs - damit gerechnet werden, dass bis zu 90 Prozent des Geldes dennoch gezahlt werden müssen.
Nach dem Schuljahr im Ausland erhält man ein Zeugnis über die erbrachten Leistungen. Zusätzlich bekommt man von der leitenden Organisation ein Zertifikat über die Teilnahme am Austauschprogramm. Anhand dieser Dokumente entscheidet die Schule in der Heimat, ob die im Ausland verbrachte Klasse in Deutschland zu wiederholen ist oder der Austauschschüler in der nächsthöheren Klasse weitermachen darf. Dies hängt maßgeblich davon ab, welche Kurse man belegt und welche Noten man erreicht hat. Außerdem muss im neuen G8-System erst noch eine neue Lösung gefunden werden. Vor einem Auslandsaufenthalt ist es also schwer zu sagen, ob man ein Jahr "verliert". Generell kann man in diesem Alter, bei den gemachten Erfahrungen und erworbenen Sprachkenntnissen kaum von Verlust sprechen.
Wer dennoch kein ganzes Schuljahr verlieren möchte: Es gibt auch Austauschprogramme, die nur drei Monate dauern. Ob ein ganzes Jahr oder einige Monate, man muss nur mit ehemaligen Austauschschülern sprechen, um sicher zu sein, dass sich ein Schuljahr im Ausland lohnt.
Eine Reportage von Thorsten Eppert
Kamera: Thomas Piechowski
Sendetermin: Sonntag, 26. Oktober 2008, 18:30 Uhr, ZDF.reportage