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Terra X

 
Humboldt und Bonpland in ihrer Piroge. Quelle: ZDF
Humboldt und Bonpland unterwegs zum Casiquaire

Tropenfieber: Vorstoß am Orinoco

Expedition zum Casiquaire

Mit Pater Zea durch die Stromschnellen des Orinoco

Auf der Suche nach dem rätselhaften Casiquiare, einer Verbindung zwischen dem Orinoco und dem Amazonas, treffen Humboldt und Bonpland am 6. April 1800 auf den Pater Bernardo Zea. Der spanische Missionar ist zur jährlichen Ernte der Schildkröteneier auf die Orinoco-Insel Tortuga gekommen.

 
 
 
 

Obwohl Pater Zea es merkwürdig findet, dass ein Deutscher sich von Moskitos verzehren lässt, um "Ländereien zu vermessen, die nicht die seinen sind", bietet er an, die Expedition zum Casiquiare zu führen. Auch Zeas Kenntnisse über die Schildkröten am Orinoco werden zu einem weiteren Detail in Humboldts 'Kosmos'. In dem Gesamtwerk beschreibt er den Zusammenhang von allem mit allem und lässt eine erste, verblüffend moderne Idee des Klimas und des Klimawandels entstehen. Auch für Klimaforscher Ernst Rauch sind Humboldts frühe Erkenntnisse verblüffend.

 
Klima-Forscher Rauch. Quelle: ZDF
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Klima-Forscher Rauch hat sich eingehend mit Humboldts Forschungsergebnissen auseinandergesetzt.
 

Infobox

Ernst Rauch, Klima-Forscher, über Humboldts Stellenwert in der Klima-Forschung:

"Humboldt hat wissenschaftliche Zusammenhänge, auch den Einfluss des Menschen auf das Klima erkannt zu einem Zeitpunkt, da haben andere Menschen, auch in der Wissenschaft, wirklich diese Dimension noch nicht gehabt. Und seine Forschungsarbeiten sind heute, man kann fast sagen, wichtiger denn je."

 

Überblick über das große Ganze

Alles hängt für Humboldt mit allem zusammen, nichts bleibt ohne Nebenwirkung. Und auch den Tropen ringt er auf der Durchreise ein System ab. Humboldt interessieren nicht einzelne Details, er möchte den Überblick über das große Ganze. Sein Begleiter, der Arzt und Botaniker Bonpland, dagegen liebt das mühsame Geschäft der Feldforschung. Er hat eine gesicherte Zukunft als Mediziner in Paris aufgegeben und durchquert, ohne eigene Finanzmittel, auf Kosten Humboldts die Neue Welt. Die Orinico-Reise ist nur ein Teil der Expedition. In fünf Jahren sammeln sie über 6000 Pflanzen, mehr als die Hälfte davon sind noch von keinem Wissenschaftler zuvor beschrieben. Unzählige Sammelstücke verrotten in der feuchten Hitze gleich wieder. Oder fallen Ameisen und Käfern zum Opfer.

 
Kleine Piroge. Quelle: ZDF
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Eine kleine Piroge soll das Fortkommen des Expeditionstrupps erleichtern.
 

Auf Empfehlung Pater Zeas sind sie inzwischen auf eine kleinere Piroge umgestiegen - denn der Missionar kennt den kaum schiffbaren Oberlauf des Orinoco. "Vier Monate hindurch schliefen wir in Wäldern", schreibt Humboldt in einem Brief nach Berlin, "umgeben von Krokodilen, Boas und Tigern, nichts genießend als Reis, Ameisen, Manioc, Orinocowasser und bisweilen Affen."

 

Wahre Entdeckung des Kontinents

Bald sind sie mit Schlingpflanzen und Insektenlarven, Wasservögeln und Kuhbäumen, Curare-Gift und Orchideen gleichermaßen vertraut. Südamerika feiert die Humboldt-Expedition noch heute als wahre Entdeckung dieses Kontinents. Selbst die Messung von Krokodilen ist 14 Tage nach der Abreise in San Fernando für Humboldt schon zur Routine geworden.

 
Humboldt und seine Begleiter nehmen ein Bad. Quelle: ZDF
ZDF
Humboldt und seine Begleiter nehmen ein Bad - doch die Angst vor gefährlichen Tieren badet immer mit.
 

Wenig später notiert Humboldt begeistert: "Wie der Mensch allem trotzt! Wir baden uns jetzt schon mitten unter Cariben, Sägen, Rayas und Krokodilen. Ein Indianer warnt immer den anderen, und nach und nach baden wir uns alle." Allerdings niemals ohne Hemd und Hose. In diesem Punkt besteht Humboldt auf Etikette. Und versagt sich auch, eine angebliche verborgene Neigung zu Männern offen auszuleben - gefangen in seinem eigenen, preußischen Kosmos.

Zitat

„Unsere Rettung war eine Art Wunder. Die Empfindung im Aufrichten, die Rückkehr zum Leben war sehr, sehr schön.“

Alexander von Humboldt

Nichtschwimmer Humboldt in Not

Am 16. April 1800 nähert sich die Piroge den Stromschnellen am oberen Orinoco. Jede Flusskrümmung hat Humboldt erfasst. Er notiert Fließgeschwindigkeit, Wassermengen, Himmelsrichtungen. Bonpland arbeitet mit dem botanischen Lehrbuch, das sie mit sich führen. Doch Humboldt, der Nichtschwimmer ist, ist beunruhigt, denn sie drohen zu kentern und kostbare Ausrüstung zu verlieren. Wehmütig und doch erleichtert notiert Humboldt: "Wir büßten nur ein Buch ein. Es war der erste Band von Schrebers Genera Plantarum, welcher ins Wasser fiel." Weiter ist im Tagebuch zu lesen: "Die Wasserflecken auf dieser Seite sind Orinocowasser, das über den Tisch lief, als der Kahn umschlug. Unsere Rettung war eine Art Wunder. Die Empfindung im Aufrichten, die Rückkehr zum Leben war sehr, sehr schön."

 
Humboldts indianische Begleiter tragen das Boot durch den Dschungel. Quelle: ZDF
ZDF
Humboldts indianische Begleiter tragen das Boot durch den Dschungel.
 

Die Stromschnellen werden zu Wasserfällen. Der Orinoco wird unpassierbar. Passagiere und Gepäck nehmen den Umweg durch den Regenwald. Das Boot selbst muss von den Indianern über die Steilstücke getragen werden. Nur ein paar hundert Meter Flusslauf kosten so ganze Tage. Humboldt bemerkt dazu fast beseelt: "Sobald man über die Katarakte weg ist, befindet man sich in einer neuen Welt; man hat die Schranke hinter sich, welche die Natur selbst zwischen den kultivierten Küstenstrichen und den wilden, unbekannten Ländern im Innern gezogen zu haben scheint."

 
 
 
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