KinoMagie
Sleepy Hollow - Köpfe werden rollen
Im Jahr 1799 wird das kleine Städtchen Sleepy Hollow von einer unheimlichen Mordserie heimgesucht. Der Ermittler Ichabod Crane wird entsandt, um die Fälle aufzuklären. Zunächst schenkt der Gendarm den Geistergeschichten der Bewohner keinen Glauben - bis er selbst dem sagenumwobenen, kopflosen Reiter gegenüber steht...
Regisseur Tim Burton präsentiert seine Hommage an die klassischen Gruselfilme als visuell überwältigendes Fantasymärchen, garniert mit schwarzem Humor. Die liebevolle, filmische Aufbereitung der Legende des "kopflosen Reiters" ist bis in die Nebenrollen perfekt besetzt und bietet, ganz stilecht, ein Wiedersehen mit Christopher Lee, dem Altmeister des Horrors.
Im Jahr 1799 regiert in der kleinen Stadt Sleepy Hollow die pure Angst: Bereits drei Leichen wurden binnen zwei Wochen enthauptet aufgefunden, zuletzt wurde sogar Bürgermeister Martin Van Gerrett (Martin Landau) Opfer des Serienmörders.
Aus New York wird nun der junge Gendarm Ichabod Crane (Johnny Depp) entsandt, um den Fall mit seinen modernen, wissenschaftlichen Ermittlungsmethoden möglichst schnell aufzuklären. Kurz nach seiner Ankunft trifft Ichabod auf die liebreizende Katrina Van Tassel (Christina Ricci), von der er sich sofort, nahezu magisch, angezogen fühlt.
Als der Ermittler daraufhin mit dem Stadtrat zusammentrifft, erfährt er, dass Magistrat Phillipse (Richard Griffiths) und die anderen fest davon überzeugt sind, dass der sagenumwobene "kopflose Reiter" für die Morde verantwortlich ist. Dieser deutsche Söldner sei aus der Hölle zurückgekehrt, um sein blutiges Treiben fortzusetzen - eine These, die Ichabod natürlich sofort als abergläubisches Geschwätz abtut.
Aber schon bald gibt es ein weiteres Opfer, und der Polizist steht vor einem Rätsel. Gerade als er glaubt, eine Spur gefunden zu haben, wird er selbst Zeuge der Enthauptung des Magistrats durch den unheimlichen Reiter (Christopher Walken). Nun stellt Ichabod seine wissenschaftliche, rationelle Sichtweise langsam selbst in Frage und beginnt sich mit der Legende zu beschäftigen.
In den Wäldern von Sleepy Hollow begegnet er einer alten Waldhexe, trifft auf Katrina als geheimnisvolle Reiterin in Weiß und steht schließlich vor dem Totenbaum, in dem er die Köpfe der Opfer findet - in der Nähe vom Grab des "kopflosen Reiters"...
Das visuell herausragende Schauermärchen, das auf der Novelle "The Legend of Sleepy Hollow" von Washington Irving basiert, wurde im Jahr 2000 mit dem Oscar für die beste Ausstattung ausgezeichnet - und das völlig zurecht. Da die Filmemacher nicht den geeigneten Ort fanden, um die Visionen des Regisseurs adäquat umzusetzen, entschied man sich, den kompletten Film in England zu drehen.
Dabei wurde ein Großteil der Sets in verschiedenen Studios aufgebaut, inklusive des Waldes, dessen Bäume aus Kunstharz und Stahl bestanden. Nördlich von London wurde dann auf einem Privatgrundstück, innerhalb von vier Monaten, das komplette Städtchen errichtet, welches sich in seiner Düsterheit bewusst vom idyllischen Ort der literarischen Vorlage abhebt.
Vervollständigt wurde das stimmungsvolle Setting dann durch die liebevollen Kostüme von Colleen Atwood, die, neben Cutter Chris Lebenzon und Komponist Danny Elfman, quasi zum Stammpersonal von Regisseur Tim Burton gehört. Zur Einstimmung empfahl dieser seinem Team übrigens unter anderem das Studium alter Horrorfilme, die mit ihrer Atmosphäre als Inspiration dienen sollten.
Wie kaum ein anderer vermag es Tim Burton in seinen Filmen immer wieder einen faszinierenden Mikrokosmos zu kreieren, der den Zuschauer unweigerlich in seinen Bann zieht. Und dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich bei dem Projekt um einen massentauglichen Blockbuster oder eine skurriles Fantasymärchen handelt.
Ob "Batman" (1989), "Planet der Affen" (2001), oder aber "Beetlejuice" (1988) und "Big Fish" (2003) - all diese unterschiedlichen Filme tragen die unverkennbare Handschrift des Regisseurs, dessen Karriere bei den Walt Disney Studios begann, und der sich in den letzten zwanzig Jahren als einer der außergewöhnlichsten Filmemacher etablierte.
Der enormen künstlerischen Qualität seiner Werke wurde im Jahr 2007 auch Rechnung getragen: Bei den Filmfestspielen in Venedig erhielt er den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Eine geradezu logische Folge der Tatsache, dass es kaum möglich ist, einen einzelnen seiner Filme, gegenüber den anderen, hervorzuheben. So verwundert es auch nicht, dass Burton immer wieder auf die erste Garde an Darstellern zurückgreifen kann, die er dann auch zu Höchstleistungen antreibt.
In "Mars Attacks!" (1996) zum Beispiel waren quasi sämtliche Charaktere, bis in die kleinste Nebenrolle, prominent besetzt, und als er die Geschichte des legendären Regisseurs "Ed Wood" (1994) verfilmte, waren Martin Landau, Bill Murray, Rosanna Arquette und Sarah Jessica Parker mit von der Partie.
Die Titelrolle des Mannes, der angeblich den "schlechtesten Film aller Zeiten" ("Plan 9 from Outer Space", 1959) inszenierte, übernahm dabei Johnny Depp. Dieser hat sich im Laufe der Zeit zu einer Art Alter Ego des Regisseurs vor der Kamera entwickelt, selbst im Animationsfilm "Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche"(2005) wollte Burton nicht auf ihn verzichten: Johnny Depp war nicht nur der Sprecher des Victor van Dort, das optische Erscheinungsbild der Figur wurde dem Aussehen des Schauspielers deutlich nachempfunden.
Im Februar 2008 wird dann mit "Sweeney Todd" die bereits sechste Zusammenarbeit der beiden Ausnahmetalente in den deutschen Kinos starten, und man darf gespannt sein: Es handelt sich um die Verfilmung eines Broadway-Musicals!
"Tim Burton (...) inszenierte dieses Schauermärchen wie einen Rausch; ein düsteres graubraunes Panoptikum von Absurditäten - als würden Gemälde von Bosch und Dali lebendig." (TV Today)
"(Einmal mehr stellt Tim Burton) mit seinem opulenten Horrormärchen faszinierend unter Beweis, dass er einer der visuell virtuosesten Regisseure ist." (Blickpunkt Film).