Filmnacht im ZDF
Die rote Verschwörung
Professor Fluke Kelso (Daniel Craig), ein britischer und international anerkannter Stalin-Experte, erfährt am Rande einer Moskauer Tagung Unglaubliches: Es soll ein geheimes Tagebuch von Stalin existieren. Er trifft den früheren Geheimdienstoffizier Papu Rapava (Valery Chernyak), der behauptet, er selbst habe dieses Tagebuch in Stalins Todesnacht auf Geheiß von Polizeichef Beria auf dessen Moskauer Grundstück vergraben.
Kelso schenkt dem zunächst wenig Glauben, bis er bemerkt, dass er auf Schritt und Tritt beobachtet und sein Informant Rapava auf bestialische Weise ermordet wird. Mit Hilfe der Nobelprostituierten Zinaida (Yekaterina Rednikova), der Tochter Rapavas, findet Kelso tatsächlich das Tagebuch. Aber auch der amerikanische Journalist O'Brian (Gabriel Macht) hat von der Sache Wind bekommen und heftet sich an seine Fersen.
Zunächst ist die Enttäuschung groß, als sich herausstellt, dass das Tagebuch von einer jungen Komsomolzin stammt. Doch immer mehr erhärtet sich der Verdacht, dass sie die Mutter von Stalins Sohn war, einem Sohn, den niemand kennt.
O'Brian wittert eine Sensationsstory und macht sich mit Kelso und Zinaida auf in die verschneite Tundra nach Archangelsk, auf die Suche nach der Mutter und deren Kind - eine Suche voller schrecklicher Entdeckungen, die viele Menschen das Leben kosten wird und mitten hinein führt in eine düstere politische Verschwörung.
Regisseur Jon Jones hat die bekannten Versatzstücke des Agenten-Thrillers aus der Zeit des Kalten Krieges geschickt in die Gegenwart transferiert und mit "Die rote Verschwörung" einen spannenden, dennoch nachdenklich stimmenden Polit-Thriller inszeniert.
Und wer wäre besser für die Hauptrolle geeignet als Daniel Craig, der 2006 in "Casino Royale" und 2008 in "Ein Quantum Trost" die Figur des James Bond neu definierte. Smart und ruppig, ein Mann, dem es egal ist, ob Martinis gerührt oder geschüttelt werden, denn Fluke Kelso trinkt Bushmills und, wenn es sein muss, eben auch Wodka.
Auf beeindruckende Weise ist der Spagat zwischen Fiktion und Realität in Jon Jones filmischer Umsetzung gelungen. Die desolaten Verhältnisse in Russland, Machtmissbrauch, Korruption, Lethargie, die Orientierungslosigkeit der Menschen nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems kommen in vielen kleinen Details neben der spannenden Haupthandlung immer wieder zum Tragen.
"Die rote Verschwörung" ist eine gelungene Adaption des Romans "Aurora" von Robert Harris ("Vaterland", "Enigma", "Pompeji"), der im Januar 2007 als Taschenbuch wieder neu im Buchhandel erschienen ist.
In der "Filmnacht im ZDF" steht am kommenden Samstag, den 13.02.2010, der Mysterythriller "Darkness - Die Macht der Finsternis" auf dem Programm.