KinoMagie
Chocolat
Eine schöne Frau und ihre verführerischen Schokoladen-Kreationen lassen 1959 die moralischen Grundfesten eines französischen Provinznests erzittern: Unter der Regie des Schweden Lasse Hallström stimuliert Juliette Binoche als sinnliche Schokoladen-Zauberin die Sehnsüchte und Gelüste ihrer verknöcherten Mitbürger so lange, bis auch der letzte Moralist mit den Wonnen des süßen Lebens infiziert ist.
An einem kalten Tag im Jahre 1959 weht der Nordwind zwei vermummte Gestalten in das abgelegene Städtchen Lansquenet-sous-Tannes. Die Schokoladen-Expertin Vianne (Juliette Binoche), schöne Tochter eines französischen Apothekers und einer mexikanischen Mestizin, und ihre kleine Tochter Anouk (Victoire Thivisol) lassen sich vom eiskalten Wind in ihr neues Zuhause treiben, einen von der scharfzüngigen Witwe Armande (Judi Dench) angemieteten Laden im Zentrum des Ortes. Ein Laden, der schnell zum kulinarischen Mittelpunkt der Stadt wird und auf unterschiedliche Weise die Gemüter ihrer neuen Mitbürger erregt, denn es handelt sich um eine Ausgeburt des Luxus, eine Chocolaterie.
Einen Skandal wittert der selbst ernannte Sittenwächter, Kirchenvorstand und Patron des Gemeinwesens, Comte de Reynaud (Alfred Molina), der als strenger Verfechter von guten Sitten, Selbstkasteiung und christlicher Fastenzeit jeden Schokoladenkonsum vor Ostern als Gotteslästerung verdammt und darum das sinnenfrohe Etablissement der begnadeten Konditorin Vianne mit gräflichem Bann belegt. Freiheit dagegen sucht und findet die von ihrem Mann misshandelte Josephine (Lena Olin) im Schokoladenparadies ihrer neuen Arbeitgeberin Vianne, die der geknechteten Kleptomanin Selbstvertrauen einflößt.
Der misanthropische Freigeist Armande holt sich Aufmunterung, Widerspruch und Genuss an heißer Schokolade im Laden ihrer Mieterin, wo es zu konspirativen Treffen mit ihrem Enkelsohn kommt, dem ihre bigotte Tochter jeden Kontakt zu seiner Großmutter strikt untersagt hat. Ob vernachlässigte Hausfrauen auf der Suche nach schokoladigen Aphrodisiaka, schüchterne Liebhaber, die zartschmelzende Geschenke brauchen, oder der junge Gemeindepfarrer, der nur einen schüchternen Blick riskiert: Für jeden ihrer Kunden findet Vianne mit schlafwandlerischer Sicherheit genau die Praline, die seinen geheimen Vorlieben entspricht. Dass die respektlose Vianne schließlich auch noch mit durchziehenden Zigeunern fraternisiert und sich in deren attraktiven Anführer Roux (Johnny Depp) verliebt, bringt in den gräflichen Augen das Fass zum Überlaufen: Der süße Sündenpfuhl und seine Schokoladen-Magierin müssen verschwinden, was immer es an Anstrengung auch kosten mag...
Nach der John-Irving-Verfilmung "Gottes Werk und Teufels Beitrag" brachte der schwedische Regisseur Lasse Hallström ("Casanova") mit Joanne Harris' "Chocolat" wieder einen Erfolgsroman auf die Leinwand. Hochkarätig besetzt bietet "Chocolat" genau die Art von Unterhaltung, bei der man mühelos "die Seele baumeln lassen kann": Eine aufwändig gemachte, märchenhafte Hommage an die befreiende Wirkung sinnlicher Genüsse im Allgemeinen und die besonderen Verzückungen, in die wirklich gute Schokolade selbst abgehärtete Asketen schnell versetzt.