Sommernachtsphantasien
Wahre Lügen
Ganz im Zeichen der Spannung stehen die diesjährigen "Sommernachtsphantasien" im ZDF-Montagskino mit fünf sehr unterschiedlichen Erotikthrillern und einem Sex-Musical der Superlative. Den Anfang macht der kanadische Festivalfilm "Wahre Lügen" (Free-TV-Premiere), in dem Regisseur Atom Egoyan ein trickreiches Geflecht aus Sex, Lügen und Verbrechen entspinnt.
Ganz im Zeichen der blonden Femme fatale Catherine Tramell alias Sharon Stone stehen dann die Filme "Basic Instinct 1 und 2", der eine Paul Verhoevens Sex & Crime Klassiker aus dem Jahre 1992, der andere Michael Caton-Jones' spannungsgeladene Fortsetzung (Free-TV-Premiere) aus dem Jahr 2006. Es folgen der niederländische Insel-Thriller "Verführerisches Spiel" (Free-TV-Premiere) und Jane Campions hitziger Erotikkrimi "In the Cut - Wenn Liebe tötet". Beendet wird die diesjährige Reihe mit Paul Verhoevens ebenso provokantem wie umstrittenem Sex-Drama "Showgirls", in dem der Niederländer einen entlarvenden Blick hinter die Glitzerfassade von Las Vegas wirft.
In den 50er Jahren sind Lanny Morris und Vince Collins das heißeste Duo des Showgeschäfts. Ob auf der Bühne edler Clubs oder vor den Fernsehkameras, das Publikum ist begeistert von dem frechen Frauenverführer Lanny und dem charmanten Gentleman Vince. Und auch nach der Show lassen die beiden Stars nichts anbrennen und sonnen sich in der Gunst ihrer weiblichen Fans. Bis eines Tages in der Badewanne ihres luxuriösen Hotelzimmers eine Frauenleiche gefunden wird. Die Umstände des mysteriösen Todesfalls bleiben im Dunkel, doch die Partnerschaft des Erfolgsduos zerbricht daran.
15 Jahre später begibt sich die ehrgeizige Journalistin Karen O'Connor auf eine mühsame Spurensuche. Sie will Licht in den damals dezent vertuschten Vorfall bringen und eine Biografie über die Helden ihrer Jugend schreiben. Doch je tiefer sie in der Vergangenheit gräbt, desto verwirrender und hässlicher werden die Details. Und schon bald findet sie sich in einem erotischen Spiel voller Lügen und Intrigen wieder, in dem jeder jeden benutzt und alle versuchen, mit heiler Haut davonzukommen...
Basierend auf dem gleichnamigen Romanbestseller von Rupert Holmes inszenierte der kanadische Regisseur Atom Egoyan mit "Wahre Lügen" einen eleganten Erotikthriller über Schein und Sein und die dunklen Abgründe hinter einer glitzernden Fassade von Ruhm und Reichtum. Zugleich ist sein zehnter Spielfilm ein entlarvender Blick auf die Unterhaltungsindustrie, in der Schönheit und Hässlichkeit eng beeinander liegen und Sex, Gier und Angst als die eigentlichen Triebfedern eines erbarmungslos funktionierenden Business offengelegt werden. Das erotische Trio im Zentrum dieses hintergründigen Film noir verstrickt sich dabei in ein raffiniertes Lügengeflecht, das zum Schluss alle als Verlierer dastehen lässt: Opfer und Täter in einem undurchschaubaren Mörderspiel, das irgendwann keiner von ihnen mehr kontrollieren kann.
"Wahre Lügen" ist eine Tour de force durch die Traumfabrik Hollywood, in der Illusionen ebenso kunstvoll erschaffen wie auch zerstört werden. Ein Thema, das den Filmemacher Atom Egoyan schon immer interessiert hat. Ob es die Geschichte des luxuriösen Nachtclubs "Exotica" und seinen Träume und Vergessen suchenden Kunden und Angestellten ist. Ein Mädchen, das die gefährliche Wahrheit hinter einem romantischen Zusammentreffen erkennen muss ("Felicia, mein Engel") oder eine Dorfgemeinschaft, die einer furchtbaren Tragödie ins Auge blicken muss ("Das süße Jenseits"). Auch Egoyans neueste Regiearbeit, das Erotikdrama "Chloe", beschäftigt sich mit der markanten Schnittstelle zwischen Phantasie und Wirklichkeit, der das Schauspieler-Trio Julianne Moore, Liam Neeson und Amanda Seyfried demnächst auf der Kinoleinwand nachspüren darf.
Für seinen Hochglanz-Thriller "Wahre Lügen" konnte sich der Regisseur ebenfalls auf ein hochkarätiges Darstellertrio verlassen. Der US-Amerikaner Kevin Bacon und der Brite Colin Firth verkörpern die so unterschiedlichen Starkomiker Lanny und Vince, deren Freundschaft auf ebenso rätselhafte wie abrupte Weise zerbricht. Der ehemalige Teeniestar Kevin Bacon ("Diner", "Footloose") hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem ernstzunehmenden Charakterdarsteller gemausert ("Apollo 13", "Mystic River"), der auch vor heiklen Rollen wie die eines pädophilen Ex-Häftlings in dem Drama "The Woodsman" nicht zurückschreckt. Als Regisseur bewies er mit dem romantischen Drama "Loverboy" ebenso Talent wie als Stand-up-Comedian in der Broadway-Show "An Almost Holy Picture" und anderen Off-Broadway-Produktionen. Die Bretter, die die Welt bedeuten, kennt sein britischer Schauspielkollege Colin Firth ebenfalls sehr gut. Fiel er doch noch während seines Schauspielstudiums mit der Rolle des grübelnden Dänenprinzen "Hamlet" auf und wurde kurz darauf für die West End Produktion "Another Country" verpflichtet. Mit der gleichnamigen Kinoadaption gelang Colin Firth dann der Sprung auf die Kinoleinwand. Seitdem pendelt der Brite erfolgreich zwischen den Medien Kino und Fernsehen hin und her - begeisterte als Mr. Darcy in der TV-Version von Jane Austens "Stolz und Vorurteil" und kämpfte erfolgreich um Bridget Jones ("Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück") auf der Kinoleinwand. Er war häufiger Gast der legendären NBC-Show "Saturday Night Live" und tanzte an der Seite von Meryl Streep und Pierce Brosnan durch das Filmmusical "Mamma Mia!". Gerade abgedreht hat er unter der Regie von Oliver Parker eine neue Verfilmung des Oscar-Wilde-Klassikers "Dorian Gray", er ist mit von der Partie bei Robert Zemeckis animierter Version von Dickens "A Christmas Carol", die Ende des Jahres in die Kinos kommt, und mit der britischen Regisseurin Antonia Bird plant er den Thriller "The Meat Trade".
Als taffe Journalistin und Hobbydetektivin Karen O'Connor ist hier die grazile Alison Lohman zu sehen. Bereits mit neun Jahren stand die Kalifornierin in "The Sound of Music" auf der Bühne, spielte auch weiterhin in zahlreichen Musicals mit und ergatterte 2002 eine kleine Rolle in dem Kevin-Costner-Melodram "Im Zeichen der Libelle". Danach folgten Verpflichtungen bei den Regisseuren Ridley Scott ("Tricks") und Tim Burton ("Big Fish"). Anfang des Jahres war sie im ZDF-Montagskino in der schwarzen Krimikomödie "Auch Morden will gelernt sein" zu sehen.