Die Menschen im Süden der USA sind weiterhin auf Hilfe von außen angewiesen. Viele organisieren in Eigenregie ihren Alltag nach dem Tag X. Die meisten sind enttäuscht vom schleppenden Beginn der Hilfsmaßnahmen.
Durch den Wirbelsturm "Katrina" sollen mehr als eine Million Menschen obdachlos geworden sein, und die Zahl der Todesopfer geht allein in New Orleans auf geschätzte 10.000 zu. Hilfsmaßnahmen und Evakuierungen sind inzwischen angelaufen, auch kirchliche Hilfsdienste und Freiwillige engagieren sich. Doch nicht überall kommt die Hilfe an.
Der Wirbelsturm und das Hochwasser haben den einstigen 60.000-Seelen-Ort, der vier Autostunden von New Orleans entfernt liegt, zerstört. Auch die Kirche der Baptisten ist nicht verschont geblieben. Der Pfarrer hat mit einer kleinen Gruppe im zweiten Stock des Gotteshauses überlebt. Die Zerstörung um sie herum war total. Die Häuser des Viertels sind vollkommen verwüstet, nicht mehr bewohnbar. Zerrissene Dachpappe, Plastikfetzen, und Trümmerhaufen prägen jetzt das Bild des Kirchenplatzes.
Aber ihre Zuversicht verlieren die Gemeindemitglieder der Baptistenkirche in Biloxi trotzdem nicht: "Der Herrgott hat mir das Leben geschenkt, über was soll ich klagen?", sagt eine Überlebende. Die Gemeinde hat vor der Kirche eine Art Versorgungsstation aufgebaut, dort wird gegrillt, gekocht und Hilfsgüter ausgegeben. Lebensmittel, Kleidung und Wasservorräte sind aus eigenen Mitteln beschafft worden, jeder hat das gebracht, was er übrig hatte. Die Menschen hier beklagen sich, dass in ihrem Viertel keine Hilfe von außen angekommen ist.
Das verheerende Unglück traf die Bundesstaaten Louisiana, Alabama und Mississippi im Südosten der USA am schwersten. Besonders New Orleans mit seinen 490.000 Einwohnern, von denen 28 Prozent unterhalb der Armutsgrenze leben, wurde durch das Hochwasser zerstört. Viele Menschen im Katastrophengebiet haben in den Fluten und den Sturm ihr gesamtes Hab und Gut verloren, viele wissen nicht, wie es weitergehen soll. Da setzt die finanzielle Hilfe von kirchlichen Organisationen ein. Zum Beispiel versorgt die UMCOR, die methodistische Partnerorganisation der deutschen Diakonie Katastrophenhilfe, Hurrikan-Flüchtlinge mit Decken, Hygiene-Artikeln, Trinkwasser, Lebensmitteln und Medikamenten. Auch die im Süden sehr populäre Baptistenkirche hat Notunterkünfte in Baton Rouge, Louisiana bereitgestellt.
Die zahllosen kirchlichen Vereinigungen und Dachverbände lassen so genannte "health kits" (gesundheitliche Grundausrüstung) verteilen, organisieren Notunterkünfte, sammeln Geldspenden und rekrutieren freiwillige Helfer. Der Dachverband der katholischen Kirche in Amerika "Catholic Charities" organisiert Unterkünfte für obdachlos gewordene Familien, die das Katastrophegebiet verlassen wollen sowie Lebensmittel, Benzin und Transportmöglichkeiten. Bis jetzt konnte der Verband über 3.600 Obdachlosen helfen.